Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Geliebte Brüder und Schwestern, wir versammeln uns heute im Licht Christi, um uns von seinem Wort nähren zu lassen und gemeinsam zu beten.
Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.
„Ich konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu Menschen aus Fleisch, wie zu Kindern in Christus.“ (1. Korinther 3,1)
Diese Worte des Apostels Paulus an die Korinthergemeinde klingen heute fast ein wenig seltsam, nicht wahr? „Kinder in Christus“. Als ob wir alle noch in den Windeln liegen, was den Glauben angeht. Paulus musste diese Worte schreiben, weil die Gemeinde so zerstritten war, so voller Eifersucht und Rivalität. „Ich gehöre zu Paulus“, „Ich gehöre zu Apollos“. Sie waren wie kleine Kinder, die sich um ihre Lieblingsspielzeuge streiten, unfähig, die größere Wahrheit zu erkennen, dass sie alle zu Christus gehören.
Und doch, wenn wir ehrlich sind, spüren wir diese „Fleischlichkeit“, dieses Kindliche in uns selbst. Wir alle kämpfen mit unseren eigenen Eifersüchteleien, unseren eigenen kleinen Gruppen, unseren eigenen Vorlieben und Abneigungen. Es ist die menschliche Natur, die uns immer wieder zu Boden zieht, selbst wenn wir wissen, dass wir zu etwas Größerem berufen sind.
Aber Paulus gibt uns in dieser ersten Lesung auch einen wunderbaren Hinweis, ein Bild, das uns durch diesen Gottesdienst begleiten soll. Er sagt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, aber Gott hat das Wachstum geschenkt.“ (1. Korinther 3,6)
Das ist das Bild vom Wachstum. Vom Wachstum in der Natur, vom Wachstum in unserem Glauben, vom Wachstum eines Menschenlebens. Und es ist dieses Bild des Wachstums, das uns heute besonders nahegeht, wenn wir an Benjamin Vo denken.
Es ist nun fast zwei Monate her, seit Benjamin am 13. Juni 2026 nach Hause zu Gott gegangen ist. Zwei Monate. Ungefähr sechzig Tage. Sechzig Tage, in denen die Welt da draußen weitergelaufen ist, die Sonne aufgegangen und untergegangen ist, die Flugzeuge am Himmel geflogen sind. Aber für euch, liebe Thao, lieber Alan, und für dich, lieber Ryan, ist die Zeit an diesem schicksalhaften Samstag stehen geblieben. Die anfängliche Lähmung, der betäubende Schock, er weicht nun einer tiefen, oft unerträglichen Stille. Die Besuche werden seltener, das Telefon klingelt nicht mehr so oft. Und in dieser Stille wird die Abwesenheit von Benjamin Vo zu einer physischen Last. Der leere Stuhl am Tisch. Die unberührten Dinge, die er hinterlassen hat. Seine Stimme, sein Lachen, seine Schritte, die nicht mehr durch das Haus hallen. Das ist das Bild des ausgetrockneten Landes, das wir im Psalm hören: „Nach dir schmachtet mein Leib wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.“ (Psalm 33,13)
Dieser Schmerz, diese Trockenheit, ist die Wahrheit, die wir heute vor Gott legen müssen. Wir dürfen nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Wir dürfen nicht so tun, als würden wir diesen Verlust einfach so wegstecken. Es tut weh. Es brennt. Und es ist zutiefst ehrlich, diesen Schmerz heute vor Gott hinzuschreien.
Und genau in diese Leere, in diesen Schmerz hinein hören wir heute das Evangelium. Jesus verlässt die Synagoge und geht in das Haus von Simon. Dort ist die Schwiegermutter des Simon von einem schweren Fieber befallen. Die Menschen flehen Jesus an. Und was tut Jesus? Er tritt zu ihr, „er gebot dem Fieber Einhalt, und es verließ sie. Sie stand sogleich auf und diente ihnen.“ (Lukas 4,39)
Das ist ein Bild des Heilens. Ein Bild des Wieder-zum-Leben-Erweckens. Ein Bild des Wachstums. Das Fieber verlässt sie, und sie steht auf, um zu dienen. Sie ist wieder da, sie ist wieder in der Gemeinschaft, sie ist wieder fähig, Leben zu schenken.
Und dann, als die Sonne untergeht, kommen die Kranken aus der ganzen Stadt zu Jesus. Und er heilt sie alle. Dämonen fahren aus ihnen aus. Sie erkennen ihn: „Du bist der Sohn Gottes.“ Aber Jesus verbietet es ihnen, weil er weiß, dass die Zeit dafür noch nicht reif ist. Er heilt, er befreit, er bringt das Reich Gottes in diese Welt.
Aber dann geschieht etwas, das uns heute besonders berührt. Jesus verlässt die Stadt, geht an einen einsamen Ort, um zu beten. Und die Menschen suchen ihn. Sie wollen ihn nicht gehen lassen. Sie sagen: „Bleib bei uns!“ Sie wollen ihn festhalten, weil sie seine Heilung brauchen, weil sie seine Nähe brauchen.
Doch Jesus sagt ihnen: „Auch den anderen Städten muss ich die Botschaft vom Reich Gottes verkünden; dazu bin ich gesandt.“ (Lukas 4,43)
Jesus lässt sich nicht festhalten. Er muss weitergehen. Er muss seine Botschaft in die ganze Welt tragen. Er muss wachsen und wachsen lassen. Er ist nicht nur für diese eine Stadt, für diese eine Gemeinde da. Er ist für alle.
Und genau hier, liebe Thao, lieber Alan, lieber Ryan, liebe Gemeinde, sehe ich einen wunderbaren, leuchtenden Faden, der das Leben eures geliebten Benjamin mit diesen Lesungen verbindet. Benjamin war ein Junge von einer unglaublichen Brillanz und Neugier. Seine Eltern erinnern sich an seinen scharfen Verstand, an seine Fähigkeit, komplexe technische Themen zu verstehen, die weit über sein Alter hinausgingen. Er war wie ein kleiner Samenkorn, das unter der Erde keimte und begann, nach oben zu wachsen. Er programmierte Spiele und Anwendungen, er verstand die Welt der KI und Cloud-Infrastruktur. Er war ein „Fotokopierer“ seines Vaters, nicht nur im Aussehen, sondern auch in seiner ambitionierten, logischen Denkweise.
Aber seine Eltern sagen auch, und das ist so wichtig: „Er war letztlich durch sein sanftes Herz definiert.“ Er war der „süßeste Junge“, „immer lächelnd, mühelos glücklich und seinen Eltern tief respektvoll.“ Er hatte eine tiefe Empathie für andere. Mit nur zwölf Jahren weinte er auf der Geburtstagsfeier seines Vaters aus einer vorzeitigen Angst, ihn zu verlieren. Das zeigt die Tiefe seiner Liebe, die Tiefe seines Wachstums im Herzen.
Benjamin Vo war wie eine Pflanze, die nicht nur im Verstand, sondern auch im Herzen wuchs. Er war wie die Schwiegermutter des Simon, die nach dem Fieber aufstand und diente. Er war wie die Menschen, die Jesus Heilung brachten, die sich nach dem Reich Gottes sehnten.
Und doch, wie Jesus, der weiterziehen musste, um seine Botschaft zu verkünden, musste auch Benjamin seinen Weg gehen. Sein Leben war wie ein Samenkorn, das schnell keimte, stark wuchs und dann, viel zu früh, in die Erde zurückkehrte, um Frucht zu bringen. Sein Leben war nicht lang, aber es war tief. Es war nicht ohne Kampf, aber es war voller Liebe.
Ich weiß, dass in den Herzen von trauernden Eltern oft ein ganz dunkler, quälender Gedanke aufsteigt. Ein Gedanke, der in den stillen Stunden der Nacht wie ein Gift wirken kann. Es ist die Frage: „Haben wir etwas falsch gemacht? Haben wir ein Symptom übersehen? Hätten wir ihn besser schützen können?“ Es ist die unerträgliche Last einer falschen, fehlgeleiteten Schuld.
Ich möchte euch heute, im Namen Jesu Christi und mit der ganzen Autorität Seines Evangeliums, dieses schwere Schild von eurem Herzen nehmen. Als die Jünger Jesus einmal vor einem kranken Menschen fragten: „Wer hat gesündigt, er oder seine Eltern?“, gab Jesus eine glasklare Antwort, die bis heute alle Schuldkomplexe zerschlägt: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt.“ (Johannes 9,3)
Krankheit und der frühe Tod eines Kindes sind niemals eine Strafe Gottes. Sie sind niemals das Ergebnis eines Versagens derer, die geliebt haben. Ihr, liebe Thao und lieber Alan, habt für Benjamin alles getan, was Menschen tun können. Ihr habt ihm ein Zuhause geschenkt, das überquoll von Liebe, Vertrauen und Geborgenheit. Ihr habt die Welt mit ihm bereist, ihr habt seine Träume gefördert, ihr habt an seinem Bett gewacht und ihn nicht losgelassen. Eure Wachsamkeit war vollkommen. Ihr habt nichts übersehen. Ihr tragt nicht den geringsten Funken von Schuld. Manche Leiden in dieser gefallenen Welt kommen nicht aus einem menschlichen Fehler. Sie kommen unverschuldet, unvorhersehbar, jenseits aller menschlichen Kontrolle. Gott klagt euch nicht an. Er sieht eure unendliche Liebe zu Ben, und Er umarmt eure Tränen. Legt diese quälenden Zweifel ab. Ihr seid frei. Gott hält euch in Seinen Armen.
Und Benjamin, dieser Junge, der so viel Liebe und so viel Potenzial in sich trug, er ist nun bei Gott. Er ist nun Teil des großen Wachstums, das Paulus beschreibt. Er ist nicht mehr ein Kind in Christus, sondern ein vollendetes Leben in der Herrlichkeit Gottes. Er, der so viel Liebe für seine Familie hatte – erinnert euch, wie er mit zwölf Jahren auf der Geburtstagsfeier seines Vaters weinte, aus Angst, ihn zu verlieren – dieser Junge hat nun die unendliche Liebe Gottes erfahren.
Erinnern wir uns an eine ganz bestimmte, kostbare Facette seines Wesens: die tiefe Verbundenheit mit seinem Bruder Ryan. Sie waren ein Team. Sie teilten Lachen und Träume. Ben war der ältere Bruder, der Beschützer, das Vorbild. Er hat Ryan so viel gegeben. Und jetzt, da Ben im Himmel ist, ist er immer noch bei Ryan. Er schaut auf ihn herab, er liebt ihn, und er möchte, dass Ryan stark und glücklich ist. Er möchte, dass Ryan sein Leben lebt, für ihn und mit ihm. „Ich werde auf Papa und Mama aufpassen“, hat Ben seinem Vater in einem Traum gesagt. Und das gilt auch für Ryan. Ben passt auf euch alle auf.
Und was können wir heute mitnehmen, wenn wir aus diesem Gottesdienst in unseren Alltag zurückkehren?
Was ist die eine, kleine, konkrete Sache, die wir heute in unseren Händen tragen können?
Denkt an das Bild des Wachstums. Denkt an die Heilung der Schwiegermutter des Simon. Denkt an die Kinder, die Jesus zu sich rief.
Wenn ihr heute nach Hause geht und eure Pflanzen seht, oder wenn ihr an einen Baum denkt, der im Frühling neu austreibt:
Haltet für einen Moment inne.
Sprecht im Stillen dieses kurze, einfache Gebet:
„Herr Jesus, du bist das Leben. Du hast die Kraft, alles neu zu machen. Schenke Benjamin die ewige Freude des Himmels. Und gib mir die Kraft, heute eine kleine Saat der Hoffnung in das Leben eines anderen Menschen zu säen. Hilf mir zu wachsen, wie du es dir wünschst.“
Und dann geht hin und tut heute eine kleine Tat der Liebe für jemanden, der traurig ist. Schenkt ein Lächeln, ein aufmunterndes Wort, ein offenes Ohr. Lasst uns die Liebe von Benjamin Vo durch unsere eigenen Hände in dieser Welt weiterfließen lassen. Denn die Liebe ist stärker als der Tod. Sie verlischt niemals. Sie wächst und wächst, bis wir uns alle wiedersehen im ewigen Licht des Himmels.
Benjamin, du lieber, treuer Engel, ruhe in Frieden Christi. Und wache über deine Familie.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns und behüte uns. Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.