Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr sei mit Ihnen.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment ein Bild vor, das so still und vertraut ist, dass man es fast übersehen könnte: Ein sonniger Nachmittag an einem breiten Fluss, das Licht bricht sich in kleinen Wellen, und eine Familie sitzt beisammen in einem offenen Boot, das sanft über das Wasser gleitet. Das Leben hat eine eigene Strömung, eine Strömung, die uns manchmal an Orte trägt, die wir nie gesucht haben. Benjamin Vo war ein Junge, der diese Strömungen verstand. Er hatte einen so wachen, brillanten Verstand, dass er mathematische Welten und komplexe Cloud-Strukturen erforschte, als würde er auf einer Landkarte lesen, die für andere unsichtbar war. Doch wenn wir heute an ihn denken, an diesen Jungen, der mit vierzehn oder fünfzehn Jahren schon so viel von der Welt gesehen hatte – von den großen Metropolen bis zu den heiligen Stätten Europas –, dann denken wir nicht an seine Zahlen oder an seine Bildschirme. Wir denken an dieses schlichte, unverstellte Lächeln. An den Jungen, der im Sommer mit seinem silvernen Kreuz um den Hals und seinem Vater gegenübersaß, über einer einfachen Schüssel Pasta lachend, ganz da im Augenblick.
Heute hören wir im Galaterbrief Worte, die uns wie ein Hauch von frischem Wind treffen. Paulus spricht von der Frucht des Geistes. Er sagt uns, was wächst, wenn ein Leben nicht von der Enge des bloßen Buchstabens, sondern von der Weite Gottes genährt wird: ‚Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.‘ Und im Evangelium nach Lukas begegnen wir Jesus, der mitten in den engen Gassen Jerusalems steht und die Pharisäer und Schriftgelehrten mit einer schmerzhaften, heilenden Klarheit anspricht. Er wirft ihnen vor, sich im Kleinen zu verlieren – die Minze und die Raute im Garten penibel zu zählen –, während sie das Wesentliche vergessen: das Gericht und die Liebe zu Gott, die Barmherzigkeit, das echte, ungekünstelte Hinwenden zum Menschen.
Das ist die Brücke, auf der wir heute stehen, vier Monate nachdem Benjamin seine irdische Reise vollendet hat. Wir schauen auf das Leben zurück und sehen keinen Schatten, sondern einen Jungen, dessen Herz genau diese reife Frucht getragen hat. Denken Sie daran, wie er war. Er war kein Junge, der sich versteckte. Er war ein Kämpfer, einer, der auf dem Badmintonfeld oder beim Basketball bis zum Umfallen gab und wusste: ‚Versuchen ist alles, was zählt.‘ Er war derjenige, der mit seinem Vater stundenlang an Flughäfen stand, um Boeing-Maschinen zu beobachten, und der von einer eigenen Fluggesellschaft träumte – jenen ‚Con Chim Airlines‘, bei deren Erwähnung er immer dieses ansteckende, helle Lächeln im Gesicht hatte. Er war voller Leben, voller Pläne, voller Zukunft.
Und doch wissen wir, wie schwer die Stille geworden ist. Thao, Alan, ich weiß, wie sich die Abende in diesem Haus anfühlen, wenn die Welt schläft und die Erinnerung an seinen Schritt, an seine Stimme, an die Art, wie er die Treppe herabkam, den Raum ausfüllt. Ich weiß, wie die Trauer manchmal wie eine dunkle Welle über Sie zusammenschlägt. Manchmal schleicht sich in diese Stunden ein leiser, zermürbender Verdacht ein – jene schwere Frage, ob man etwas übersehen hat, ob man wachsamer hätte sein müssen, ob ein Mensch etwas hätte verhindern können. Lassen Sie mich diesen Stein heute ganz behutsam, mit zitternden Händen, von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen elterlicher Fürsorge, kein Mangel an Liebe oder Aufmerksamkeit. Manche Wege in dieser Welt sind so unbegreiflich, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass keine Liebe der Welt und kein Wachen diesen Sturm hätte aufhalten können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Versäumnis; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Zärtlichkeit, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Sie haben nichts versäuselt. Ihr Sohn wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden. Sie dürfen aufatmen. Die Last der Schuld gehört nicht auf Ihre Schultern.
Jesus tadelt jene, die die Lasten für andere schwer machen, selbst aber keinen Finger rühren, um zu helfen. Gott ist nicht so. Er legt uns keine unerträglichen Lasten auf; er nimmt sie fort. Er nimmt die Schwere der Trauer, wenn wir es nur wagen, sie ihm hinzuhalten. Und wenn wir uns fragen, wie diese Liebe aussieht, die Paulus beschreibt, dann müssen wir uns nur an Benjamin erinnern. Erinnern Sie sich an jenen Moment, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte? Er war erst fünfzehn Jahre alt, ein Junge mit großen Träumen von Technik und eigenen Unternehmen, und doch kam er unaufgefordert zu seinen Eltern und bot an, sein gesamtes Erspartes hinzugeben, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Weise da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen Menschen in Not hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das ist die Frucht des Geistes. Ein Junge, dessen Herz so weit war, dass er nicht an sich selbst dachte, sondern an den Schmerz des anderen.
Ryan, mein lieber Junge, hör mir einen Moment zu. Ich weiß, wie sehr du deinen großen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten, die zusammen lachten, reisten und Pläne schmiedeten. Dein Bruder Benjamin ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist in deinen Erinnerungen, er ist im Wind, der draußen weht, er ist in der Stille deines Herzens. Er möchte, dass du mutig bist, dass du lebst, dass du deine eigenen Träume mit diesem selben fröhlichen Eifer verfolgst. Wenn du dich einsam fühlst, sprich mit ihm. Er hört dich. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der auf dich wartet und der sich wünscht, dass du die Freude am Leben, die ihr geteilt habt, in dir bewahrst.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Wie jener saubere, lebensspendende Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen frisches Wasser zu schenken, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an seine Freude denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Er ist dort, wo die ‚Con Chim Airlines‘ in einer Realität aufgehen, die all unsere Vorstellungskraft übersteigt. Er ist in Gottes Frieden. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor allem Übel und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.