Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute in der Gegenwart Gottes, der uns in unseren Freuden und in unseren tiefsten Nöten niemals verlässt.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellt euch den See Gennesaret am frühen Morgen vor. Die Luft ist noch kühl, der Tau liegt auf den Booten, und das Wasser schlägt leise gegen das Holz. Die Fischer sind müde. Sie haben die ganze Nacht gearbeitet, ihre Netze ausgeworfen, sie wieder eingeholt, sie gewaschen – und sie haben nichts gefangen. Nichts. Nur die Leere eines langen, anstrengenden Tages, der in einer bitteren Enttäuschung endet. Das ist ein Bild, das uns heute Morgen besonders nahegeht. Es ist das Bild der Leere, die man spürt, wenn man alles gegeben hat, wenn man gekämpft hat, wenn man gehofft hat, und doch mit leeren Händen dasteht.
Es ist nun zwei Monate her, seit Benjamin Vo, euer geliebter Ben, nach Hause zum Vater gerufen wurde. Zwei Monate, in denen ihr, liebe Thao, lieber Alan, und du, lieber Ryan, versucht habt, die Netze des täglichen Lebens auszuwerfen, während sich in euren Herzen eine unermessliche Leere ausbreitet. Diese Leere ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen der Liebe, die so tief war, dass sie nun einen Raum hinterlässt, den keine irdische Sache füllen kann. Wenn man an Ben denkt – an seine Brillanz, an seine Leidenschaft für die Welt der Technik, an seine Fähigkeit, als kleiner Junge schon wie ein Erwachsener über komplexe Dinge nachzudenken –, dann spürt man diesen Schmerz besonders scharf. Er war wie ein heller Stern, der viel zu früh hinter den Horizont gesunken ist.
In der ersten Lesung warnt uns der heilige Paulus: „Wenn jemand unter euch meint, in dieser Welt weise zu sein, dann werde er töricht, um weise zu werden.“ Das klingt zunächst hart. Aber Paulus meint damit, dass die Weisheit dieser Welt – die Logik, die alles berechnen will, die uns sagt, dass das Leben eine gerade Linie sein muss, die immer nach oben führt – vor Gott oft als Torheit erscheint. Gott sieht die Dinge anders. Er sieht nicht nur das, was wir auf den ersten Blick verstehen können. Er sieht die Ewigkeit in jedem Augenblick, auch in einem Leben, das kurz war, aber so reich an Liebe, dass es die Welt verändert hat.
Erinnert euch an den Moment, als Ben, kaum zwölf Jahre alt, bei der Geburtstagsfeier seines Vaters weinte. Es war keine Angst vor dem Tod, sondern eine tiefe, fast prophetische Ahnung der Kostbarkeit des Lebens. Das war keine kindliche Torheit; das war eine Weisheit des Herzens, die viele Erwachsene nie erreichen. Er wusste, was wirklich zählt: die Verbindung, das Lächeln, die Gegenwart derer, die man liebt. Das ist die Weisheit Gottes, die alles Menschliche übersteigt.
Und dann geschieht das Wunder am See. Jesus steigt in das Boot des Simon. Er bittet ihn, ein Stück vom Land wegzufahren. Er lehrt die Menge. Und dann, als die Lehre beendet ist, sagt er etwas, das für einen erfahrenen Fischer eigentlich unlogisch ist: „Fahr hinaus auf den See und werft eure Netze zum Fang aus!“ Simon antwortet: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“ Das ist die Ehrlichkeit derer, die erschöpft sind. Aber dann fügt er hinzu: „Aber auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen.“
Das ist der Hinge, der Wendepunkt. „Auf dein Wort hin.“ Das ist der Moment, in dem wir unser eigenes Versagen, unsere eigene Ohnmacht und unseren eigenen Schmerz in die Hände Gottes legen. Wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenn die Netze leer sind, wenn die Fragen nach dem „Warum“ uns den Schlaf rauben – dann ist das der Moment, in dem wir auf sein Wort hin vertrauen dürfen. Nicht weil wir die Lösung sehen, sondern weil wir wissen, dass er im Boot ist. Er ist bei euch, in jedem Augenblick eurer Trauer.
Ich weiß, dass viele Eltern in solch einer schweren Zeit von quälenden Zweifeln geplagt werden. Man sucht nach Fehlern, man fragt sich, ob man etwas hätte anders machen können, man trägt eine Last, die Gott niemals auf eure Schultern gelegt hat. Hört mir gut zu: Weder ihr noch Ben habt gesündigt. Diese Krankheit war kein Urteil, keine Strafe, kein Versagen. Sie war eine Prüfung, die jenseits aller menschlichen Kontrolle lag. Gott hat euch nicht verlassen. Er hat euch in jedem Moment der Sorge gehalten, und er hält euch jetzt. Ihr seid frei von dieser Schuld. Lasst sie los, wie man ein altes, zerrissenes Netz loslässt, um Platz für Gottes Gnade zu schaffen.
Ben war ein Junge der Zukunft. Er liebte die Technik, die Flugzeuge, die „Con Chim Airlines“, von denen er mit einem Glitzern in den Augen sprach. Er war ein Entdecker. Und jetzt ist er am Ziel seiner Entdeckungsreise angekommen. Er ist nicht mehr in der Ferne; er ist in der Nähe Gottes, dort, wo die Zeit keine Rolle mehr spielt. Er ist bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so viel gemeinsam hat – die moderne Neugier, das strahlende Lächeln und die tiefe Liebe zu Jesus. Sie intercedieren für euch. Sie schauen auf euch herab, besonders auf dich, Ryan. Dein Bruder liebt dich, und er möchte, dass du lebst, dass du träumst, dass du mutig bist. Er ist dein Schutzengel, der dich in jedem Schritt deines Lebens begleitet.
Wie oft haben wir in den vergangenen Wochen von der Güte gehört, die in Bens Namen in die Welt fließt? Der Brunnen in Cà Mau, die Hilfe für die Bedürftigen – das ist keine bloße Erinnerung, das ist Bens Leben, das durch die Liebe weiterwirkt. Es ist wie das Netz, das Jesus füllt. Es ist übervoll, es droht fast zu bersten, weil Gottes Segen keine Grenzen kennt. Jede Tat der Liebe, die ihr in seinem Namen tut, ist ein Zeichen dafür, dass seine Liebe nicht gestorben ist, sondern sich vervielfacht hat.
Geht heute aus diesem Gottesdienst mit einem kleinen, konkreten Vorsatz. Wenn ihr das nächste Mal das Gefühl habt, dass die Leere zu groß ist, dass die Netze leer sind, dann haltet inne. Atmet tief ein. Denkt an Ben, wie er mit seinem Lächeln in die Welt blickte. Sprecht ein kurzes Gebet: „Herr, ich kann nicht mehr, aber auf dein Wort hin vertraue ich.“ Und dann tut eine kleine Tat der Freundlichkeit – ein Lächeln für einen Fremden, ein gutes Wort für jemanden, der einsam ist. Lasst die Liebe von Ben durch eure Hände fließen.
Ihr seid nicht allein. Gott, der die Erde und das Meer erschaffen hat, hält euch in seiner Hand. Er kennt eure Tränen besser als ihr selbst. Er ist der Grund, auf dem ihr steht, auch wenn der Boden unter euch zu beben scheint. Ben ist zu Hause, und er wartet auf euch, in der Herrlichkeit, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Und wisst, dass jeder Tag, den ihr mit Liebe lebt, ein Schritt näher zu dem Tag ist, an dem ihr euch alle wieder in den Armen halten werdet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch, er behüte euch vor aller Verzweiflung und schenke euch seinen tiefen Frieden. Geht hin in seinem Licht.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.