Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute in der Gegenwart dessen, der unser Licht und unser Heil ist.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich einen Moment lang ein Bild vor, das so alltäglich ist, dass man es fast übersieht: Ein junger Mensch, der in einem Flughafen-Terminal steht, den Blick fest auf das Rollfeld gerichtet, wo eine Boeing 737 zur Landung ansetzt. Die Augen leuchten, nicht nur vor Begeisterung für die Technik, sondern vor einer echten, tiefen Freude am Leben selbst. Benjamin Vo war ein Junge, für den die Welt ein Ort des Staunens war. Er sah die Dinge nicht nur an; er wollte sie verstehen, er wollte wissen, wie die Welt zusammenhält, wie man Dinge baut, wie man fliegt. Er war ein Junge, der das Leben mit einer solchen Wachheit und Herzlichkeit durchdrang, dass man in seiner Nähe fast automatisch begann, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Heute, vier Monate nach dem 13. Juni 2026, hören wir im Evangelium von einer Frau, die achtzehn Jahre lang unter einer Last gebeugt war. Achtzehn Jahre – eine lange Zeit, in der der Blick nur auf den Boden gerichtet war, in der die Welt nur aus dem bestand, was direkt vor den Füßen lag. Stellen Sie sich diese Frau vor. Sie konnte nicht in den Himmel schauen. Sie konnte das Licht nicht in seiner vollen Weite sehen. Und dann tritt Jesus in ihr Leben. Er ruft sie nicht nur; er sieht sie. Er durchbricht das Schweigen und das Leid mit einem einzigen, befreienden Wort: ‚Frau, du bist von deinem Leiden befreit.‘ In diesem Moment geschieht etwas, das über die bloße Heilung hinausgeht. Sie richtet sich auf. Sie kann wieder atmen. Sie kann wieder zum Himmel aufblicken.
Wir alle tragen Lasten, die uns beugen. Manchmal ist es die Sorge um die Zukunft, manchmal ist es der Verlust eines geliebten Menschen, der uns den Atem raubt und den Blick auf den Boden zwingt. Alan und Thao, ich weiß, wie diese Last sich anfühlt. Ich weiß, wie die Stille in Ihrem Haus manchmal wie ein Gewicht auf Ihnen lastet, das Sie kaum aufrecht stehen lässt. Ich weiß, wie die Abwesenheit von Benjamin, sein Lächeln, seine Begeisterung für seine ‚Con Chim Airlines‘, eine Lücke in Ihr Leben gerissen hat, die sich wie eine offene Wunde anfühlt. Und ich weiß, wie quälend die Frage sein kann, ob man alles getan hat, ob man irgendwo ein Anzeichen übersehen hat. Lassen Sie mich heute, im Licht der Schrift, diesen Stein ganz behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Liebe, kein Mangel an Sorgfalt. Es gibt in dieser Welt eine Zerbrechlichkeit, eine Unbegreiflichkeit, die jenseits aller menschlichen Kontrolle liegt. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Zärtlichkeit, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie haben nichts versäumt. Sie haben ihn geliebt, wie man nur lieben kann. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft; er hat ihn in seine Arme aufgenommen, in jene Geborgenheit, bei der es keinen Schmerz und keine Tränen mehr gibt. Sie sind keine Sklaven des Schmerzes; Sie sind Kinder der Verheißung.
Paulus schreibt im Epheserbrief: ‚Ihr wart einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.‘ Benjamin war ein solches Kind des Lichts. Er war ein Junge, dessen Herz so weit war, dass er, als er von der Krankheit seines Onkels William erfuhr, unaufgefordert sein gesamtes Erspartes anbot, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war längst da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen Menschen in Not hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das war kein Zufall. Das war das Wirken der Gnade, die in ihm wohnte. Er hat nicht gefragt: ‚Was habe ich davon?‘ Er hat gefragt: ‚Wie kann ich helfen?‘ Das ist die Liebe, von der Jesus spricht, wenn er die Frau im Evangelium befreit. Es ist die Liebe, die nicht auf sich selbst schaut, sondern auf den anderen.
Ryan, mein lieber Junge, hör mir einen Moment zu. Ich weiß, wie sehr du deinen großen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen lachten, reisten und Pläne schmiedeten. Dein Bruder Benjamin ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist in deinen Erinnerungen, er ist im Wind, der draußen weht, er ist in der Stille deines Herzens. Er möchte, dass du mutig bist, dass du lebst, dass du deine eigenen Träume mit diesem selben fröhlichen Eifer verfolgst. Wenn du dich einsam fühlst, sprich mit ihm. Er hört dich. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der auf dich wartet und der sich wünscht, dass du die Freude am Leben, die ihr geteilt habt, in dir bewahrst. Lebe für ihn mit, sei mutig, sei fröhlich, so wie er es war. Die Welt braucht dein Lächeln, so wie sie das seine gebraucht hat.
An alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Wie jener saubere Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde und den Menschen dort lebensspendendes Wasser bringt, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Trost und erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben. Wir suchen oft nach Zeichen – nach einem Zeichen, dass es ihm gut geht, nach einem Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht ist das Zeichen, das wir heute brauchen, genau dieses: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Sie ist die Kraft, die Sie durch den Tag trägt, wenn Sie morgens aufstehen und sich fragen, wie das gehen soll. Es geht, weil er Ihnen vorausgegangen ist. Er ist bei Gott, und er lächelt, genau wie er damals lächelte, wenn er in einem Flugzeug-Cockpit saß – staunend, neugierig, vollkommen sicher. Er ist nicht in der Finsternis, er ist im Licht.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe ist nicht vergangen. Sie ist das Licht, das Sie heute mit nach Hause nehmen dürfen. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an seine Freude denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Er ist bei Gott, und er schaut auf Sie herab mit der gleichen Wärme, mit der er damals auf Sie schaute, als Sie gemeinsam die Welt bereisten. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede, der alles Verstehen übersteigt, begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Er ist bei Ihnen, in jedem Moment, in jedem Atemzug. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor allem Bösen und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.