Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment ein ganz schlichtes, fast alltägliches Bild vor: Benjamin, wie er an einem sonnigen Tag an der Seite seines Bruders Ryan an einem hölzernen Pier steht. Der Ozean erstreckt sich unendlich weit vor ihnen, ein tiefes, strahlendes Blau unter einem wolkenlosen Himmel. Beide tragen ihre sommerlichen Shirts, beide haben diese unbeschwerte Haltung von Jungen, die noch so viele Meere vor sich zu entdecken haben. Ben lächelt sanft in die Kamera, ein Lächeln, das so rein und aufrichtig war wie der Wind, der an jenem Tag über das Wasser strich. Es ist ein Bild der Verbundenheit, ein Moment, der in der Zeit eingefroren scheint, bevor die Stürme des Lebens ihre eigene, unerbittliche Logik entfalteten.
Heute, drei Monate nach Bens Heimgang, blicken wir auf diese Welt zurück, und wir hören das Wort Gottes, das uns mitten in unsere Zerbrechlichkeit hineinruft. Im Brief an die Galater hören wir den Apostel Paulus mit einer Dringlichkeit, die fast schmerzhaft ist. Er spricht von einem Evangelium, das nicht von Menschenhand stammt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi zu uns gekommen ist. Er warnt vor dem, was das Evangelium verfälscht, vor dem, was uns vom Wesentlichen ablenkt. Und im Evangelium nach Lukas begegnen wir einem Gesetzeslehrer, der Jesus auf die Probe stellt. Er fragt: ‚Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?‘ Es ist die wohl größte Frage, die ein Mensch stellen kann. Und Jesus antwortet, indem er ihn auf das Gesetz der Liebe verweist: Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzer Kraft und ganzer Vernunft – und den Nächsten wie sich selbst.
Doch der Gesetzeslehrer möchte sich rechtfertigen. Er fragt: ‚Wer ist mein Nächster?‘ Er sucht nach Grenzen. Er sucht nach einer Definition, die ihm erlaubt, zu entscheiden, wem er sich verpflichtet fühlt und wem nicht. Jesus aber antwortet nicht mit einer Definition, sondern mit einer Geschichte – einer Geschichte von einem Mann, der unter die Räuber fiel. Er beschreibt den Priester und den Leviten, die den Verletzten sahen und doch vorübergingen. Sie sahen das Leid, aber sie wählten die Sicherheit der Distanz. Sie wählten das Gesetz über das Leben. Erst der Samariter, der Außenseiter, derjenige, von dem man am wenigsten Mitgefühl erwartet hätte, hält an. Er lässt sich bewegen. Er beugt sich hinab. Er gießt Öl und Wein auf die Wunden, er verbindet sie, er hebt den Verletzten auf sein eigenes Tier. Er macht das Leid des anderen zu seiner eigenen Last.
Liebe Thao, lieber Alan, ich weiß, wie sehr diese Geschichte heute Ihr Herz berührt. Ich weiß, wie oft Sie sich in den vergangenen Monaten gefragt haben, ob Sie den ‚Samariter‘ hätten spielen können, ob Sie etwas hätten tun können, um diesen Weg, den Ben gehen musste, zu verändern. Dieser Gedanke, dass man irgendwo einen Fehler gemacht hat, dass man nicht wachsam genug war, ist eine Last, die so schwer ist, dass sie einen Menschen erdrücken kann. Lassen Sie mich heute, im Licht dieses Evangeliums, diesen Stein behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge. Sie haben Benjamin nicht verloren, weil Sie etwas übersehen hätten. Manche Wege in dieser Welt sind so rätselhaft, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass keine Liebe der Welt und kein Wachen sie hätte verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht ‚bestraft‘, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat ihn in seine Ewigkeit gerufen, in eine Zeit, in der es kein Weinen mehr gibt. Sie haben nichts versäumt. Ihr Kind wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden. Das ist das Einzige, was zählt.
Ben war selbst wie dieser Samariter. Denken Sie an jenen Moment, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte. Er war fünfzehn Jahre alt, ein Junge, der von der Welt der Cloud-Infrastruktur und der Boeing 737 träumte, ein Junge, der in seiner Neugier schon so weit in die Zukunft blickte. Und doch, als er von der Not seines Onkels erfuhr, wollte er unaufgefordert sein gesamtes Erspartes hergeben, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Weise da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden Menschen hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das ist es, was Jesus meint: ‚Geh und handle genauso.‘ Ben hat das gelebt. Er hat nicht gefragt: ‚Wer ist mein Nächster?‘ Er hat gespürt, wer in Not war, und sein Herz hat sich geöffnet.
Ryan, mein lieber Junge, ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten, vom Pier am Ozean bis zu den Straßen in Europa. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist derjenige, der dich anfeuert, wenn du morgens aufstehst, der dich begleitet, wenn du in der Schule bist, der dich anlächelt, wenn du an eure gemeinsamen Abenteuer denkst. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der nun dort ist, wo es keine ‚Con Chim Airlines‘ mehr braucht, weil er bereits am Ziel angekommen ist. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm; er hört dich in der Stille deines Herzens. Er ist bei dir, in jedem Schritt, den du tust.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Gottes Liebe ist wie ein unendlicher Ozean, der deine Tränen auffängt. Wie jener Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen sauberes, kühles Wasser zu schenken, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben.
Der Apostel Paulus sagt im heutigen Abschnitt: ‚Suche ich etwa die Gunst von Menschen oder die Gunst Gottes?‘ Wir alle suchen manchmal nach Bestätigung, nach Antworten, nach einem Weg, der uns sicher erscheinen lässt. Aber das Evangelium fordert uns heraus, den Weg der Liebe zu gehen, auch wenn er uns durch das Tal der Tränen führt. Benjamin hat uns gezeigt, wie man liebt, ohne Bedingungen zu stellen. Er hat uns gezeigt, wie man mit einer Neugier durch die Welt geht, die immer das Schöne und das Wahre sucht. Er war ein Kind des Lichts.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an sein ansteckendes Gekichern bei den Geschichten von ‚Con Chim Airlines‘ denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.