Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr sei mit euch.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment etwas ganz Schlichtes vor: Ein ruhiges, fast alltägliches Zimmer. Ein Vater sitzt da, und ein Junge hört ihm zu. Keine Eile, keine Bildschirme, kein Lärm der Welt, der sich vordrängt. Nur die Stimme des Vaters, der eine Geschichte erzählt, und ein Sohn, der mit wachen Augen an seinen Lippen hängt, jedes Wort aufsaugt und in diesem einfachen Zusammensein eine ganze Welt findet. Benjamin liebte es schlicht und tief, den Geschichten seines Vaters zu lauschen. Er war ein Junge von außergewöhnlichem Verstand, einer, der schon im zarten Alter die Welten der Mathematik und der Technik durchdrang, der über Cloud-Infrastrukturen nachdachte, während andere noch mit Spielzeug bauten. Doch wer Ben wirklich kannte, der wusste, dass seine Brillanz nur das Kleid war für eine Seele, die unendlich zart, neugierig und voller ungefilterter Liebe war. Er war der Junge, der im Herzen immer ein Kind blieb, das sich an den einfachsten Dingen freute – wie an jenen selbst ausgedachten, im fröhlichen Gekicher geborenen Fantasieflügen seiner ‚Con Chim Airlines‘, bei denen das Lächeln gar nicht mehr aus seinem Gesicht verschwinden wollte.
Hier, in dieser schlichten Szene des Zuhörens, berührt uns heute das Evangelium auf eine Weise, die uns den Atem raubt. Wir hören im Lukas-Evangelium jene vertraute Bitte der Jünger: ‚Herr, lehre uns beten, so wie Johannes seine Jünger gelehrt hat.‘ Es ist kein theologischer Vortrag, den sie erbitten. Es ist der tiefe, kindliche Wunsch, zu wissen, wie man spricht, wenn man vor dem steht, der das Leben hält. Und Jesus antwortet, indem er ihnen kein langes Gesetz auferlegt, sondern das einfachste, intimste Wort überhaupt schenkt: ‚Vater.‘ Das altbekannte, heilige ‚Vaterunser‘. Er weist sie an, das tägliche Brot zu erbitten, Vergebung zu suchen und sich nicht in die letzte Prüfung stürzen zu lassen. In diesem Gebet gibt es keinen Raum für Fassaden, keinen Platz für das künstliche Vorspielen von Stärke. Es ist das Stammeln des Herzens, das weiß: Ich bin nicht allein. Ich bin geliebt.
Und wie wunderbar spiegelt sich dieses kindliche Vertrauen in Ben wider. Denken Sie an die Reinheit seines Herzens – an jenen Augenblick, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte. Ein fünfzehnjähriger Junge, der mitten in seinen eigenen Träumen stand, unaufgefordert und völlig selbstverständlich zu seinen Eltern ging, um anzubieten, sein gesamtes Erspartes herzugeben, damit dem leidenden Onkel geholfen werden könne. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Wege da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen Menschen in Not hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das ist es, was es bedeutet, das Himmelreich wie ein Kind zu empfangen. Es ist die Liebe, die nicht rechnet, die nicht fragt, was für sie abfällt, sondern die einfach gibt, weil die Liebe gar nicht anders kann.
Doch heute, da etwa drei Monate seit Bens Heimgang vergangen sind, wissen wir auch um die andere Seite des Lebens – um jene Stunden, in denen das Gebet schwer wird und die Stille im Haus drückt. Ich sehe Sie, liebe Thao und lieber Alan. Ich sehe, wie die Abwesenheit dieses wunderbaren Jungen eine Schneise der Stille hinterlässt, die durch keinen Lärm der Welt zu füllen ist. Manchmal schleicht sich in diese Stille jenes quälende, bleierne Gewicht ein: die Selbstvorwürfe, die Frage, ob man ein Zeichen übersehen, ob man den Sturm hätte aufhalten können. Lassen Sie mich heute, im Licht dieses Evangeliums, diesen Stein behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen elterlicher Fürsorge, kein Mangel an Wachsamkeit oder Liebe. Manche Wege in dieser zerbrochenen Welt sind so rätselhaft, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass keine Liebe der Welt und kein Wachen sie hätte verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat diesen zarten, klugen Geist in seine ewige Geborgenheit aufgenommen. Sie haben nichts versäumt. Ihr Kind wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden.
Im ersten Brief an die Galater, den wir heute hören, spricht der Apostel Paulus von seiner Berufung, von dem Vertrauen, das ihm geschenkt wurde, und von jenen Momenten, in denen er den Mut haben musste, Petrus selbst ins Gesicht zu stehen, weil dieser vom Weg der Wahrheit abgewichen war. Paulus kämpft für das Evangelium der Freiheit. Er erinnert uns daran, dass wir nicht unter dem Gesetz der Angst stehen, sondern unter der Gnade. Das ist der Boden, auf dem wir heute stehen. Wenn wir an Ben denken, wenn wir uns an jene Träume erinnern, die er in seinem klugen Kopf wälzte, dann sehen wir keinen abgebrochenen Faden, sondern ein Leben, das in Gottes Hand seine Vollendung gefunden hat. Wie jener saubere, lebensspendende Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde – ein stilles Werk der Barmherzigkeit, das durstigen Menschen frisches Wasser schenkt –, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie ist lebendig in jedem guten Gedanken, in jeder Erinnerung, in jedem Lächeln, das Sie mit Ryan teilen.
Ryan, mein lieber Junge, ich spreche zu dir. Ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten, vom gemeinsamen Lachen bis zu den Plänen für die Zukunft. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist derjenige, der dich anfeuert, wenn du morgens aufstehst, der dich begleitet, wenn du in der Schule bist, der dich anlächelt, wenn du an eure gemeinsamen Abenteuer denkst. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm; er hört dich in der Stille deines Herzens. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der nun dort ist, wo es keine Schmerzen mehr gibt, und der auf dich wartet.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt, an jedes Kind, das auf Stationen oder in stillen Zimmern leidet: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Gottes Liebe ist wie ein unendlicher Ozean, der deine Tränen auffängt. Der Herr vergisst keinen Tropfen Liebe, den du gegeben hast. Wie der Vater im Himmel seine Kinder empfängt, so hält er auch euch in seiner unendlichen Hand.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an sein ansteckendes Gekichern bei den Geschichten von den ‚Con Chim Airlines‘ denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch; der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.