Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, der uns in unsere Schwachheit hinein mit seiner Barmherzigkeit begegnet, sei mit euch allen.
Herr, erbarme dich unserer. Christus, erbarme dich unserer. Herr, erbarme dich unserer.
Stellen Sie sich für einen Moment ein Bild vor, das wir alle kennen, wenn wir an Benjamin Vo denken. Es ist nicht das Bild eines Jungen, der in der Welt der Cloud-Infrastruktur oder der Mathematik brillierte – obwohl er das war, ein kleiner Ingenieur, der die Welt mit einer Klarheit sah, die uns oft staunen ließ. Stellen Sie sich stattdessen Ben auf einer Reise vor, vielleicht in einer der vielen Städte, die er mit Thao, Alan und Ryan besucht hat. Er steht da, vielleicht mit einer Kamera in der Hand oder einfach nur mit diesem wachen Blick, der alles in sich aufsaugt, immer bereit für das nächste Abenteuer. Er war ein Junge, der das Leben nicht nur beobachtete, sondern es mit einer ansteckenden Neugier umarmte. Er war der Junge, der beim Essen von scharfem Pad Thai in Bangkok Tränen in den Augen hatte, aber gleichzeitig kicherte und lächelte, weil er einfach Freude daran hatte, etwas Neues zu wagen. Er war ein Risikoträger, ein Entdecker. Und heute, drei Monate nach seinem Heimgang, ist es genau diese Offenheit für das Leben, die uns in das Herz des Evangeliums führt.
Im heutigen Evangelium begegnen wir einer Szene, die von einer tiefen, fast schmerzhaften Intimität geprägt ist. Eine Frau, bekannt als Sünderin, betritt das Haus eines Pharisäers. Sie tut etwas, das alle gesellschaftlichen Regeln bricht: Sie nähert sich Jesus, weint an seinen Füßen, trocknet sie mit ihrem Haar und salbt sie mit kostbarem Öl. Simon, der Gastgeber, ist entsetzt. In seinem Kopf rechnet er: 'Wenn dieser Mann ein Prophet wäre, wüsste er, wer sie ist.' Er sieht nur die Sünde, er sieht nur die Grenze, er sieht nur den Makel. Aber Jesus? Jesus sieht das Herz. Er sieht nicht die Vergangenheit der Frau; er sieht die Liebe, die in diesem Moment aus ihr hervorströmt. Er sieht, dass sie alles, was sie hat, in eine Geste der Verehrung investiert. Er sagt zu ihr: 'Deine Sünden sind dir vergeben.'
Das ist die Wahrheit, die wir heute hören müssen. Wir leben oft wie Simon. Wir führen Buch über unser Leben. Wir führen Buch über unsere Trauer. Wir fragen uns: 'Was habe ich falsch gemacht? Warum ist das passiert? Hätte ich diesen Weg verhindern können?' Thao, Alan, ich weiß, wie diese Fragen nachts an Ihnen nagen. Ich weiß, wie schwer es ist, den Verlust von Benjamin zu tragen, wenn der Kopf versucht, Antworten zu finden, wo nur Stille ist. Ich möchte heute ein Wort der absoluten Befreiung zu Ihnen sprechen: Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge. Sie haben Ben nicht verloren, weil Sie etwas übersehen hätten. Manche Sorgen in dieser Welt kommen wie ein Sturm, der jenseits jeder menschlichen Kontrolle liegt. Kein Wachen, kein Planen, kein Wissen hätte das ändern können. Gott klagt Sie nicht an, und Sie dürfen sich selbst nicht länger anklagen. Lassen Sie diese Steine fallen. Sie sind frei von dieser Schuld.
Paulus schreibt im Korintherbrief: 'Durch das Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündet habe.' Was ist dieses Wort? Es ist die Botschaft, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist und auferstanden ist. Es ist die Botschaft, dass das Letzte, was über uns gesagt wird, nicht unser Versagen ist, nicht unser Schmerz, nicht unser Tod, sondern die Gnade Gottes. Ben hat das verstanden. Er hatte ein Herz, das so weit war, dass er unaufgefordert sein gesamtes Erspartes für seinen Onkel William anbieten wollte, als dieser krank war. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig. Aber das Angebot selbst, diese Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden geliebten Menschen hinzugeben, ist ein Abglanz der Liebe Gottes. Ben war ein Junge, der verstand, was es heißt, sich zu verschenken. Und genau diese Liebe ist es, die jetzt in Gott geborgen ist.
Ryan, mein lieber Junge, du vermisst deinen Bruder so sehr. Du denkst an die gemeinsamen Momente, vielleicht an die Flüge, an die Träume von der 'Con Chim Airlines', an das Kichern, wenn ihr zusammen wart. Dein Bruder Ben ist nicht einfach fort. Er ist in der Liebe Gottes. Er schaut auf dich herab. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du neugierig bleibst. Er ist dein großer Bruder, der dich jetzt aus einer Nähe begleitet, die keine Distanz mehr kennt. Du bist nicht allein. Die Liebe, die ihr geteilt habt, ist ein Band, das stärker ist als der Tod.
Wenn wir auf Ben schauen, sehen wir nicht nur den Verlust. Wir sehen ein Geschenk. Wir sehen einen Jungen, der in seinen 15 Jahren mehr Liebe gegeben hat, als viele in einem ganzen Leben vermögen. Er ist jetzt Teil des 'Banquet of Heaven', an der Seite des jungen heiligen Carlo Acutis – zwei moderne, helle Seelen, die uns zeigen, dass man auch in einer technisierten, schnellen Welt ein Herz für Jesus haben kann. Sie intercedieren für euch. Sie sind eure Fürsprecher.
Ich möchte, dass Sie heute etwas mit nach Hause nehmen, das Sie in der Hand halten können. Wenn die Trauer Sie überkommt, dann suchen Sie nicht nach der großen Antwort auf das 'Warum'. Suchen Sie stattdessen nach einer kleinen Geste der Liebe. Vielleicht ist es ein kurzer Moment, in dem Sie an Ben denken und dabei lächeln – nicht weil es nicht mehr weh tut, sondern weil die Liebe stärker ist als der Schmerz. Vielleicht ist es ein Moment der Stille, in dem Sie Ryan in den Arm nehmen, oder ein kurzes Gebet, in dem Sie Ihren Schmerz einfach nur in Gottes Hände legen. Gott hält Sie fest. Er hält Ben. Er hält Ihre Zukunft in seinen Händen. Bleiben Sie in diesem Frieden. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch. Er lasse sein Angesicht über euch leuchten und schenke euch seinen Frieden. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.