Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute als Kinder Gottes, um in seinem Wort Kraft zu finden und unser Herz vor ihm auszuschütten.
Herr, erbarme dich unserer. Christus, erbarme dich unserer. Herr, erbarme dich unserer.
Stellen Sie sich für einen Moment einen Baum vor, der tief in der Erde verwurzelt ist. Nicht irgendein Baum, sondern eine jener mächtigen Eichen, die Stürmen trotzen, weil ihre Wurzeln weit unter der Oberfläche nach dem Wasser suchen, das sie am Leben erhält. Wenn wir heute das Evangelium hören, in dem Jesus vom guten Baum spricht, der gute Früchte trägt, dann geht es nicht um unsere Leistungen oder darum, wie perfekt wir nach außen hin erscheinen. Es geht um das, was tief in uns verborgen ist: das Fundament, auf dem wir unser Leben bauen. Jesus sagt: ‚Ein guter Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor.‘
Es ist nun zwei Monate her, seit Benjamin Vo, euer geliebter Ben, nach Hause zum Vater gerufen wurde. Wenn wir an Ben denken, dann sehen wir nicht nur einen Jungen von brillanter Intelligenz, der sich in der Welt der Cloud-Infrastruktur und der Mathematik so sicher bewegte wie ein Fisch im Wasser. Wir sehen einen Jungen, dessen Herz ein solcher ‚guter Schatz‘ war. Denken Sie an die Momente, in denen seine Güte ganz unaufgefordert zum Vorschein kam – wie jener Moment, als er seinen Eltern anbot, sein gesamtes Erspartes für seinen leidenden Onkel zu geben. Er hat das Geld nicht ausgegeben, er hat das Sparschwein nicht zerstört, aber die Geste allein, dieses Angebot, aus der Fülle seines Herzens zu geben, das ist die Frucht, von der Jesus spricht. Es ist eine Frucht, die nicht durch Anstrengung wächst, sondern durch Liebe.
Ich weiß, Thao und Alan, wie schwer diese Wochen waren. Ich weiß, dass es Tage gibt, an denen der Schmerz so tief sitzt, dass man sich fragt, ob man irgendwo den Halt verloren hat. Ihr habt euch vielleicht gefragt, ob ihr etwas übersehen habt, ob ihr mehr hättet tun können. Ich möchte heute, im Licht des Evangeliums, ein Wort der absoluten Befreiung zu euch sagen: Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen eurer elterlichen Fürsorge. Gott richtet nicht nach dem, was wir als ‚Erfolg‘ oder ‚Misserfolg‘ bezeichnen. Er schaut auf das Herz. Ihr habt Ben nicht verloren, weil ihr etwas falsch gemacht habt. Ihr habt ihn in eine Liebe hinein begleitet, die so rein war, dass er die Welt mit einer solchen Empathie und Sanftmut betrachten konnte. Ihr seid keine Wächter, die versagt haben; ihr seid die Eltern, die ihm beigebracht haben, was es heißt, ein Mensch zu sein, der liebt.
Paulus spricht im Korintherbrief heute von der Teilhabe am Leib und Blut Christi. Er sagt: ‚Weil es ein Brot ist, sind wir viele ein Leib.‘ Das ist das Geheimnis unseres Glaubens, das uns heute zusammenhält. Wir sind nicht allein mit unserem Schmerz. Wir sind Teil eines Leibes, in dem der Schmerz des einen auch der Schmerz des anderen ist. Ben ist jetzt Teil dieses Leibes in einer Weise, die unsere Vorstellung übersteigt. Er ist nicht mehr durch die Grenzen von Zeit und Raum, von Krankheit oder Schwäche eingeschränkt. Er ist bei dem, der das Fundament aller Dinge ist. Er ist bei dem, der uns verspricht, dass unser Bau nicht einstürzen wird, selbst wenn die Fluten des Lebens an unsere Wände schlagen.
Ryan, mein lieber Junge, du vermisst deinen Bruder. Du trägst die Flugzeugkarte bei dir, ein kleines, aber so mächtiges Zeichen eurer Verbindung. Wenn du an Ben denkst, dann weißt du, dass er nicht weg ist. Er ist in deinem Herzen, er ist in den Erinnerungen an das ‚Airport Spotting‘, an das gemeinsame Lachen über seine ‚Con Chim Airlines‘. Er ist dein großer Bruder, der dich jetzt aus der Nähe Gottes begleitet. Er möchte, dass du lebst, dass du neugierig bleibst, dass du mutig deine Träume verfolgst. Dein Leben ist ein kostbares Geschenk, und die Liebe zwischen euch ist ein Band, das stärker ist als der Tod.
Jesus sagt: ‚Wer zu mir kommt, auf meine Worte hört und danach handelt, der ist wie ein Mann, der ein Haus baute, tief grub und das Fundament auf Fels legte.‘ Ben hat dieses Fundament in eurer Familie gefunden. Er hat gelernt, was es heißt, aufrichtig zu sein, respektvoll zu sein, und anderen mit einem offenen Herzen zu begegnen. Das ist das Fundament, das bleibt. Wenn die Stürme kommen, wenn die Trauer uns überwältigt, dann ist es dieses Fundament – die Liebe, die ihr einander geschenkt habt –, das uns hält. Gott ist dieser Fels. Er ist der Grund, auf dem wir stehen, wenn uns der Boden unter den Füßen wegzubrechen scheint.
Es gibt Momente, in denen wir uns wie in einem Traum fühlen, wie Alan, der von Ben träumte, wie sie gemeinsam Eis kauften und Ben bezahlte. Diese Träume sind keine bloßen Einbildungen; sie sind kleine Fenster in eine Realität, die wir noch nicht ganz begreifen können, in der die Liebe niemals aufhört. Ben hat euch in diesem Traum gesagt: ‚Ich werde nach euch schauen.‘ Das ist kein Abschied, das ist ein Versprechen. Er ist bei euch, in jedem Gebet, in jedem Moment der Stille, in jeder Tat der Barmherzigkeit, die ihr in seinem Namen tut.
Denkt heute an den Brunnen, den ‚Giếng Gioan Baotixita‘, in Cà Mau. Das ist ein Bild für das, was Ben hinterlassen hat: fließendes, lebendiges Wasser für die Bedürftigen. Jedes Mal, wenn ein Mensch dort trinkt, wird Bens Liebe in diese Welt zurückgegeben. Das ist das Geheimnis des ‚guten Baums‘. Die Frucht, die ein geliebtes Kind hervorbringt, hört nicht auf zu wachsen, nur weil das Leben hier auf Erden zu Ende geht. Sie multipliziert sich in den Herzen derer, die durch diese Liebe verändert wurden.
Wenn ihr heute aus diesem Gottesdienst geht, nehmt euch einen kleinen, greifbaren Vorsatz. Wenn die Trauer euch überkommt, dann haltet für einen Moment inne. Atmet tief durch. Stellt euch Ben vor, wie er euch anlächelt – dieses Lächeln, das so viel Wärme ausstrahlte. Sagt ein kurzes Gebet: ‚Herr, ich danke dir für das Geschenk meines Sohnes, meines Bruders. Ich vertraue dir meinen Schmerz an.‘ Und dann tut etwas Kleines, das von Liebe zeugt. Ein gutes Wort für jemanden, der einsam ist, ein Moment der Aufmerksamkeit für einen anderen Menschen. Lasst Bens Liebe durch euch in diese Welt fließen. Ihr seid nicht allein. Gott hält euch, er hält Ben, und er hält eure Zukunft fest in seinen Händen. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Es kommt der Tag, an dem ihr euch wiedersehen werdet, in einem Licht, das niemals untergeht. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch. Er lasse sein Angesicht über euch leuchten und schenke euch seinen Frieden.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.