Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir sind versammelt im Licht des Herrn, der uns in seiner Liebe hält und uns durch die Stille unserer Tage begleitet.
Herr, erbarme dich unserer, denn wir sind oft ratlos angesichts des Leids. Christus, erbarme dich unserer, denn du bist das Licht, das in unserer Finsternis leuchtet. Herr, erbarme dich unserer, denn du allein schenkst uns den Frieden, der alles Verstehen übersteigt.
Stellen Sie sich einen Moment lang ein Bild vor, das so alltäglich und doch so bezeichnend für die Welt eines jungen Menschen ist: Ein kleiner, unscheinbarer Garten. Vielleicht ist es ein Ort, an dem man nach dem Rechten sieht, an dem man hofft, dass etwas wächst, das man selbst gepflanzt hat. Man geht hin, man prüft, man sucht nach einer Frucht, die die Mühe belohnt. Benjamin Vo, unser lieber Ben, war selbst wie ein solcher Garten – voller verborgener Schätze, voller Intelligenz, die wie ein junger Trieb nach oben strebte, und voller einer Sanftmut, die in einer oft harten Welt selten geworden ist. Er war ein Junge, der nicht nur auf die Welt blickte, sondern sie mit einer unendlichen Neugier durchdrang. Denken Sie an die Momente, in denen er sich in die Komplexität der Cloud-Infrastruktur vertiefte, oder an jene leuchtenden Augen, wenn er über seine ‚Con Chim Airlines‘ sprach. Er war ein Junge, der das Leben nicht nur konsumierte, sondern mitgestaltete.
Heute, vier Monate nach dem 13. Juni 2026, hören wir im Evangelium nach Lukas ein Gleichnis, das uns an die Grenzen unseres eigenen Verständnisses führt. Ein Feigenbaum im Weinberg, der keine Frucht trägt. Der Besitzer will ihn fällen, doch der Gärtner bittet um Aufschub: ‚Lass ihn noch dieses Jahr, bis ich ringsum den Boden aufgehackt und gedüngt habe.‘ Es ist ein Bild der Geduld, die über das Maß des Erwartbaren hinausgeht. Es ist ein Bild für Gott, der nicht sofort urteilt, sondern der kultiviert, der pflegt, der wartet. Wir Menschen neigen dazu, nach Ergebnissen zu fragen. Wir fragen nach dem ‚Warum‘, wenn ein Leben, das so voller Potenzial und Liebe war, so früh aus unserer Mitte genommen wird. Wir suchen nach einer Logik in dem, was keine menschliche Logik kennt.
Paulus schreibt uns im Epheserbrief: ‚Die Gnade wurde jedem von uns nach dem Maß der Gabe Christi gegeben.‘ Das ist der Schlüssel, der uns hilft, das Leben eines Menschen wie Benjamin zu betrachten. Sein Leben war kein unvollendetes Werk, kein Baum, der keine Frucht trug. Seine Frucht war nicht die Dauer seines irdischen Daseins, sondern die Tiefe seiner Liebe. Denken Sie an jenen Moment, als er von der Krankheit seines Onkels William erfuhr. Ein fünfzehnjähriger Junge, der in einer Welt der Technik und der Zukunftspläne lebte, bot unaufgefordert sein gesamtes Erspartes an. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war längst da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen Menschen in Not hinzugeben, ist die Frucht eines Herzens, das bereits den Himmel in sich trug. Das war kein Zufall. Das war das Wirken der Gnade, die in ihm wohnte.
Alan und Thao, ich weiß, wie die Stille in Ihrem Haus manchmal wie ein Gewicht auf Ihnen lastet. Ich weiß, wie die Abwesenheit von Benjamins Stimme, sein Lächeln, das immer eine Einladung war, eine Lücke hinterlässt, die sich wie eine offene Wunde anfühlt. Und ich kenne diesen anderen, quälenden Schatten, der sich manchmal in die Gedanken schleicht: die Frage, ob man ein Zeichen übersehen hat, ob man nicht hätte wachsamer sein müssen, ob man die Krankheit hätte aufhalten können. Lassen Sie mich heute, im Licht der Schrift, diesen Stein ganz behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Liebe, kein Mangel an Sorgfalt. Es gibt in dieser Welt eine Zerbrechlichkeit, eine Unbegreiflichkeit, die jenseits aller menschlichen Kontrolle liegt. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Zärtlichkeit, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie haben nichts versäumt. Sie haben ihn geliebt, wie man nur lieben kann. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft; er hat ihn in seine Arme aufgenommen, in jene Geborgenheit, bei der es keinen Schmerz und keine Tränen mehr gibt. Sie sind keine Sklaven des Schmerzes; Sie sind Kinder der Verheißung.
Im Evangelium fragt Jesus: ‚Meint ihr, dass diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle anderen?‘ Seine Antwort ist ein klares, befreiendes Nein. Das Leid ist kein Maßstab für die Schuld. Gott rechnet nicht mit dem Maßstab der Welt. Er rechnet mit dem Maßstab der Liebe. Und Benjamin hat in seinen fünfzehn Jahren geliebt, wie wenige es in einem ganzen Leben tun. Er war ein Junge, der die Welt bereist hat, der die Wunder der Technik verstand, der aber vor allem verstand, was es heißt, ein Bruder zu sein, ein Sohn zu sein, ein Mensch zu sein. Er war wie der Gärtner im Gleichnis, der sich um den Boden kümmert, der düngt, der hofft, der liebt. Sein Leben war ein Geschenk, das uns für immer verändert hat.
Ryan, mein lieber Junge, hör mir einen Moment zu. Ich weiß, wie sehr du deinen großen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen lachten, reisten und Pläne schmiedeten. Dein Bruder Benjamin ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist in deinen Erinnerungen, er ist im Wind, der draußen weht, er ist in der Stille deines Herzens. Er möchte, dass du mutig bist, dass du lebst, dass du deine eigenen Träume mit diesem selben fröhlichen Eifer verfolgst. Wenn du dich einsam fühlst, sprich mit ihm. Er hört dich. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der auf dich wartet und der sich wünscht, dass du die Freude am Leben, die ihr geteilt habt, in dir bewahrst. Lebe für ihn mit, sei mutig, sei fröhlich, so wie er es war. Die Welt braucht dein Lächeln, so wie sie das seine gebraucht hat.
An alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Wie jener lebensspendende Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben. Wir suchen oft nach Zeichen – nach einem Zeichen, dass es ihm gut geht, nach einem Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht ist das Zeichen, das wir heute brauchen, genau dieses: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Sie ist die Kraft, die Sie durch den Tag trägt, wenn Sie morgens aufstehen und sich fragen, wie das gehen soll. Es geht, weil er Ihnen vorausgegangen ist. Er ist bei Gott, und er lächelt, genau wie er damals lächelte, wenn er von den ‚Con Chim Airlines‘ sprach – staunend, neugierig, vollkommen sicher.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe ist nicht vergangen. Sie ist das Licht, das Sie heute mit nach Hause nehmen dürfen. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an seine Freude denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Er ist bei Gott, und er schaut auf Sie herab mit der gleichen Wärme, mit der er damals auf Sie schaute, als Sie gemeinsam die Welt bereisten. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede, der alles Verstehen übersteigt, begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor dem Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Gehet hin in Frieden.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.