Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir sind hier versammelt, um in Gottes Wort Trost und Hoffnung zu finden.
Herr, erbarme dich unserer, denn wir sind oft schwach. Christus, erbarme dich unserer, denn du bist unser Licht in der Finsternis. Herr, erbarme dich unserer und schenke uns deinen Frieden.
Stellt euch einen Moment lang das Bild eines alten, schweren Weinschlauchs vor. Er ist aus Leder, über Jahre hinweg geformt, gedehnt und durch den Gebrauch hart geworden. Er hat seine feste Form, seine festen Grenzen. Wenn man nun frischen, gärenden Wein hineinfüllen würde – einen Wein, der noch voller Kraft und Leben ist, der sich ausdehnt und arbeitet –, dann würde der alte Schlauch unter diesem Druck bersten. Er ist nicht mehr flexibel genug, um das Neue, das Lebendige aufzunehmen. Dieses Bild, das Jesus heute im Evangelium wählt, ist so schlicht und doch so tief. Es spricht von der Notwendigkeit, sich für das Neue zu öffnen, selbst wenn das Alte uns vertraut und sicher erscheint.
Es sind nun zwei Monate vergangen, seit Benjamin Vo, euer geliebter Ben, nach Hause zum Vater gerufen wurde. Zwei Monate – eine Zeitspanne, die sich für euch, liebe Thao, lieber Alan, und für dich, lieber Ryan, wie eine Ewigkeit anfühlt und zugleich wie ein einziger, schmerzhafter Augenblick. Ihr tragt in euren Herzen die Erinnerung an einen Jungen, der wie ein wunderbarer, neuer Wein war: voller Brillanz, voller Neugier, voller Leben. Ben war ein Junge, der die Welt der Technik – die KI, die Cloud-Infrastrukturen – mit einer Leichtigkeit durchdrang, die weit über sein Alter hinausging. Er war ein Entdecker. Er liebte die Welt der Flugzeuge und das Träumen von seiner eigenen Fluggesellschaft, der ‚Con Chim Airlines‘. Wenn er davon sprach, dann leuchteten seine Augen. Er war ein Junge, der das Leben in vollen Zügen genoss, der die Freude am Dasein wie ein Geschenk annahm.
Doch nun ist da diese Stille. Und ich weiß, dass sich euer Herz in diesen zwei Monaten oft wie ein alter, spröder Weinschlauch angefühlt hat. Ihr seid gezeichnet vom Schmerz, von der Trauer, die so hart und unnachgiebig ist, dass sie kaum Platz für etwas Neues lässt. Wenn man so tief getroffen ist, dann fühlt sich jeder neue Tag an wie eine Belastung, die man kaum ertragen kann. Man möchte am Alten festhalten, an dem, was war, an dem, was vertraut war, weil das Neue – ein Leben ohne Ben – so unvorstellbar, so fremd erscheint. Die Pharisäer im Evangelium sagen: ‚Der alte ist gut.‘ Wie sehr verstehen wir das! Das Alte, die Zeit, als Ben noch bei uns am Tisch saß, als er seine Witze machte, als er bei seinem Vater saß und ihm zuhörte, als er mit Ryan am Tisch saß und boba trank – das war gut. Das war unsere Welt. Das Neue, das Gott uns nun zumutet, ist schwer.
Aber Jesus sagt uns heute: ‚Neuer Wein muss in frische Schläuche gegossen werden.‘ Das ist kein Vorwurf an euch. Es ist eine Einladung. Gott weiß, dass eure Herzen verwundet sind. Er weiß, dass ihr euch fühlt, als würdet ihr unter dem Druck der Trauer zerspringen. Aber er möchte euch helfen, diese Schläuche zu erneuern. Er möchte, dass ihr nicht an der Bitterkeit der Vergangenheit festklebt, sondern dass ihr euch für die Gnade öffnet, die er jeden Tag neu in euer Leben gießen will. Das bedeutet nicht, dass ihr Ben vergessen sollt. Nein, im Gegenteil. Ihr sollt ihn in einem neuen Licht tragen – als einen, der nun bei Gott ist, als einen, der euch vorausgegangen ist.
Ich weiß, dass viele Eltern in solch einer Zeit von quälenden Zweifeln geplagt werden. Man sucht nach Fehlern, man fragt sich, ob man etwas hätte anders machen können, man trägt eine Last, die Gott niemals auf eure Schultern gelegt hat. Hört mir gut zu: Weder ihr noch Ben habt gesündigt. Diese Krankheit war kein Urteil, keine Strafe, kein Versagen. Sie war eine Prüfung, die jenseits aller menschlichen Kontrolle lag. Gott hat euch nicht verlassen. Er hat euch in jedem Moment der Sorge gehalten, und er hält euch jetzt. Ihr seid frei von dieser Schuld. Lasst sie los, wie man ein altes, zerrissenes Netz loslässt, um Platz für Gottes Gnade zu schaffen. Gott sieht eure Liebe, er sieht eure Hingabe, er sieht alles, was ihr für Ben getan habt – von der Reise nach Lourdes bis zu den kleinen, alltäglichen Momenten der Fürsorge.
Erinnert euch an die Geste von Ben, als er seinem Onkel William helfen wollte, indem er sein ganzes Erspartes anbot. Er hat es nicht getan, weil es nötig war, sondern weil sein Herz so groß war, dass er geben wollte, was er hatte. Das ist der Geist, der in Ben lebte. Das ist der ‚neue Wein‘, den er in diese Welt gebracht hat. Und dieser Wein ist nicht verschüttet worden. Er ist bei Gott. Und Gott möchte, dass dieser Geist der Liebe, der Großzügigkeit und der Neugier auch in eurem Leben weiterwirkt. Er möchte, dass ihr – so schwer es auch ist – weiterlebt. Für Ryan. Für euch selbst. Für Ben.
In der ersten Lesung sagt Paulus: ‚Es kümmert mich nicht im Geringsten, dass ich von euch oder von einem menschlichen Gericht beurteilt werde.‘ Das ist eine enorme Befreiung. Wir müssen uns nicht vor der Welt rechtfertigen, warum wir trauern, wie wir trauern oder warum wir manchmal nicht weiterwissen. Gott allein ist unser Richter, und er ist ein Richter, der in Liebe schaut. Er ist derjenige, der das ‚Verborgene ans Licht bringt‘. Und das Licht Gottes, das Ben jetzt umgibt, ist ein Licht, das keine Schatten kennt. Er ist in der Herrlichkeit, bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so viel gemeinsam hatte – die moderne Neugier, das strahlende Lächeln, die tiefe Liebe zu Jesus. Sie intercedieren für euch. Sie schauen auf euch herab, besonders auf dich, Ryan. Dein Bruder liebt dich, und er möchte, dass du lebst, dass du träumst, dass du mutig bist.
Wie oft haben wir in den vergangenen Wochen von der Güte gehört, die in Bens Namen in die Welt fließt? Der Brunnen in Cà Mau – das ‚Giếng Gioan Baotixita‘ – ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass Bens Leben weiterwirkt. Das ist kein alter, spröder Schlauch, sondern eine frische Quelle. Jedes Mal, wenn dort ein Kind trinkt, fließt etwas von der Liebe, die Ben in seinem Herzen trug, in diese Welt zurück. Das ist der neue Wein, der durch euch in die Welt fließt. Ihr seid die Gefäße, durch die Gott diese Liebe weitergibt.
Geht heute aus diesem Gottesdienst mit einem kleinen, konkreten Vorsatz. Wenn ihr das nächste Mal das Gefühl habt, dass der Schmerz euch sprengt, dass die Trauer zu groß ist, dann haltet inne. Atmet tief ein. Denkt an Ben, wie er mit seinem Lächeln in die Welt blickte. Sprecht ein kurzes Gebet: ‚Herr, ich bin ein alter Schlauch, aber du kannst mich erneuern. Schenke mir die Kraft für diesen Tag.‘ Und dann tut eine kleine Tat der Freundlichkeit – ein Lächeln für jemanden, ein gutes Wort für einen Fremden. Lasst die Liebe von Ben durch eure Hände fließen. Ihr seid nicht allein. Gott, der die Erde und das Meer erschaffen hat, hält euch in seiner Hand. Er kennt eure Tränen besser als ihr selbst. Er ist der Grund, auf dem ihr steht, auch wenn der Boden unter euch zu beben scheint. Ben ist zu Hause, und er wartet auf euch, in der Herrlichkeit, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Und wisst, dass jeder Tag, den ihr mit Liebe lebt, ein Schritt näher zu dem Tag ist, an dem ihr euch alle wieder in den Armen halten werdet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch. Er lasse sein Angesicht über euch leuchten und schenke euch seinen Frieden.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.