Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment ein Bild vor, das so alltäglich ist, dass man es fast übersieht: Ein Vater, der spät in der Nacht an der Tür seines Nachbarn klopft. Er hat nichts, um seinen unerwarteten Gast zu bewirten. Er steht da, die Hände leer, das Herz schwer vor Sorge um die Gastfreundschaft, die er nicht erfüllen kann. Es ist eine Szene der menschlichen Ohnmacht. Er hat keine Brote, er hat keine Vorräte, er hat nur die dringende Bitte: ‚Leih mir drei Brote.‘
Wie oft haben wir uns in den letzten Monaten so gefühlt? Als stünden wir vor einer verschlossenen Tür, mitten in der Nacht unseres Lebens, und hätten nichts mehr zu geben – keine Kraft, keine Antworten, keine Hoffnung, die wir unseren eigenen Herzen oder denen, die wir lieben, anbieten könnten. Wir stehen da, wie der Mann im Evangelium, und klopfen an, weil wir nicht mehr weiterwissen. Wir klopfen an, weil wir den Schmerz tragen, den Verlust von Benjamin, die Stille, die in den Räumen zurückgeblieben ist, und den Wunsch, einfach nur für einen Moment wieder ‚genug‘ zu haben, um den nächsten Tag zu überstehen.
Benjamin, unser geliebter Ben, war ein Junge, der das Leben mit einer solchen Neugier und Brillanz anpackte, dass es uns heute noch staunen lässt. Er war nicht nur der junge Mathematiker, der Cloud-Infrastrukturen verstand, als wären es Spielzeuge; er war der Junge, der in jeder Situation das Licht suchte. Denken Sie an den Moment, als er in einem fernen Land, in Bangkok, trotz der Warnungen seiner Eltern unbedingt das scharfe Pad Thai probieren wollte. Er wusste, es würde brennen, er wusste, es wäre intensiv – und doch wollte er es wagen. Und als er dann da saß, die Tränen in den Augen vor Schärfe, aber gleichzeitig kichernd und lachend vor purer Lebensfreude, da zeigte er uns, wer er war: Ein Kämpfer, der vor dem Leben nicht zurückwich, sondern es mit einem Lächeln umarmte. Er war kein Junge, der sich vor der Intensität des Seins fürchtete.
Doch heute, drei Monate nach seinem Heimgang, ist die Schärfe des Lebens für Sie, liebe Thao und lieber Alan, zu einer anderen geworden. Es ist nicht mehr die Schärfe eines Essens, sondern die Schärfe des Vermissens. Ich weiß, wie die Nächte sind. Ich weiß, wie die Stille um drei Uhr morgens manchmal den Namen ‚Mẹ‘ flüstert, wie es in den Ohren der Mutter hallt, ein Echo, das so zärtlich und doch so schmerzhaft ist. Und ich kenne diesen anderen, dunklen Schatten, der sich manchmal in die Gedanken schleicht: die Frage, ob man etwas hätte tun können. Hätte man besser aufpassen müssen? War da ein Zeichen, das man übersehen hat? Dieser quälende Gedanke, dass man als Eltern versagt hätte, ist eine Lüge, die aus der Erschöpfung des Kummers geboren wird. Lassen Sie mich diesen Stein heute ganz behutsam von Ihrer Seele nehmen: Sie haben nichts versäumt. Sie haben Benjamin geliebt, wie man nur lieben kann – mit jeder Faser Ihres Seins, mit jedem Atemzug. Gott klagt Sie nicht an, und Sie dürfen sich selbst nicht anklagen. Die Krankheit, die ihn zu Gott heimrief, war kein Fehler, kein Versagen, keine Strafe. Sie war ein Sturm, gegen den kein menschliches Wachen bestehen konnte. Sie sind frei von dieser Schuld. Gott hält Benjamin jetzt, und er hält Sie.
Jesus sagt im heutigen Evangelium: ‚Was für einen Vater unter euch gibt es, der seinem Sohn eine Schlange reicht, wenn er um einen Fisch bittet?‘ Er spricht hier direkt zu unserem Herzen. Er weiß, dass wir uns manchmal fragen, warum unsere Gebete nicht so beantwortet wurden, wie wir es uns wünschten. Wir haben um das Leben gebeten, um die Gesundheit, um noch viele Jahre mit Ben. Und doch: Jesus verspricht uns nicht, dass wir vor jedem Schmerz bewahrt bleiben. Er verspricht uns etwas viel Tieferes: Er verspricht uns den Heiligen Geist. Er verspricht uns, dass er uns genau das gibt, was wir wirklich brauchen, um in der Dunkelheit nicht zu verzweifeln.
Paulus schreibt im Galaterbrief: ‚Habt ihr den Geist durch Gesetzeswerke empfangen oder durch die Botschaft des Glaubens?‘ Er fordert die Galater heraus, nicht in die Falle zu tappen, zu glauben, man müsse sich Gottes Liebe verdienen oder durch korrektes Handeln das Schicksal erzwingen. Nein, der Glaube ist ein Geschenk. Es ist das Vertrauen, dass Gott uns auch dann hält, wenn unsere Hände leer sind. Benjamin hat das auf seine Weise gelebt. Erinnern Sie sich an den Moment, als er von der Krankheit seines Onkels William hörte? Er wollte sein ganzes Erspartes hergeben, ohne zu zögern. Er hat es nicht getan, weil er ein ‚Gesetz‘ befolgte, sondern weil sein Herz einfach überfloss vor Liebe. Das ist der Geist, von dem Paulus spricht. Das ist die Liebe, die nicht rechnet, die nicht fragt: ‚Was bekomme ich dafür?‘, sondern die einfach nur gibt. Ben hat uns das hinterlassen: Ein Leben, das wie ein offenes Fenster war, durch das die Liebe Gottes direkt in unsere Welt strömen konnte.
Ryan, mein lieber Junge, ich spreche heute zu dir. Ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten, die zusammen lachten und planten. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist wie das Echo deines Lachens, wie der Wind, der dich an die gemeinsamen Abenteuer erinnert. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm; er hört dich in der Stille deines Herzens. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der nun dort ist, wo es keine Schmerzen mehr gibt, und der auf dich wartet. Lebe für ihn mit, sei mutig, sei fröhlich, so wie er es war.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Gottes Liebe ist wie ein unendlicher Ozean, der deine Tränen auffängt. Wie jener Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen sauberes, kühles Wasser zu schenken, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben.
Wenn wir heute das Gebet des Herrn sprechen, dann denken wir an das ‚tägliche Brot‘. Es ist nicht nur das Brot für den Hunger des Leibes, sondern das Brot für den Hunger der Seele. Gott gibt uns heute dieses Brot: die Gewissheit, dass Benjamin ‚nach Hause‘ gekommen ist. Er ist nicht verloren gegangen; er wurde gefunden. Er ist am Tisch des ewigen Vaters, dort, wo er nicht mehr nach den ‚Con Chim Airlines‘ suchen muss, weil er bereits im Licht fliegt. Er wartet auf uns. Er schaut auf uns herab, und er lächelt, so wie er immer gelächelt hat – dieses sanfte, reine Lächeln, das die Welt ein Stück heller gemacht hat.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an sein ansteckendes Gekichern bei den Geschichten von ‚Con Chim Airlines‘ denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.