Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit Ihnen allen.
Herr, erbarme dich unserer, denn wir haben deine Wege oft aus den Augen verloren. Christus, erbarme dich unserer, denn du bist unsere Zuflucht in der Not. Herr, erbarme dich unserer und schenke uns den Frieden, der alles Verstehen übersteigt.
Stellen Sie sich für einen Moment ein ganz leises Bild vor: Benjamin, wie er in einem ruhigen Moment zu Hause sitzt, vielleicht ein Buch über Luftfahrt in der Hand oder vertieft in den Code einer seiner Anwendungen, die er mit so viel Hingabe für seine ‚Con Chim Airlines‘ entworfen hat. Er ist ein Junge, dessen Geist immer ein Stück weiter flog als der Horizont, ein Geist, der neugierig war auf die Wolken, auf die Cloud-Infrastruktur und auf das Geheimnis hinter den Dingen. Heute, am Gedenktag der heiligen Thérèse vom Kinde Jesu, blicken wir auf einen Menschen, der den ‚kleinen Weg‘ der Liebe zur Vollendung geführt hat. Und wir blicken auf Ben, dessen kurzes Leben eine so ähnliche, sanfte Spur der Liebe in unseren Herzen hinterlassen hat.
Im Buch Ijob hören wir heute einen Schrei, der uns tief berührt: ‚Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.‘ Ijob ist ein Mann, der den Boden unter den Füßen verloren hat. Er ist ein Mann, dessen Welt in Trümmern liegt. Er spricht vom ‚Staub‘ – jenem Ort, an dem alles Irdische endet, an dem unsere Pläne, unsere Hoffnungen und unsere Sorgen zur Ruhe kommen. Vielleicht kennen Sie diesen Staub, liebe Thao, lieber Alan, lieber Ryan. Es ist der Staub der Trauer, der sich wie ein grauer Schleier über die Dinge legt, die früher so hell und lebendig waren. Es ist die Stille in Bens Zimmer, die manchmal so schwer wiegt, dass man kaum atmen kann. Ijob aber bleibt nicht beim Staub stehen. Er schaut hindurch. Er sagt: ‚Und aus meinem Fleisch werde ich Gott schauen.‘ Das ist kein Wunschdenken. Es ist ein Wissen, das aus der tiefsten Not geboren wurde. Er weiß, dass sein Leben nicht im Nichts endet, sondern in der Begegnung mit dem, der das Leben selbst ist.
Ich weiß, wie sehr Sie sich fragen, ob Sie etwas hätten tun können. Ich sehe die Schatten der Selbstvorwürfe, die Sie manchmal in der Stille heimsuchen. Ich möchte heute, im Licht der heiligen Thérèse, die uns lehrt, dass Gott nicht die großen Taten, sondern die Liebe im Kleinen sucht, diesen Stein von Ihrem Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge. Sie haben Benjamin nicht verloren, weil Sie etwas übersehen hätten oder weil Sie nicht wachsam genug gewesen wären. Manche Wege in dieser Welt sind so rätselhaft, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass kein Wachen und keine Liebe der Welt sie hätte verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er schaut nicht auf ein vermeintliches Defizit; er schaut auf die unendliche Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Lassen Sie diese Last endlich los. Gott hat Benjamin nicht ‚bestraft‘, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat ihn in seine Ewigkeit gerufen, in eine Zeit, in der es kein Weinen mehr gibt. Sie haben nichts versäumt. Ihr Kind wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden. Das ist das Einzige, was zählt.
Im heutigen Evangelium sendet Jesus seine Jünger aus. Er sagt zu ihnen: ‚Geht! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.‘ Das klingt zunächst beängstigend. Wer möchte schon ein Lamm unter Wölfen sein? Doch Jesus gibt ihnen eine Anweisung, die alles verändert: ‚In welches Haus ihr auch kommt, sagt zuerst: Friede diesem Haus!‘ Er schickt sie nicht mit Waffen oder Macht, sondern mit dem Frieden. Er schickt sie mit der Offenheit eines Kindes. Ben war ein solches Lamm. Er hatte diese wunderbare, sanfte Art, die so gar nicht in diese oft harte Welt passte. Denken Sie an die Geschichte, die Sie mir erzählt haben – wie er, als er von der Krankheit seines Onkels William hörte, unaufgefordert sein ganzes Sparschwein für ihn opfern wollte. Er hat es nicht zerbrochen, er hat es nicht geleert, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden Menschen hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das ist der ‚kleine Weg‘, von dem die heilige Thérèse spricht: Nicht das große Heldentum, sondern die Hingabe des Herzens. Ben war ein Junge, der wusste, dass es nicht darauf ankommt, wie viel man hat, sondern wie viel man liebt.
‚Der Friede wird auf ihm ruhen‘, sagt Jesus. Wenn wir heute an Ben denken, dann spüren wir genau diesen Frieden. Er ist nicht weg. Er ist in der Gemeinschaft derer, die Gott von Angesicht zu Angesicht schauen. Er ist bei der heiligen Thérèse, die auch so jung heimgegangen ist und doch die Welt mit ihrer Liebe verändert hat. Ben hat die Welt nicht mit großen Reden verändert, sondern mit seinem Lächeln, mit seiner Neugier, mit seiner Hingabe. Er hat uns gelehrt, was es heißt, ‚bestmöglich‘ zu versuchen, wie er es im Sport und im Leben getan hat – nicht um zu gewinnen, sondern um alles zu geben.
Ryan, mein lieber Junge, ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Du bist sein bester Freund. Ihr habt so viel geteilt – das Lachen, die Träume, die Flugzeugkarten, die du nun in deiner Handyhülle trägst. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du denkst. Er ist derjenige, der dich anfeuert, wenn du morgens aufstehst, der dich begleitet, wenn du in der Schule bist, der dich anlächelt, wenn du an eure gemeinsamen Abenteuer denkst. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der nun dort ist, wo es keine ‚Con Chim Airlines‘ mehr braucht, weil er bereits am Ziel angekommen ist. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm. Er hört dich besser als jedes Telefon oder jede Cloud-Infrastruktur es je könnten.
Thao, Alan, Sie haben diesen Brunnen in Cà Mau gegraben, den ‚Giếng Gioan Baotixita‘. Das ist so ein kraftvolles Bild. Ein Brunnen ist ein Ort, an dem das Leben aus der Tiefe kommt. Genau das ist Bens Leben für Sie geworden: Ein Brunnen, aus dem Sie schöpfen können, wenn Sie durstig sind. Wenn der Schmerz kommt, dann denken Sie an das Wasser, das in seinem Namen fließt. Denken Sie an die Menschen, die durch seine Liebe nun sauberes Wasser haben. Das ist das Erbe eines Jungen, der mit 15 Jahren mehr Liebe in die Welt gebracht hat als viele in einem langen Leben. Seine Liebe ist nicht versiegt; sie fließt weiter. Sie ist ein Teil des ‚Guten im Land der Lebenden‘, von dem der Psalmist heute spricht.
Wir dürfen heute den Blick auf das richten, was bleibt. Ijob sagt: ‚Mein Vindicator lebt.‘ Unser Erlöser lebt. Und in ihm lebt auch Benjamin. Er ist nicht im Staub geblieben. Er ist in das Licht eingegangen, das niemals untergeht. Er ist bei Gott, und er schaut auf Sie herab mit einer Freude, die wir hier unten nur erahnen können. Er möchte, dass Sie heute einen kleinen Schritt tun. Vielleicht ist es ein Lächeln für jemanden, der auch gerade leidet. Vielleicht ist es ein Moment des Innehaltens, in dem Sie einfach nur ‚Danke‘ sagen für die Zeit, die Sie mit ihm hatten. Vielleicht ist es der Mut, heute Abend ein wenig leichter zu atmen.
Lassen Sie uns heute nicht nach Erklärungen suchen, warum das Leben so kurz war. Lassen Sie uns stattdessen die Tiefe dieses Lebens feiern. Gott hat uns Ben als ein Geschenk gegeben, und er hat ihn wieder zu sich gerufen. Er ist nun in der ‚Banquet of Heaven‘, wie Sie es so schön gesagt haben. Er ist dort, wo die Flugzeuge nicht mehr landen müssen, weil sie schon angekommen sind. Er ist dort, wo die Mathematik vollkommen ist, weil sie in der Liebe Gottes aufgeht. Er ist dort, wo er immer sein wollte: in der Geborgenheit des Vaters.
Gehen Sie heute mit dieser Hoffnung nach Hause. Wenn die Trauer Sie überfällt, dann denken Sie an das Sparschwein, das Ben so bereitwillig für seinen Onkel öffnen wollte. Denken Sie an die Großzügigkeit seines Herzens. Und dann seien Sie selbst großzügig zu sich selbst. Vergeben Sie sich selbst. Hören Sie auf, sich zu fragen, was Sie hätten tun können. Sie haben geliebt. Das war genug. Das ist alles, was zählt. Gott hält Sie. Gott hält Ben. Und er führt uns alle eines Tages an den Tisch, an dem keine Träne mehr fließen wird. Bleiben Sie neugierig auf das Leben, wie Ben es war. Bleiben Sie liebevoll, wie Ben es war. Und wisse: Die Liebe, die ihr geteilt habt, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das euch für immer verbindet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor allem Bösen und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.