Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr sei mit euch, und möge seine heiligen Engel heute unser Herz mit seinem Frieden erfüllen.
Herr, du sendest deine Boten, um uns zu behüten. – Herr, erbarme dich. Christus, du nimmst die Kleinen in deine Arme. – Christus, erbarme dich. Herr, du führst uns auf deinem ewigen Weg zum Leben. – Herr, erbarme dich.
Stellen Sie sich für einen Augenblick etwas ganz Leises vor, etwas, das beinahe im Alltäglichen verschwindet, wenn nicht das Herz daran hängen würde: Benjamin, wie er da sitzt und mit einer solchen Akribie an einer kleinen Holzfigur arbeitet, vielleicht mit einem blauen Stift die Konturen eines Nussknackers nachzieht, ganz versunken in diese kleine Welt aus Farbe und Holz. Es ist kein Moment der großen Reden. Es ist nur ein Junge in einem gemütlichen grauen Hoodie, der die Zeit vergisst, weil seine Hände etwas erschaffen wollen. Wir suchen heute nach Worten in einer Zeit, in der manche Tage einfach schwer wiegen, und wir blicken auf das, was uns in der Schrift geschenkt wird, um diesen Tag zu bestehen.
Im Buch Ijob hören wir heute den Schöpfer selbst aus dem Sturm sprechen. Der HERR wendet sich an Ijob und fragt ihn: „Hast du jemals in deinem Leben dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Platz gezeigt?“ Es ist eine Rede, die uns klein werden lässt. Gott erinnert Ijob an die Weite des Kosmos, an die Quellen des Meeres, an die Tore der Dunkelheit und des Lichts. Er fragt nach Dingen, die so weit jenseits unserer menschlichen Logik und unseres Verstehens liegen. Ijob, der so viel gelitten hat, der alles verlor, was ihm Halt gab, steht schließlich da, legt seine Hand auf den Mund und antwortet: „Siehe, ich bin von geringem Wert; was soll ich dir antworten? Ich habe meine Hand auf meinen Mund gelegt.“
Manchmal, liebe Thao, lieber Alan, lieber Ryan, steht man genau an diesem Punkt. Man blickt auf die Weite des Himmels oder in die Stille eines Zimmers, und die Fragen drängen sich auf, auf die es keine irdische Antwort gibt. Die Welt läuft weiter, die Flugzeuge steigen auf, die Sonne geht über den Dächern auf, und doch ist da dieser unaussprechliche Raum, den kein Mensch vermessen kann. Ijob muss erkennen, dass er nicht der Lenker des Sturms ist. Aber in diesem Verstummen liegt keine Verzweiflung; es ist die Ehrfurcht vor dem, der das Leben in seinen Händen hält. Gott ist kein Fremder in unserem Schmerz. Er ist der, der die Grenzen der Erde setzt und der auch den Weg kennt, den wir manchmal im Nebel gehen müssen.
Und dann hören wir das Evangelium. Die Jünger kommen zu Jesus und stellen jene menschliche Frage, die so alt ist wie die Welt: „Wer ist der Größte im Himmelreich?“ Sie suchen nach Rangordnung, nach Maßstäben, nach dem, was zählt. Jesus aber tut etwas Unerwartetes. Er ruft ein Kind herbei, stellt es mitten unter sie und sagt: „Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.“ Er schaut auf die Kleinen. Er schaut auf Benjamin. Er erinnert uns daran, dass die Größe vor Gott nicht in großen Projekten oder irdischen Erfolgen liegt, sondern in der ungetrübten Reinheit eines Herzens, das nichts festhalten will, sondern alles empfängt.
Jesus sagt in diesem Zusammenhang einen Satz, der uns heute ganz besonders berührt: „Seht zu, dass ihr keinen von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“ Das ist das Geheimnis dieses Gedenktags der heiligen Schutzengel. Sie sind keine frommen Bilder an der Wand. Sie sind die ständige Gegenwart der Zärtlichkeit Gottes. Sie sind die Boten, die das Antlitz des Vaters schauen und gleichzeitig bei uns sind, um uns zu halten, wenn der Boden unter den Füßen wankt.
Denken Sie an Ben. Er war ein Junge von so brillanter Neugier, einer, der die Welt der Technik, der Cloud-Infrastruktur und der mathematischen Logik mit einer Leichtigkeit durchschaute, die Erwachsene staunen ließ. Er war derjenige, der mit seinem Vater über Flugzeuge sprach, der von seiner eigenen kleinen ‚Con Chim Airlines‘ kicherte und die Weite des Himmels liebte. Aber hinter all dieser Klugheit stand ein zartes, tief gütiges Wesen. Denken Sie an jene Momente, in denen seine Seele aufblitzte – an diesen wunderbaren, unaufgeforderten Impuls, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte und bereit war, sein gesamtes Erspartes hinzugeben, einfach so, ohne zu zögern, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört; es war nicht nötig, denn die Hilfe war da. Aber das Angebot selbst, diese radikale, kindliche Bereitschaft, alles zu geben, was er besaß, ist der reine Abglanz dessen, was Jesus im Evangelium meint. Ben war ein solches Kind. Er hatte diese unverstellte Güte.
Ich weiß, wie oft die Stille im Haus an Ihnen zehrt, Thao und Alan. Ich weiß, wie die Erinnerungen kommen, wenn man es am wenigsten erwartet. Manchmal schleicht sich da eine Last ein, die Frage, ob man etwas hätte übersehen können, ob ein anderer Schritt das Schicksal hätte wenden können. Lassen Sie sich heute sagen: Gott klagt Sie nicht an. Krankheit ist keine Strafe und kein Versagen. Es gibt im Leben Wege, die so jenseits jeder menschlichen Kontrolle liegen, dass kein Wachen und keine noch so große Liebe sie hätte aufhalten können. Sie haben nichts versäumt. Sie haben Benjamin geliebt mit einer Liebe, die tief und unendlich war. Nehmen Sie diesen Stein von Ihrem Herzen. Gott hält Sie frei von jeder Schuld, und Ben tut es auch.
Ryan, mein Junge, du vermisst deinen großen Bruder. Du weißt, wie es ist, wenn man die Abenteuer im Kopf hat, die gemeinsamen Wege, das Lachen. Benjamin ist nicht weit weg. Die Schutzengel, von denen Jesus spricht, sind nicht nur ferne Geistwesen; sie sind die Brücke zwischen unserer Welt und Gottes Ewigkeit. Dein Bruder ist in dieser Geborgenheit. Er schaut auf dich, wenn du in die Schule gehst, wenn du spielst, wenn du an die gemeinsamen Tage denkst. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Er ist dein Bruder im Licht.
Der Psalmist betet heute: „Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt es… Wohin sollte ich gehen vor deinem Geist, und wohin vor deinem Angesicht fliehen?“ Gottes Geist ist dort, wo wir weinen. Er ist dort, wo wir atmen. Er ist in jedem Winkel unseres Hauses. Benjamin hat seine Reise vollendet, nicht im Sturz, sondern im Licht. Seine Neugier, die auf Erden nach den Wegen am Himmel suchte, hat nun ihr Ziel gefunden im Angesicht des Vaters.
Gehen Sie heute mit diesem Bild im Herzen weiter: Die Schutzengel behüten die Schritte, die noch vor Ihnen liegen. Wenn die Last schwer wird, dann denken Sie an das Lächeln von Ben, an seine Träume, an die Güte, die er in diese Welt gebracht hat. Und wissen Sie, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Friedens. Gott hält Sie fest in seiner Hand, heute und an jedem kommenden Tag.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch; er lasse sein Angesicht über euch leuchten und gebe euch seinen Frieden.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.