Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute in der Gegenwart dessen, der unser Leben kennt, unsere Tränen zählt und uns in seiner unendlichen Liebe hält.
Herr, erbarme dich unserer. Christus, erbarme dich unserer. Herr, erbarme dich unserer.
Stellen Sie sich für einen Moment die Szene aus dem Evangelium vor: ein Sabbat in der Synagoge. Die Luft ist schwer von Erwartung und von dem misstrauischen Blick der Pharisäer. Da ist ein Mann mit einer verkümmerten Hand. Er steht dort, mitten unter ihnen, und seine Hand, die eigentlich zum Greifen, zum Arbeiten, zum Streicheln bestimmt war, hängt leblos herab. Ein Bild der Unvollständigkeit. Ein Bild einer unterbrochenen Möglichkeit. Jesus sieht ihn. Er sieht nicht die Regeln, die ihn einschränken könnten. Er sieht den Menschen. Er sagt: „Komm und stell dich in die Mitte.“
Es ist nun zwei Monate her, seit Benjamin Vo, euer geliebter Ben, nach Hause zum Vater gerufen wurde. Zwei Monate – eine Zeit, in der die Welt um euch herum einfach weitergelaufen ist, als wäre nichts geschehen. Die Flugzeuge steigen in den Himmel, die Technik entwickelt sich weiter, die Menschen gehen ihren Geschäften nach. Aber für euch, liebe Thao, lieber Alan, und für dich, lieber Ryan, ist die Welt an jenem 13. Juni stehen geblieben. Die Hand, die Bens Hand hielt, die Hand, die den Controller hielt, um seine eigenen Spiele zu coden, die Hand, die so oft nach euren Händen griff – diese Hände ruhen nun. Und ihr, die ihr zurückgeblieben seid, fühlt euch oft wie dieser Mann in der Synagoge: als wäre ein Teil von euch verkürzt, als wäre das Leben selbst in seiner Bewegung gehemmt.
Ich weiß, dass sich in diesen zwei Monaten oft eine bittere Frage in euer Herz geschlichen hat: Warum? Warum dieses Leben, das so voller Brillanz und Neugier war, das so viel Potenzial für die Zukunft barg, warum musste es so früh enden? Warum durfte Ben nicht weiter wachsen, nicht weiter an seinen Projekten für die ‚Con Chim Airlines‘ arbeiten, nicht weiter die Welt mit seinem Vater erkunden? Manchmal fühlt sich der Schmerz an wie die verkümmerte Hand: Man möchte zugreifen, man möchte das Leben festhalten, aber es scheint, als ob die Kraft dazu fehlt. Ihr fragt euch, ob ihr etwas übersehen habt, ob ihr mehr hättet tun können. Ich möchte heute ganz leise, aber mit aller Bestimmtheit zu euch sprechen, die ihr unter diesem Gewicht leidet: Es gibt keine Schuld, die ihr tragt. Es gibt keine verpasste Chance, die den Lauf der Dinge verändert hätte. Krankheit ist kein Urteil, und ein früher Abschied ist keine Strafe für ein Versagen. Gott hat keinen Fehler in eurer Fürsorge gefunden. Er hat eure Liebe gesehen, die so groß war, dass sie sogar das eigene Ersparte für einen leidenden Onkel opfern wollte. Ben war ein Junge, der das Leben liebte, weil er in euren Armen Liebe lernte. Ihr seid frei von dieser Last, die euch nicht gehört. Gott hat Ben nicht gestraft, und er hat euch nicht verlassen. Er war in jedem Moment bei ihm, und er ist in jedem Moment bei euch.
Jesus sagt zu dem Mann: „Streck deine Hand aus.“ Das ist kein Befehl, der Kraft voraussetzt, die der Mann nicht hat. Es ist eine Einladung, das Unmögliche zu versuchen, weil Jesus es will. In diesem Moment der Heilung geschieht etwas Wunderbares: Die Hand wird wiederhergestellt. Aber schauen wir uns das Bild der Hand genauer an. Ben hatte so viele Pläne. Er liebte die Technik, er liebte es, mit seinem Vater auf dem Boot zu sitzen, er liebte es, die Welt zu bereisen. Er war ein Junge, der immer nach vorne schaute, der ‚Explore‘-Shirts trug, weil er bereit war, die Welt zu entdecken. Seine Hände waren immer in Bewegung – ob beim Badminton, beim Basketball oder beim Programmieren. Diese Hände waren Werkzeuge seiner Liebe. Und wisst ihr, was das Schönste ist? Diese Liebe ist nicht vergangen. Sie hat nur ihre Form gewandelt.
Ihr, liebe Thao und lieber Alan, habt mir von dem Traum erzählt, in dem Ben euch sagte: ‚Ba ơi, test nào con cũng qua hết. Con tự thở được bình thường mà... sao con lại bị như vầy?‘ Und dann, als ihr ihn umarmt habt, sagte er: ‚Không sao đâu, con sẽ dõi theo ba mẹ.‘ Das ist das Ausstrecken der Hand aus der Ewigkeit. Ben ist nicht weg. Er ist bei Gott, und von dort aus streckt er seine Hand nach euch aus. Er ist euer Fürsprecher. Er, der die Technik liebte, der die Cloud-Infrastrukturen verstand, er versteht nun die unendliche Liebe Gottes, die alles zusammenhält. Er ist in der Herrlichkeit, bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so viel gemeinsam hatte – die moderne Neugier, das strahlende Lächeln und die tiefe Liebe zu Jesus. Sie schauen auf euch herab. Sie intercedieren für euch.
Die erste Lesung heute spricht von der ‚alten Hefe‘, von der Bosheit und Schlechtigkeit, die wir aus unserem Leben entfernen sollen, um ein ‚ungesäuerter Teig‘ zu werden, ein frisches Brot für Gott. Das ist ein Aufruf zur Reinheit des Herzens. Ben hatte ein Herz, das so rein und so offen war, dass er sein letztes Erspartes für seinen Onkel geben wollte. Er hatte keine Bitterkeit, obwohl er durch so viel Leid gehen musste. Er hatte dieses Lächeln, das selbst dann noch da war, wenn es ihm schlecht ging. Er war wie der ungesäuerte Teig – aufrichtig und wahrhaftig. Er erinnert uns daran, dass wir, egal wie schwer das Leben uns trifft, unsere Herzen nicht mit Bitterkeit füllen dürfen. Wir sollen die Liebe bewahren, die er uns gezeigt hat.
Ryan, mein lieber Junge, dein Bruder liebt dich. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine Träume verfolgst. Er ist dein Schutzengel, der dich in jedem Schritt deines Lebens begleitet. Wenn du das nächste Mal auf den Himmel schaust und an die Flugzeuge denkst, die Ben so liebte, dann wisse: Er fliegt mit dir. Er ist bei dir, wenn du in der Schule bist, wenn du spielst, wenn du lachst. Dein Bruder ist ein Teil von dir, und diese Verbindung ist stärker als der Tod.
Und ihr, liebe Eltern, ihr seid die Gefäße, durch die Bens Liebe in diese Welt fließt. Denkt an den Brunnen in Cà Mau, an das ‚Giếng Gioan Baotixita‘. Das ist Bens Liebe, die weiterlebt, die Durstigen tränkt, die Leben schenkt. Jedes Mal, wenn dort ein Kind trinkt, ist das ein Zeichen, dass Ben nicht gestorben ist, sondern dass seine Liebe in die Ewigkeit hineinwirkt. Ihr seid nicht allein. Gott, der die Erde und das Meer erschaffen hat, hält euch in seiner Hand. Er kennt eure Tränen besser als ihr selbst. Er ist der Grund, auf dem ihr steht, auch wenn der Boden unter euch zu beben scheint. Ben ist zu Hause, und er wartet auf euch, in der Herrlichkeit, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat.
Geht heute aus diesem Gottesdienst mit einem kleinen, konkreten Vorsatz. Wenn ihr das nächste Mal das Gefühl habt, dass die Trauer zu groß ist, dass die Welt um euch herum zu laut oder zu leer ist, dann haltet inne. Atmet tief ein. Denkt an das Bild von Ben, wie er mit seinem Lächeln in die Welt blickte, wie er die Schönheit des Lebens in den kleinen Dingen sah. Sprecht ein kurzes Gebet: ‚Herr, du bist der Herr über mein Leben. Ich vertraue dir meinen Schmerz an. Schenke mir die Kraft für diesen Tag.‘ Und dann tut eine kleine Tat der Freundlichkeit – ein Lächeln für jemanden, ein gutes Wort für einen Fremden, ein Moment der Ruhe für jemanden, der einsam ist. Lasst die Liebe von Ben durch eure Hände fließen. Ihr seid nicht allein. Gott hält euch in seiner Hand. Er ist der Herr über den Sabbat, der Herr über die Zeit und der Herr über das Leben. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Und wisst, dass jeder Tag, den ihr mit Liebe lebt, ein Schritt näher zu dem Tag ist, an dem ihr euch alle wieder in den Armen halten werdet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch; er lasse sein Angesicht über euch leuchten und schenke euch seinen Frieden. Geht hin in seinem Licht.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.