Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr sei mit Ihnen und schenke uns seinen Frieden in dieser Stunde des Gebets.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Augenblick etwas ganz Schlichtes vor, etwas, das beinahe im Alltäglichen verschwindet, wenn nicht das Herz daran hängen würde: Benjamin, wie er mit seinem Vater in einem Flughafen-Terminal sitzt, die Augen fest auf das Rollfeld gerichtet, während er mit einer Mischung aus kindlicher Freude und technischer Präzision die Bewegungen der Maschinen verfolgt. Er war ein Junge, der in den Boeing 737 nicht nur Metall und Triebwerke sah, sondern die Weite des Himmels, eine Einladung zur Entdeckung, ein Abenteuer, das er ‚Con Chim Airlines‘ nannte. Er hatte dieses ansteckende Kichern, wenn er davon sprach – ein Gekicher, das von einer Neugier zeugte, die immer ein Stück weiter flog als der Horizont.
Heute, drei Monate nach seinem Heimgang, blicken wir auf diese Welt der Flugzeuge und der Cloud-Infrastruktur, in der Ben so zu Hause war, und wir blicken auf das Wort Gottes, das uns heute in eine ganz andere Weite führt. Im Buch Ijob hören wir einen Mann, der durch das Feuer gegangen ist. Ijob, der alles verloren hatte – seine Kinder, seinen Besitz, seine Gesundheit –, steht am Ende vor dem Geheimnis des Schöpfers. Er sagt: ‚Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber jetzt hat mein Auge dich geschaut.‘
Ijob hatte nach Antworten gesucht. Er hatte nach dem ‚Warum‘ gefragt, wie wir es alle tun, wenn der Schmerz uns den Atem raubt. Er wollte verstehen, warum sein Leben in Scherben lag. Doch Gott gibt ihm keine logische Erklärung, keine Liste von Gründen. Er zeigt ihm die Weite des Kosmos, die Geheimnisse des Meeres und der Sterne. Und Ijob verstummt. Er erkennt, dass das Leben ein Geschenk ist, das so viel größer ist als unser menschlicher Verstand. Er erkennt, dass er nicht der Lenker des Sturms ist, aber dass er gehalten wird vom Schöpfer des Sturms.
Ich weiß, liebe Thao, lieber Alan, wie oft diese Stille im Haus an Ihnen zehrt. Ich weiß, wie die Abwesenheit von Benjamin – diese Lücke, die kein technisches Gespräch und kein gemeinsames ‚Airport Spotting‘ mehr füllen kann – wie ein unerträgliches Gewicht auf Ihren Schultern liegt. Ich sehe den Schatten der Selbstvorwürfe, der sich manchmal in der Nacht in Ihr Denken schleicht. ‚Hätte ich etwas anders machen können? War ich wachsam genug?‘ Lassen Sie mich heute, im Licht des Wortes Gottes, diesen Stein von Ihrem Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge. Sie haben Benjamin nicht verloren, weil Sie etwas übersehen hätten. Manche Wege in dieser Welt sind so rätselhaft und so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass kein Wachen, keine Liebe der Welt sie hätte verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht ‚bestraft‘, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat ihn in seine Ewigkeit gerufen. Sie haben nichts versäumt. Ihr Kind wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden. Das ist das Einzige, was zählt.
Im heutigen Evangelium kehren die zweiundsiebzig Jünger zu Jesus zurück. Sie sind voller Begeisterung: ‚Herr, sogar die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.‘ Sie suchen den Erfolg, die Macht, den Sieg über das Böse. Doch Jesus antwortet mit einer sanften, aber radikalen Korrektur: ‚Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind, sondern freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.‘
Das ist die Wahrheit, die wir heute mit nach Hause nehmen dürfen. Unsere Größe, unser Wert, unser Name – all das ist nicht in den Dingen verzeichnet, die wir kontrollieren oder erreichen, sondern im Herzen Gottes. Ben war ein Junge von außergewöhnlichem Verstand, ein kleiner Tüftler, der Cloud-Umgebungen verstand, wie andere ihre Spielzeuge verstehen. Aber sein wahrer ‚Erfolg‘, sein wahrer Glanz, war sein sanftes Herz. Denken Sie an jenen Moment, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte. Unaufgefordert, ohne dass es jemand von ihm verlangte, wollte er sein gesamtes Erspartes hergeben, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden Menschen hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das ist es, was Jesus meint, wenn er sagt: ‚Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Gebildeten verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.‘ Ben war ein solches Kind. Er hatte diese unverstellte Güte. Er wusste, dass es nicht darauf ankommt, wie viel man hat, sondern wie viel man liebt.
Jesus freut sich im Heiligen Geist. Er sieht, dass das Geheimnis Gottes nicht den ‚Klugen‘ dieser Welt vorbehalten ist, sondern denen, die wie Kinder vertrauen können. Ben war ein solches Kind. Er war ein Kämpfer, ja, einer, der auf dem Badmintonplatz alles gab, einer, der ‚trying is all that matters‘ lebte. Aber er war auch ein Kind, das sich bei seinem Vater sicher fühlte, das die Welt mit einer Neugier betrachtete, die nie verbittert war. Er war ein Kind des Lichts.
Ryan, mein lieber Junge, ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Du bist sein bester Freund. Ihr habt so viel geteilt – das Lachen, die Träume, die Flugzeugkarten, die du nun in deiner Handyhülle trägst. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du denkst. Er ist derjenige, der dich anfeuert, wenn du morgens aufstehst, der dich begleitet, wenn du in der Schule bist, der dich anlächelt, wenn du an eure gemeinsamen Abenteuer denkst. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der nun dort ist, wo es keine ‚Con Chim Airlines‘ mehr braucht, weil er bereits am Ziel angekommen ist. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm. Er hört dich besser als jedes Telefon es je könnte.
Thao und Alan, Sie haben diesen Brunnen in Cà Mau gegraben, den ‚Giếng Gioan Baotixita‘. Das ist so ein kraftvolles Bild. Ein Brunnen ist ein Ort, an dem das Leben aus der Tiefe kommt. Genau das ist Bens Leben für Sie geworden: Ein Brunnen, aus dem Sie schöpfen können, wenn Sie durstig sind. Wenn der Schmerz kommt, dann denken Sie an das Wasser, das in seinem Namen fließt. Denken Sie an die Menschen, die durch seine Liebe nun sauberes Wasser haben. Das ist das Erbe eines Jungen, der mit 15 Jahren mehr Liebe in die Welt gebracht hat als viele in einem langen Leben. Seine Liebe ist nicht versiegt; sie fließt weiter. Sie ist ein Teil des ‚Guten im Land der Lebenden‘, von dem der Psalmist heute spricht.
Ijob sagt am Ende seiner Geschichte, dass der Herr seine späteren Tage mehr gesegnet hat als seine früheren. Das klingt nach einem Märchen, nach einem Happy End. Aber für Ijob war es kein billiger Trost. Es war die Erfahrung, dass Gott nach dem Schmerz nicht einfach verschwindet, sondern dass er das Leben neu schreibt. Er gibt uns eine neue Art zu sehen. Wir schauen nicht mehr nur auf das, was wir verloren haben, sondern auf das, was uns geschenkt wurde. Wir schauen auf die Liebe, die bleibt. Benjamin ist dieses Geschenk.
Gehen Sie heute mit diesem Bild nach Hause: Gott hat Benjamin nicht aus der Welt gelöscht. Er hat ihn in seine Ewigkeit aufgenommen. Er ist dort, wo die Flugzeuge nicht mehr landen müssen, weil sie schon angekommen sind. Er ist dort, wo die Mathematik vollkommen ist, weil sie in der Liebe Gottes aufgeht. Er ist dort, wo er immer sein wollte: in der Geborgenheit des Vaters. Und er nimmt Sie mit. Er ist bei Ihnen in jedem Moment, in dem Sie den Alltag meistern, in jedem Moment, in dem Sie für Ryan da sind, in jedem Moment, in dem Sie einfach nur atmen.
Lassen Sie den Stein der Schuld fallen. Er gehört nicht in Ihre Hände. Er gehört nicht in Ihr Haus. Gott hält Sie. Gott hält Ben. Und er führt uns alle eines Tages an den Tisch, an dem keine Träne mehr fließen wird. Bleiben Sie neugierig auf das Leben, wie Ben es war. Bleiben Sie liebevoll, wie Ben es war. Und wisse: Die Liebe, die ihr geteilt habt, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das euch für immer verbindet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor allem Bösen und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.