Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute in der Gegenwart dessen, der der Herr über den Sabbat und der Herr über unser Leben ist.
Herr, erbarme dich unserer. Christus, erbarme dich unserer. Herr, erbarme dich unserer.
Stellen Sie sich einen Augenblick lang vor, wie Jesus durch die Felder geht. Es ist Sabbat. Die Luft ist erfüllt vom Duft des reifen Getreides, die Sonne wärmt das Gesicht der Jünger, und ihre Schritte sind leicht, auch wenn ihre Mägen knurren. Sie pflücken die Ähren, sie reiben sie in den Händen – eine so einfache, menschliche Geste, ein bisschen Nahrung, ein bisschen Leben. Doch sofort, wie ein Schatten, der sich über den Tag legt, treten die Pharisäer hervor. Sie sehen nicht den Hunger der Menschen; sie sehen nur die Übertretung ihrer Regeln. Sie sehen nicht die Freude am Leben; sie sehen die Form, die sie bewahren wollen. Jesus aber, er schaut tiefer. Er schaut nicht auf das, was man verbieten kann, sondern auf das, was man in Liebe schenken darf. Er antwortet mit der Geschichte von David, der in seiner Not das heilige Brot aß. Er rückt die Dinge zurecht: Der Mensch ist nicht für das Gesetz da, sondern das Gesetz ist für den Menschen da. Und er schließt mit einem Wort, das den Himmel aufreißt: „Der Sohn des Menschen ist Herr über den Sabbat.“
Es sind nun zwei Monate vergangen, seit Benjamin Vo, euer geliebter Ben, nach Hause zum Vater gerufen wurde. Zwei Monate – eine Zeit, in der die Welt um euch herum einfach weitergelaufen ist, als wäre nichts geschehen. Die Flugzeuge steigen in den Himmel, die Technik entwickelt sich weiter, die Menschen gehen ihren Geschäften nach. Aber für euch, liebe Thao, lieber Alan, und für dich, lieber Ryan, ist die Welt an jenem 13. Juni stehen geblieben. Und ich weiß, dass sich in diesen zwei Monaten oft eine bittere Frage in euer Herz geschlichen hat: Warum? Warum dieses Leben, das so voller Brillanz und Neugier war, das so viel Potenzial für die Zukunft barg, warum musste es so früh enden? Warum durfte Ben nicht weiter wachsen, nicht weiter an seinen Projekten für die ‚Con Chim Airlines‘ arbeiten, nicht weiter die Welt mit seinem Vater erkunden?
Manchmal fühlen wir uns wie die Pharisäer im Feld. Wir versuchen, das Leben in die engen Regeln unserer Logik zu pressen. Wir suchen nach Erklärungen, nach einem ‚Warum‘, nach einem Fehler, den wir hätten vermeiden können. Ich möchte heute ganz leise, aber mit aller Bestimmtheit zu euch sprechen, die ihr unter diesem Gewicht leidet: Es gibt keine Schuld, die ihr tragt. Es gibt keine verpasste Chance, die den Lauf der Dinge verändert hätte. Krankheit ist kein Urteil, und ein früher Abschied ist keine Strafe für ein Versagen. Wenn ihr euch in schlaflosen Nächten fragt, ob ihr etwas übersehen habt, ob ihr mehr hättet tun können, dann hört auf das Wort Jesu: Er ist der Herr über den Sabbat. Er ist der Herr über das Leben und den Tod. Er hat euch in jedem Moment geliebt, und er hat Ben in jedem Moment gehalten. Ihr habt alles getan. Ihr wart die Eltern, die Ben brauchte. Ihr seid frei von dieser Last, die euch nicht gehört.
Ben war ein Junge, der das Leben liebte. Er war ein Entdecker. Er sah die Welt nicht als eine Aneinanderreihung von Pflichten, sondern als ein Abenteuer. Denkt an seine Begeisterung für die Luftfahrt, an seine Freude, wenn er mit seinem Vater ‚Airport Spotting‘ betrieb. Er hatte diesen Blick für das Ganze, für die Systeme, für die Verbindung der Dinge. Er hatte dieses sanfte Herz, das ihn dazu brachte, sein Erspartes für seinen leidenden Onkel anzubieten – nicht weil er es musste, sondern weil er einfach geben wollte. Das ist die Logik des Reiches Gottes. Das ist die Logik, die Jesus heute im Evangelium verteidigt. Gott zählt nicht unsere ‚Regeltreue‘; er zählt die Liebe, die wir in unsere Hände nehmen und teilen.
Ich weiß, wie sehr ihr Ben vermisst. Ich weiß, wie Ryan seinen Bruder sucht, wie ihr, Alan und Thao, die Stille im Haus hört, die eigentlich mit Bens Lachen gefüllt sein sollte. Aber hört das Versprechen: Ben ist nicht in der Stille verloren. Er ist in der Fülle angekommen. Er ist jetzt bei dem, der der Herr über den Sabbat ist. Er, der die Technik liebte, der die Cloud-Infrastrukturen verstand, er versteht nun die unendliche Liebe Gottes, die alles zusammenhält. Er ist in der Herrlichkeit, bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so viel gemeinsam hat – die moderne Neugier, das strahlende Lächeln und die tiefe Liebe zu Jesus. Sie schauen auf euch herab. Sie intercedieren für euch.
Erinnert euch an die Träume, von denen ihr erzählt habt. Ben ist nicht weg. Er ist euch auf eine Weise nah, die wir mit unseren Augen noch nicht sehen können. Er wartet am Ende der Zeit, und er begleitet euch jeden Tag. Ryan, dein Bruder liebt dich. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine Träume verfolgst. Er ist dein Schutzengel, der dich in jedem Schritt deines Lebens begleitet. Und ihr, liebe Eltern, ihr seid die Gefäße, durch die Bens Liebe in diese Welt fließt. Denkt an den Brunnen in Cà Mau, an das ‚Giếng Gioan Baotixita‘. Das ist Bens Liebe, die weiterlebt, die Durstigen tränkt, die Leben schenkt. Jedes Mal, wenn dort ein Kind trinkt, ist das ein Zeichen, dass Ben nicht gestorben ist, sondern dass seine Liebe in die Ewigkeit hineinwirkt.
Geht heute aus diesem Gottesdienst mit einem kleinen, konkreten Vorsatz. Wenn ihr das nächste Mal das Gefühl habt, dass die Trauer zu groß ist, dass die Welt um euch herum zu laut oder zu leer ist, dann haltet inne. Atmet tief ein. Denkt an das Bild von Ben, wie er mit seinem Lächeln in die Welt blickte, wie er die Schönheit des Lebens in den kleinen Dingen sah. Sprecht ein kurzes Gebet: ‚Herr, du bist der Herr über mein Leben. Ich vertraue dir meinen Schmerz an. Schenke mir die Kraft für diesen Tag.‘ Und dann tut eine kleine Tat der Freundlichkeit – ein Lächeln für jemanden, ein gutes Wort für einen Fremden, ein Moment der Ruhe für jemanden, der einsam ist. Lasst die Liebe von Ben durch eure Hände fließen. Ihr seid nicht allein. Gott, der die Erde und das Meer erschaffen hat, hält euch in seiner Hand. Er kennt eure Tränen besser als ihr selbst. Er ist der Grund, auf dem ihr steht, auch wenn der Boden unter euch zu beben scheint. Ben ist zu Hause, und er wartet auf euch, in der Herrlichkeit, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Und wisst, dass jeder Tag, den ihr mit Liebe lebt, ein Schritt näher zu dem Tag ist, an dem ihr euch alle wieder in den Armen halten werdet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch auf allen euren Wegen. Geht hin in seinem Frieden.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.