Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment ein ganz alltägliches, fast unbedeutendes Bild vor: Ein kleiner, gläserner Kasten, in dem ein Junge seine Schätze aufbewahrt. Es ist kein Tresor aus Stahl, sondern ein schlichtes Sparschwein, das in einem Kinderzimmer steht. Benjamin Vo war ein Junge, dessen Verstand in den Weiten der Cloud-Infrastruktur und der komplexen Mathematik zu Hause war. Er verstand die Logik von Systemen, die für die meisten von uns völlig abstrakt bleiben. Doch in seinem Herzen wohnte eine Logik, die weit über die Mathematik hinausging. Erinnern Sie sich an den Moment, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte? Er war fünfzehn, ein Junge mit Träumen von einer eigenen Fluggesellschaft, den ‚Con Chim Airlines‘, und doch kam er zu seinen Eltern und bot an, sein gesamtes Erspartes hinzugeben. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Weise da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen Menschen in Not hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Es ist die Logik des Reiches Gottes, die nicht rechnet, sondern liebt.
Heute, drei Monate nach seinem Heimgang, hören wir im Evangelium von Jesus, der einen Dämon austreibt. Die Menge ist gespalten. Einige bezichtigen ihn, er handle durch die Macht des Beelzebul. Andere fordern ein Zeichen. Jesus aber erkennt ihre Gedanken. Er spricht von einem starken Mann, der seinen Palast bewacht, und von einem, der noch stärker ist und ihn überwindet. Es ist eine Szene der geistlichen Auseinandersetzung, in der es um die Frage geht: Woher kommt die wahre Macht? Jesus sagt: ‚Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes bereits zu euch gekommen.‘
Das ist der Punkt, an dem wir heute innehalten müssen. Wir alle kennen die ‚Dämonen‘ des Lebens: die Angst, die Stille, die quälende Frage nach dem ‚Warum‘, die in den frühen Morgenstunden an unser Herz klopft. Wenn das Leben zerbricht, wenn ein geliebter Mensch wie Benjamin uns vorausgeht, dann fühlen wir uns oft, als stünde unser Haus offen, als wäre der ‚starke Mann‘ unseres Glücks besiegt worden. Wir suchen nach Zeichen, nach Antworten, nach einem Grund, warum das Schicksal so unerbittlich zugeschlagen hat. Und in dieser Suche schleichen sich oft jene dunklen Gedanken ein: die Selbstvorwürfe. ‚Hätte ich etwas anders machen können? War ich nicht wachsam genug? Habe ich ein Zeichen übersehen?‘
Liebe Thao, lieber Alan, lassen Sie mich heute, im Licht dieses Evangeliums, diesen Stein ganz behutsam von Ihren Herzen nehmen. Diese quälenden Gedanken sind keine Stimme Gottes; sie sind das Flüstern der Angst. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge, kein Mangel an Liebe oder Aufmerksamkeit. Manche Wege in dieser Welt sind so rätselhaft, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass keine Liebe der Welt und kein Wachen sie hätte verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat ihn in seine Ewigkeit gerufen, in eine Zeit, in der es kein Weinen mehr gibt. Sie haben nichts versäumt. Ihr Kind wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden. Das ist das Einzige, was zählt.
Paulus schreibt im Galaterbrief: ‚Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch wurde.‘ Das ist das Zeichen, das Jesus uns gibt. Er bietet uns kein abstraktes Wunder an, sondern er bietet uns sich selbst an – am Kreuz, in der Schwachheit, in der Hingabe. Er ist derjenige, der den ‚stärkeren‘ Sieg errungen hat, nicht durch Gewalt, sondern durch die Liebe, die sich ganz verschenkt. Ben hat diese Liebe verstanden. Er war ein Junge, der in seinem Gekichern über die ‚Con Chim Airlines‘ eine Freude bewahrte, die über das Irdische hinauswies. Er hat sein ‚Sparschwein‘ nicht an materielle Dinge gebunden, sondern an die Menschen, die er liebte. Das ist der Geist, von dem Paulus spricht: der Glaube, der nicht auf Werke schaut, sondern auf das Geschenk der Liebe.
Ryan, mein lieber Junge, ich spreche heute zu dir. Ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten, vom gemeinsamen Lachen bis zu den Plänen für die Zukunft. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist wie das Echo deines Lachens, wie der Wind, der dich an die gemeinsamen Abenteuer erinnert. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm; er hört dich in der Stille deines Herzens. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der nun dort ist, wo es keine Schmerzen mehr gibt, und der auf dich wartet. Lebe für ihn mit, sei mutig, sei fröhlich, so wie er es war.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Gottes Liebe ist wie ein unendlicher Ozean, der deine Tränen auffängt. Wie jener Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen sauberes, kühles Wasser zu schenken, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben.
Wir leben in einer Welt, in der wir oft versuchen, uns selbst zu rechtfertigen, uns selbst zu beweisen, dass wir ‚gut genug‘ sind. Aber Jesus sagt uns heute: ‚Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich.‘ Und mit ihm zu sein bedeutet, sich der Liebe anzuvertrauen, die keine Bedingungen stellt. Benjamin hat das gelebt. Er hat uns gezeigt, dass ein Leben nicht an seiner Dauer gemessen wird, sondern an der Tiefe der Liebe, die es ausstrahlt. Er war ein Junge, der die Welt mit einer solchen Neugier und Brillanz betrachtete, dass er uns heute noch lehrt, wie man staunt. Er war ein Kind des Lichts.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an sein ansteckendes Gekichern bei den Geschichten von ‚Con Chim Airlines‘ denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.