Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute in der Gegenwart Gottes, der uns in unserer Freude und in unserem Schmerz niemals allein lässt.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich einen Moment lang vor, Sie stünden an einem Flughafen. Es ist dieser ganz besondere Ort, an dem sich die Welt trifft – ein Ort, der Benjamin Vo so unendlich faszinierte. Überall sind Menschen, die irgendwohin unterwegs sind, die ihre Koffer hinter sich herziehen, die in den Himmel blicken, wenn eine Maschine abhebt. Ben liebte das. Er liebte das ‚Airport Spotting‘, dieses aufmerksame Beobachten der Boeing 737, das Staunen über die Technik, die einen Menschen in die Lüfte trägt. Er war ein Junge, der in seinem jungen Leben schon so viel gesehen hatte, von den Straßen Pekings bis zu den heiligen Orten in Rom. Er hatte diesen wachen, forschenden Geist, der in der Logik der Dinge, in der Cloud-Infrastruktur oder in einem mathematischen Beweis, eine eigene Form von Schönheit erkannte. Er war ein Entdecker. Doch heute, zwei Monate nachdem er in die Ewigkeit gerufen wurde, stellt sich uns eine Frage, die tiefer geht als jede Technik, tiefer als jede Logik.
Paulus schreibt heute im Korintherbrief: ‚Ich habe mich allen zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen.‘ Er spricht vom Laufen, vom Kämpfen, vom Disziplinieren des Körpers. Er spricht von einem Ziel, das kein vergänglicher Kranz ist, sondern ein unvergänglicher. Benjamin war auch ein Athlet. Er stand auf dem Badmintonplatz, er gab alles bei den Basketball-Tryouts, immer in seinem Sweatshirt, immer mit diesem unerschütterlichen Glauben: ‚Versuchen ist alles, was zählt.‘ Er war kein Junge, der sich vor dem Scheitern fürchtete; er war ein Junge, der das Leben als einen Lauf verstand, den man mit ganzem Herzen antritt. Und doch, wenn wir heute das Evangelium hören, in dem Jesus von dem Balken im eigenen Auge spricht, dann werden wir eingeladen, den Blick noch einmal zu weiten. ‚Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?‘
Ich möchte heute ganz behutsam zu Ihnen sprechen, Thao, Alan, und zu dir, Ryan. Ich weiß, dass Sie in den letzten Wochen oft mit dem Gefühl gekämpft haben, dass Sie etwas übersehen haben könnten, dass Sie den ‚Balken‘ hätten sehen müssen, bevor er zu einem unerträglichen Gewicht wurde. Ich sage Ihnen heute mit der ganzen Klarheit des Evangeliums: Legen Sie diese Last ab. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer Liebe. Gott hat nicht auf Ihre Fehler geschaut, er hat nur das Herz Ihres Sohnes gesehen, das in Ihrer Liebe gewachsen ist. Sie haben nichts übersehen. Sie sind keine Wächter, die versagt haben; Sie sind Eltern, die ihren Sohn mit einer Hingabe geliebt haben, die so rein war, dass sie sogar das Angebot beinhaltete, das eigene Ersparte für einen leidenden Onkel zu geben – ein Angebot, das nie eingelöst werden musste, das aber die ganze Schönheit von Bens Seele offenbarte. Gott hat Sie nicht angeklagt, und Sie dürfen sich selbst nicht anklagen. Lassen Sie diese Schuld los. Sie ist nicht Ihre.
Jesus warnt uns vor dem blinden Führen. Er erinnert uns daran, dass wir erst sehen müssen, um zu heilen. Aber was bedeutet das Sehen in einer Welt, die uns den geliebten Sohn genommen hat? Es bedeutet, dass wir nicht mehr mit unseren menschlichen Augen schauen, die nur den Verlust, den leeren Stuhl am Tisch, das Schweigen im Zimmer sehen. Wir müssen mit den Augen des Glaubens schauen. Ben ist nicht in einer Sackgasse gelandet. Er ist angekommen. Er ist jetzt dort, wo der Psalmist sagt: ‚Selig, die in deinem Haus wohnen; sie loben dich allezeit.‘ Sein Leben war wie ein kurzer, heller Flug, der nun in der Herrlichkeit Gottes gelandet ist. Er ist bei dem Lehrer, von dem Jesus spricht. Er ist in der Schule der Liebe, in der er nun alles versteht, was wir hier unten nur erahnen können.
Ryan, mein lieber Junge, dein Bruder Ben schaut auf dich. Er war dein Vorbild, dein Begleiter, dein Freund. Er ist nicht weg. Er ist ein Teil deines Lebens, ein Teil deiner Geschichte. Wenn du an ihn denkst, wenn du die Flugzeugkarten bei dir trägst, die dir so viel bedeuten, dann spürst du eine Verbindung, die über den Tod hinausreicht. Er möchte, dass du lebst. Er möchte, dass du deine Träume verfolgst, dass du mit derselben Neugier und demselben Mut durch die Welt gehst, wie ihr es gemeinsam getan habt. Du bist nicht allein. Er ist dein Schutzengel, der dich bei jedem Schritt begleitet.
Und ihr, liebe Eltern, ihr seid die Hüter dieses Lichts. Es gibt Tage, da werdet ihr das Gefühl haben, dass die Dunkelheit gewinnt. Dann erinnert euch daran, dass Gott den Blick auf euch gerichtet hat. Er sieht eure Tränen, er kennt eure schlaflosen Nächte, er hört das Gebet, das ihr vielleicht nur noch stammeln könnt. Er ist da. Er ist der Gott, der die Welt in seiner Hand hält, auch wenn sie uns entgleitet. Ben ist jetzt an einem Ort, den wir uns kaum vorstellen können, im ‚Banquet of Heaven‘. Er ist in bester Gesellschaft, bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so viel gemeinsam hatte – die moderne Neugier, das strahlende Lächeln und die tiefe Liebe zu Jesus. Sie schauen auf euch herab. Sie intercedieren für euch.
Denkt an den Brunnen, den ‚Giếng Gioan Baotixita‘, in Cà Mau. Das ist Bens Herz, das weiter schlägt. Jedes Mal, wenn ein Mensch dort reines Wasser schöpft, fließt Bens Liebe in diese Welt zurück. Das ist das Geheimnis unseres Glaubens: Das Leben ist nicht dazu da, um es festzuhalten, sondern um es hinzugeben. Ben hat sein Leben hingegeben, und nun ist es in Gott vervielfacht. Er ist nicht verloren. Er ist bei dem, der gesagt hat: ‚Ich bin die Auferstehung und das Leben.‘
Wenn ihr heute aus diesem Gottesdienst geht, nehmt euch einen kleinen, konkreten Vorsatz für die Woche. Wenn die Trauer kommt, wenn der Schmerz euch die Luft abschnürt, dann haltet für einen Moment inne. Atmet tief durch. Denkt an Bens Lächeln. Sagt ein kurzes Gebet: ‚Herr, ich vertraue dir meinen Schmerz an. Ich danke dir für die Jahre mit Ben.‘ Und dann tut eine kleine Tat der Freundlichkeit – ein Lächeln für einen Fremden, ein gutes Wort für jemanden, der einsam ist, ein Moment der Achtsamkeit für einen anderen Menschen. Lasst Bens Liebe durch euch in diese Welt fließen. Ihr seid nicht allein. Gott hält euch, er hält Ben, und er hält eure Zukunft in seinen Händen. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Es kommt der Tag, an dem ihr euch wiedersehen werdet, in einem Lachen, das niemals endet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er behüte uns vor allem Bösen und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.