Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute als eine Gemeinschaft, die ihre Hoffnung in den barmherzigen Gott legt, der uns niemals verlässt.
Herr, erbarme dich unserer, denn wir haben auf dich gehofft. Christus, erbarme dich unserer, denn du bist reich an Erbarmen. Herr, erbarme dich unserer, denn du heilst die Wunden derer, die zu dir kommen.
Stellen Sie sich einen Moment lang ein Bild vor: Ein kleiner Junge, acht Jahre alt, steht auf den Schultern seines Vaters. Er streckt die Hand aus, ganz vorsichtig, ganz ehrfürchtig, und berührt den Flügel eines Modellflugzeugs, das an der Wand montiert ist. In diesem Augenblick gibt es nur das Staunen, die kindliche Neugier und die Geborgenheit in der Nähe des Vaters. Es ist ein Bild von Benjamin Vo. Ein Junge, der die Welt mit einer Brillanz betrachtete, die über sein Alter hinausging – ein kleiner Ingenieur, der sich in der Cloud-Infrastruktur verlor, wie andere in einem Märchenbuch. Doch heute, drei Monate nachdem Ben in die Ewigkeit gerufen wurde, sind wir nicht hier, um über seine Intelligenz zu sprechen. Wir sind hier, um über das Herz zu sprechen, das all diese Brillanz erst in den Dienst der Liebe stellte. Wir sind hier, weil das Evangelium heute eine Wunde berührt, die wir alle kennen: die Schwierigkeit, zu vergeben, und die noch größere Schwierigkeit, sich selbst die Erlaubnis zum Frieden zu geben.
Petrus kommt zu Jesus und fragt: ‚Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?‘ Es ist eine Frage, die wir alle kennen. Wir alle tragen unsere kleinen und großen Rechnungen mit uns herum. Wir führen Buch über das, was uns angetan wurde, über die Momente, in denen das Leben uns ungerecht behandelt hat, über die Stille, die nach einem Verlust zurückbleibt. Wir klammern uns an unseren Schmerz, als wäre er ein Beweis für unsere Treue zu dem, was wir verloren haben. Doch Jesus antwortet mit einer Zahl, die keine Grenze kennt: ‚Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.‘ Er spricht von einer Vergebung, die nicht rechnet. Er spricht von einer Barmherzigkeit, die so weit ist wie der Himmel über der Erde.
Ich möchte heute ganz behutsam zu Ihnen sprechen, Thao, Alan, und zu dir, Ryan. Ich weiß, wie sich die letzten Monate angefühlt haben. Ich weiß, dass es in der Stille des Hauses Momente gibt, in denen die Frage nach dem ‚Warum‘ so laut wird, dass sie alles andere übertönt. Manchmal schleicht sich ein leiser Vorwurf ein – ein Selbstvorwurf, den man sich selbst macht. ‚Hätte ich etwas sehen müssen?‘, ‚Hätte ich mehr tun können?‘, ‚War ich wachsam genug?‘ Ich sage Ihnen heute mit der ganzen Klarheit des Evangeliums: Legen Sie diese Last ab. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge. Gott hat nicht auf Ihre Fehler geschaut, er hat nur das Herz Ihres Sohnes gesehen, das in Ihrer Liebe gewachsen ist. Sie haben Ben nicht verloren, weil Sie etwas falsch gemacht haben. Manche Sorgen kommen in dieses Leben, ohne dass ein Mensch sie hätte verhindern können. Sie sind nicht schuld. Sie sind nicht verantwortlich für das, was jenseits menschlicher Kontrolle liegt. Gott klagt Sie nicht an, und Sie dürfen sich selbst nicht länger anklagen. Lassen Sie diese Steine fallen. Sie sind frei von dieser Schuld.
Denken Sie an das Bild von Ben, der sein Piggy-Bank-Angebot machte. Er wollte sein gesamtes Erspartes für seinen Onkel William geben, der zwei Schlaganfälle erlitten hatte. Er hat es nicht getan, weil es nötig war, und er hat das Sparschwein nie zerstört. Aber die Geste selbst – dieses bedingungslose Angebot eines Jungen, der bereit war, alles zu geben, was er besaß – das ist das Herz, das Jesus meint. Es ist ein Herz, das nicht rechnet, das nicht fragt: ‚Was bekomme ich dafür?‘ Es ist ein Herz, das einfach liebt. Genau so blickt Gott auf Sie. Er sieht nicht Ihre Erschöpfung als Defizit. Er sieht die Liebe, die Sie Ben geschenkt haben, und er weiß, dass diese Liebe nicht verloren ist. Sie ist in ihm, und sie ist in Ihnen.
Das Evangelium ist heute eine Einladung zur Freiheit. Der Diener im Gleichnis, dem der König alles erlassen hatte, konnte seinem Mitknecht nicht vergeben, weil er vergessen hatte, wie viel ihm selbst geschenkt worden war. Wir vergessen oft, dass wir selbst Beschenkte sind. Wir sind beschenkt mit dem Leben von Ben. Wir sind beschenkt mit jedem Lächeln, mit jeder Geschichte, die sein Vater ihm erzählte, mit jedem Moment, in dem er neugierig auf die Welt blickte. Diese Geschenke sind keine Schulden, die wir abarbeiten müssen. Sie sind Gnade. Wenn wir heute vergeben – uns selbst vergeben, der Welt vergeben, Gott vergeben – dann öffnen wir die Tür für den Frieden, den Ben jetzt in der Fülle genießt.
Ryan, mein lieber Junge, du vermisst deinen Bruder. Du trägst die Erinnerung an ihn in dir wie einen kostbaren Schatz. Wenn du an ihn denkst, dann weißt du, dass er nicht weg ist. Er ist bei dir, in jedem Moment, in dem du mutig bist, in jedem Moment, in dem du dich für das Gute entscheidest. Er ist dein großer Bruder, der dich jetzt aus der Nähe Gottes begleitet. Er möchte, dass du lebst. Er möchte, dass du deine Träume verfolgst, dass du neugierig bleibst, dass du die Welt entdeckst, wie ihr es gemeinsam getan habt. Du bist nicht allein. Die Liebe zwischen euch ist ein Band, das stärker ist als der Tod.
Denkt an das Bild von Ben, wie er im Sonnenlicht unter dem Eiffelturm steht, den Kopf an die Hand seiner Mutter gelehnt. Das ist ein Moment der Ewigkeit. Gott bewahrt diesen Moment. Gott bewahrt das Lächeln, das Kichern über die ‚Con Chim Airlines‘, die Begeisterung für die Boeing 737. All das ist nicht vergangen. Es ist in Gott aufgehoben. Ben ist jetzt an einem Ort, an dem es keine Rechnungen mehr gibt, keine Schuld, kein Leid. Er ist im ‚Banquet of Heaven‘, bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so viel gemeinsam hat – die moderne Neugier, das strahlende Lächeln und die tiefe Liebe zu Jesus. Sie schauen auf euch herab. Sie intercedieren für euch.
Wenn ihr heute aus diesem Gottesdienst geht, nehmt euch einen kleinen, greifbaren Vorsatz. Wenn die Trauer euch überkommt, dann haltet für einen Moment inne. Atmet tief durch. Stellt euch Ben vor, wie er euch anlächelt. Sagt ein kurzes Gebet: ‚Herr, ich danke dir für das Geschenk meines Sohnes, meines Bruders. Ich vertraue dir meinen Schmerz an.‘ Und dann tut etwas Kleines, das von Liebe zeugt. Ein gutes Wort für jemanden, der einsam ist, ein Moment der Aufmerksamkeit für einen anderen Menschen. Lasst Bens Liebe durch euch in diese Welt fließen. Ihr seid nicht allein. Gott hält euch, er hält Ben, und er hält eure Zukunft fest in seinen Händen. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Es kommt der Tag, an dem ihr euch wiedersehen werdet, in einem Licht, das niemals untergeht. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er behüte uns vor aller Schuld und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.