Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, der uns in seiner unermesslichen Barmherzigkeit sucht, sei mit euch allen.
Herr, du bist uns nahe, wenn wir dich rufen. Herr, erbarme dich. Christus, du bist gütig und barmherzig zu all deinen Werken. Christus, erbarme dich. Herr, du bist gerecht in all deinen Wegen. Herr, erbarme dich.
Stellen Sie sich für einen Moment ein ganz schlichtes, alltägliches Bild vor: Benjamin Vo, vielleicht sieben Jahre alt, wie er in einer Parkgarage am Flughafen steht. Er hält sein buntes Rollköfferchen fest, trägt eine leuchtend rote Jacke und gelbe Hosen. Er strahlt in die Kamera, mit diesem breiten, zahnlückigen Lächeln, das die ganze Vorfreude auf ein Abenteuer in sich trägt. Er ist bereit. Er ist unterwegs. Er ist neugierig auf das, was hinter der nächsten Kurve, hinter dem nächsten Horizont liegt. Drei Monate sind vergangen, seit Benjamin am 13. Juni 2026 zu Gott heimkehrte, und wir suchen heute in den heiligen Schriften nach einem Wort, das unsere Herzen halten kann, wenn die Stille des Hauses uns wieder einmal mit ihrer ganzen Schwere umfängt.
Im heutigen Evangelium erzählt Jesus das Gleichnis vom Weinbergbesitzer. Es ist eine Geschichte, die uns auf den ersten Blick vielleicht irritieren mag. Da sind Männer, die den ganzen Tag unter der brennenden Sonne geschuftet haben – die Last und die Hitze des Tages ertrugen – und dann gibt es jene, die erst in der letzten Stunde kamen. Und doch zahlt der Besitzer allen dasselbe. Die Arbeiter der ersten Stunde murren: 'Du hast sie uns gleichgestellt.' Und der Besitzer antwortet: 'Bist du neidisch, weil ich gütig bin?'
Wir neigen dazu, unser Leben wie eine Buchhaltung zu führen. Wir zählen die Stunden, wir zählen die Anstrengungen, wir zählen die Jahre. Wir denken: 'Wenn ich nur mehr gegeben hätte, wenn ich nur wachsamer gewesen wäre, wenn ich nur diesen einen Weg anders gewählt hätte...' Besonders in der Trauer um Ben schleichen sich diese Gedanken ein, wie ein feiner, kalter Regen, der nicht aufhören will. Alan, Thao, ich weiß, wie diese quälenden Fragen nachts an Ihnen nagen. Man fragt sich: 'Warum er? Warum so kurz? Hätte ich etwas übersehen?'
Ich möchte heute, im Licht der Evangelien, einen Stein von Ihren Schultern nehmen, den viele Eltern in der Stille ihrer Trauer mit sich herumtragen. Hören Sie mich gut: Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge. Sie haben Ben nicht verloren, weil Sie in irgendeiner Weise versagt hätten. Manche Sorgen in dieser Welt brechen über ein junges Leben herein, völlig jenseits aller menschlichen Kontrolle. Kein Wachen, keine Liebe der Welt hätte das verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er blickt nicht mit Strenge auf Sie, sondern er sieht die tiefe, reine Liebe, mit der Sie Benjamin begleitet haben. Er sieht diesen wunderbaren Jungen, der so viel Güte in sich trug. Darum dürfen Sie sich selbst nicht länger verurteilen. Lassen Sie diese Last endlich los. Sie sind frei von dieser Schuld. Gott ist nicht der Buchhalter, der Stunden zählt; er ist der Vater, der seine Kinder bei sich haben will.
Sehen Sie, wie der Prophet Jesaja uns heute einlädt: 'Sucht den Herrn, während er sich finden lässt; ruft ihn an, während er nahe ist.' Gott ist nicht fern. Er ist nicht in einer fernen Galaxie, während wir hier in unserem Schmerz ausharren. Er ist genau dort, wo der Schmerz am größten ist. Er ist in der Erinnerung an das Kichern, wenn Ben von seiner 'Con Chim Airlines' erzählte. Er ist in der Wärme des Sommers, wenn Sie an die Bootsfahrten denken, bei denen Ben so glücklich zwischen Ihnen saß, das Kreuz an seinem Hals im Sonnenlicht glänzend. Er ist in der Liebe, die Sie für Ryan empfinden, den Bruder, der diesen Weg mit Ihnen geht.
Paulus schreibt im Philipperbrief: 'Denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn.' Er spricht von einer Spannung, die wir alle kennen: Das Leben hier ist schwer, es ist voller Arbeit, voller 'fruchtbarer Mühe', wie Paulus sagt. Aber er weiß um das, was kommt. Er weiß, dass das Ziel nicht die Erde ist, sondern die Begegnung mit Christus. Ben ist jetzt dort. Er ist bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so vieles teilt: die moderne Neugier, das strahlende Gesicht, die Liebe zum Leben. Sie sind jetzt beide an einem Ort, an dem die Zeit nicht mehr in Stunden gemessen wird, sondern in der Ewigkeit der Liebe.
Denken Sie an die Geste, die Ben so sehr ausmachte. Er wollte sein gesamtes Erspartes für seinen Onkel William geben, als dieser so schwer krank war. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig. Aber das Angebot selbst, diese unaufgeforderte, radikale Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden geliebten Menschen hinzugeben, ist ein Abglanz der Liebe Gottes. Ben war ein Junge, der das Evangelium nicht nur las, sondern lebte. Er war ein Teil der Gemeinschaft, die Jesus folgt. Diese Liebe, die Ben in die Welt gebracht hat, ist nicht mit ihm gestorben. Sie fließt weiter, wie das Wasser aus dem Brunnen in Cà Mau, der in seinem Namen Leben spendet. Sein Name, Đại Dương – 'Großer Ozean' – ist nun in den Ozean der göttlichen Barmherzigkeit eingegangen.
Ryan, mein lieber Junge, du vermisst deinen Bruder so sehr. Du weißt, wie es ist, wenn die Welt plötzlich still wird. Dein Bruder Ben ist nicht einfach fort. Er ist dir näher als je zuvor. Er ist wie ein großer Bruder, der dir aus einer Nähe begleitet, die keine Distanz mehr kennt. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du neugierig bleibst. Er möchte, dass du die Welt entdeckst, dass du weiter träumst, vielleicht sogar von einer 'Con Chim Airlines', die in deinem Herzen weiterfliegt. Du bist nicht allein. Die Liebe, die ihr geteilt habt, ist ein Band, das stärker ist als der Tod.
Wenn wir heute auf das Gleichnis des Weinbergbesitzers schauen, sehen wir, dass die Gerechtigkeit Gottes nicht unsere menschliche Arithmetik ist. Seine Gerechtigkeit ist Gnade. Er schenkt das Leben, er schenkt die Ewigkeit, er schenkt sich selbst. Und das ist genug. Das muss genug sein für uns alle.
Ich möchte, dass Sie heute etwas mit nach Hause nehmen, das Sie in der Hand halten können. Wenn die Trauer Sie überkommt, dann suchen Sie nicht nach der großen Antwort auf das 'Warum'. Suchen Sie stattdessen nach einer kleinen Geste der Liebe. Vielleicht ist es ein kurzer Moment, in dem Sie an Ben denken und dabei lächeln – nicht weil es nicht mehr weh tut, sondern weil die Liebe stärker ist als der Schmerz. Vielleicht ist es ein Gebet, in dem Sie Ihren Schmerz einfach nur in Gottes Hände legen. Gott hält Sie fest. Er hält Ben. Er hält Ihre Zukunft in seinen Händen. Bleiben Sie in diesem Frieden, in der Gewissheit, dass das, was in Schwachheit gesät wurde, in der Herrlichkeit Gottes aufblühen wird. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns und behüte uns, er lasse sein Angesicht über uns leuchten und schenke uns seinen Frieden. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.