Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute, um im Licht des Wortes Gottes Trost und Hoffnung zu finden.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment die Szene vor, wie sie in den Evangelien oft erscheint: Jesus, der den Blick hebt. Es ist nicht nur eine zufällige Geste. Wenn Jesus den Blick hebt, dann deshalb, weil er etwas sieht, das wir oft übersehen. Er sieht über den Tellerrand unserer Sorgen, unserer Angst und unserer Enge hinaus. Er schaut auf seine Jünger, die arm sind, die hungern, die weinen. Er sieht nicht nur die äußeren Umstände; er sieht das, was in ihren Herzen verborgen ist. Er sieht den Schmerz, der so tief sitzt, dass er kaum in Worte zu fassen ist. Er sieht die Erschöpfung, die sich wie ein Schatten über ihre Tage gelegt hat. Und genau in diesen Blick hinein spricht er die Seligpreisungen aus.
Es sind nun etwa zwei Monate vergangen, seit Benjamin Vo, euer geliebter Ben, nach Hause zum Vater gerufen wurde. Wenn wir heute auf das Leben des heiligen Petrus Claver schauen, sehen wir einen Mann, der sein ganzes Leben denjenigen widmete, die am Rande standen, den Sklaven, den Vergessenen. Er sah in jedem von ihnen das Ebenbild Gottes. Und wenn wir heute an Ben denken, dann sehen wir einen Jungen, dessen Herz ebenso groß und offen war. Ben, der mit seiner Brillanz und seiner Neugier die Welt wie ein Entdecker durchmaß – von den geschäftigen Straßen Pekings bis zu den heiligen Grotten von Lourdes. Ben, der beim ‚Airport Spotting‘ mit seinem Vater die Flugzeuge beobachtete und dabei die Weite des Himmels in sich aufnahm.
Ich weiß, liebe Thao, lieber Alan, und du, lieber Ryan, dass die Stille, die seit zwei Monaten in eurem Haus wohnt, eine ganz eigene Sprache spricht. Es gibt diese Momente, in denen die Trauer wie eine Welle über euch zusammenschlägt. Es ist der Schmerz über das, was nicht mehr ist. Es ist das Fehlen des ‚Guten Morgen, Papa‘, das Ben nie vergessen hat. Es ist das Bild von Ben, wie er mit seinem Bruder Ryan durch das Leben ging, als großer Bruder, der ihm den Weg wies. Manchmal fühlt sich diese Welt, die ‚in ihrer jetzigen Form vergeht‘, wie Paulus im Korintherbrief schreibt, so zerbrechlich an. Wir versuchen, uns an Dinge zu klammern, an Pläne, an die Zukunft, die wir uns für unsere Kinder ausgemalt haben. Und dann kommt ein Moment, in dem uns bewusst wird, wie flüchtig alles ist.
Ich möchte heute ganz behutsam zu euch sprechen, die ihr euch in diesem schweren Tal befindet. Ihr fragt euch vielleicht, ob ihr irgendwo falsch abgebogen seid, ob ihr die Zeichen nicht gesehen habt, ob ihr mehr hättet tun können. Ich sage euch mit der ganzen Autorität des Evangeliums: Nein. Ihr tragt keine Schuld. Krankheit, dieser unerbittliche Gast, ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Urteil über eure Liebe. Gott ist nicht derjenige, der Krankheit sendet oder zulässt, um uns zu prüfen. Er ist derjenige, der in der Krankheit bei uns ist, der weint, wenn wir weinen, der hält, wenn wir fallen. Ihr habt Ben mit einer Liebe geliebt, die so rein war, dass sie sogar die Bereitschaft beinhaltete, das eigene Ersparte für einen leidenden Onkel herzugeben – eine Geste, die zeigt, welch wunderbares Herz in eurem Sohn schlug. Er war ein Junge, der in eurer Liebe geborgen war, und diese Liebe bleibt. Sie ist nicht mit ihm gegangen; sie ist in euch lebendig.
Jesus sagt: ‚Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.‘ Das klingt in unseren Ohren oft wie ein ferner Trost, wie ein Versprechen für eine Zeit, die noch in weiter Ferne liegt. Doch dieses Lachen, von dem Jesus spricht, ist kein oberflächliches Glück. Es ist die tiefe Freude, die aus der Gewissheit kommt, dass wir in Gott gehalten sind. Ben hat dieses Lachen gekannt. Er hat es gezeigt, wenn er über seine ‚Con Chim Airlines‘ kicherte. Er hat es gezeigt, wenn er mit seinem Vater die Welt erkundete. Dieses Lächeln war ein Geschenk, und es ist ein Teil der Ewigkeit, die Ben nun in vollen Zügen genießt. Er ist jetzt dort, wo kein Schmerz mehr ist, kein Warten, kein Bangen.
Ryan, mein lieber Junge, dein Bruder Ben schaut auf dich. Er sieht dich, wenn du an ihn denkst, wenn du seine Flugzeugkarten in deiner Handyhülle trägst, wenn du in der Schule bist. Er ist dein Schutzengel. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine Träume verfolgst. Dein Leben ist ein kostbares Geschenk, und Ben ist stolz darauf, dein Bruder zu sein. Die Liebe, die ihr geteilt habt, ist stärker als der Tod. Sie ist ein Band, das selbst durch die dünne Trennwand zwischen Himmel und Erde nicht durchschnitten werden kann.
Und ihr, liebe Eltern, ihr seid die Hüter dieses Lichts. Es gibt Tage, da werdet ihr das Gefühl haben, dass die Dunkelheit gewinnt. Dann erinnert euch daran, dass Gott den Blick auf euch gerichtet hat. Er sieht eure Tränen, er kennt eure schlaflosen Nächte, er hört das Gebet, das ihr vielleicht nur noch stammeln könnt. Er ist da. Er ist der Gott, der die Welt in seiner Hand hält, auch wenn sie uns entgleitet. Ben ist jetzt an einem Ort, den wir uns kaum vorstellen können, im ‚Banquet of Heaven‘. Er ist in bester Gesellschaft, vielleicht im Gespräch mit dem heiligen Carlo Acutis, der wie er ein moderner Junge war, voller Neugier und Liebe zu Jesus. Sie sind beide dort, in der Herrlichkeit, und sie beten für euch.
Denkt an den Brunnen, den ‚Giếng Gioan Baotixita‘, in Cà Mau. Das ist Bens Herz, das weiter schlägt. Jedes Mal, wenn ein Mensch dort reines Wasser schöpft, fließt Bens Liebe in diese Welt zurück. Das ist das Geheimnis unseres Glaubens: Das Leben ist nicht dazu da, um es festzuhalten, sondern um es hinzugeben. Ben hat sein Leben hingegeben, und nun ist es in Gott vervielfacht. Er ist nicht verloren. Er ist bei dem, der gesagt hat: ‚Ich bin die Auferstehung und das Leben.‘
Wenn ihr heute aus diesem Gottesdienst geht, nehmt euch einen kleinen, konkreten Vorsatz für die Woche. Wenn die Trauer kommt, wenn der Schmerz euch die Luft abschnürt, dann haltet für einen Moment inne. Atmet tief durch. Denkt an Bens Lächeln. Sagt ein kurzes Gebet: ‚Herr, ich vertraue dir meinen Schmerz an. Ich danke dir für die fünfzehn Jahre mit Ben.‘ Und dann tut eine kleine Tat der Freundlichkeit – ein Lächeln für einen Fremden, ein gutes Wort für jemanden, der einsam ist, ein Moment der Achtsamkeit für einen anderen Menschen. Lasst Bens Liebe durch euch in diese Welt fließen. Ihr seid nicht allein. Gott hält euch, er hält Ben, und er hält eure Zukunft in seinen Händen. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Es kommt der Tag, an dem ihr euch wiedersehen werdet, in einem Lachen, das niemals endet. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns und behüte uns, er lasse sein Angesicht über uns leuchten und schenke uns seinen Frieden. Gehet hin in seinem Frieden.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.