Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr sei mit euch und schenke euch seinen Frieden in dieser Stunde der Gemeinschaft und des Gebets.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment ein Bild vor: Ein kleines, sorgfältig zusammengebautes Modell eines Passagierflugzeugs, das auf einem Schreibtisch steht, daneben ein Notizbuch voller Zahlen, Schaltpläne und kleiner Zeichnungen. Es ist die Welt von Benjamin Vo – einem Jungen, dessen Verstand so klar und geschärft war wie die mathematischen Formeln, die er schon in jungen Jahren mit spielerischer Leichtigkeit löste. Sie erinnern sich vielleicht daran, wie er mit seinem Vater an den großen Flughäfen stand, die Maschinen beobachtete, die in den Himmel stiegen, und mit diesem schelmischen, glücklichen Lächeln von seiner ganz eigenen Fluggesellschaft sprach, die er einmal gründen wollte: den ‚Con Chim Airlines‘. In diesem Namen, der auf Vietnamesisch ganz einfach ‚Vogel‘ bedeutet, lag all seine Sehnsucht nach Weite, nach Freiheit, nach dem Aufbruch in ungeahnte Höhen.
Heute, an diesem Gedenktag der nordamerikanischen Märtyrer, blicken wir auf Menschen, die ebenfalls den Blick in den Himmel gerichtet hatten, die ihr Leben für etwas hingaben, das größer war als sie selbst. Und wir stehen hier, etwa vier Monate nach dem 13. Juni 2026, und fragen uns, wie sich dieses Leben, das so reich an Neugier, an Technik, an weltweiten Reisen mit seiner Familie und an tiefer, kindlicher Güte war, in das große Geheimnis Gottes einfügt. Wir hören heute im Epheserbrief Worte, die uns fast den Atem rauben: ‚Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat uns, die wir tot waren durch unsere Verfehlungen, zusammen mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet worden.‘
Das ist kein theologischer Lehrsatz, der kühl im Raum steht. Das ist eine Lebensader, die in unsere tiefste Dunkelheit hineinreicht. Paulus schreibt diesen Satz an Menschen, die das Gefühl hatten, am Ende zu sein, die den Boden unter den Füßen verloren hatten. Und er erinnert sie daran, dass der Ursprung unseres Daseins nicht in unserer eigenen Kraft liegt, sondern in der schöpferischen, unendlichen Barmherzigkeit Gottes. Benjamin war ein Junge, der das begriff, nicht durch schwere theologische Bücher, sondern durch die Art, wie er lebte. Denken Sie an jene Momente, in denen er mit seinem jüngeren Bruder Ryan und seinen Eltern als das ‚perfekte Vierergespann‘ die Welt bereiste – von den Straßen Asiens bis zu den alten heiligen Stätten Europas. Er hat das Leben nicht als Last begriffen, sondern als ein einziges, staunenswertes Geschenk.
Und doch wissen wir, wie schwer die Stille geworden ist. Thao, Alan, ich weiß, wie die Abende in Ihrem Haus eine Leere haben, die man mit den Händen greifen kann. Ich weiß, wie die Erinnerung an Benjamins Stimme, an sein verlässliches ‚Guten Morgen, Papa‘, das er jeden einzelnen Tag sprach, wie ein Echo durch die Zimmer hallt. Manchmal schleicht sich in dieses Schweigen ein leiser, schwerer Schatten – jene quälende Frage, ob man ein Zeichen übersehen hat, ob man nicht hätte wachsamer sein müssen, ob man die Krankheit hätte aufhalten können. Lassen Sie mich heute, im Licht dieses Wortes aus dem Epheserbrief, diesen Stein ganz behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen elterlicher Fürsorge, kein Mangel an Liebe oder Aufmerksamkeit. Es gibt in dieser Schöpfung eine Zerbrechlichkeit, die jenseits aller menschlichen Kontrolle liegt. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Zärtlichkeit, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie haben nichts versäumt. Sie haben ihn geliebt, wie man nur lieben kann. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft; er hat ihn in seine Arme aufgenommen, in jene Geborgenheit, bei der es keinen Schmerz und keine Tränen mehr gibt.
Hören wir auf das, was uns das Evangelium nach Lukas heute vor Augen führt. Da kommt jemand zu Jesus und will eine Abrechnung, einen gerechten Anteil am Erbe, einen Streit um irdische Güter schlichten. Und Jesus antwortet mit einer Schärfe, die uns wachrütteln muss: ‚Passt auf und huet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Überfluss an Besitz ab.‘ Er erzählt die Geschichte von dem reichen Mann, der größere Scheunen bauen will, um sich für die Zukunft abzusichern, und dem in derselben Nacht die Seele gefordert wird. Es ist ein Bild für unsere menschliche Illusion, wir könnten das Leben festhalten, wir könnten es sichern, wir könnten es besitzen. Aber das Leben lässt sich nicht einsperren in Scheunen oder in Pläne.
Benjamin hat uns das auf eine so berührende, unbewusste Weise vorgelebt. Erinnern Sie sich an jenen Moment, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte? Ein fünfzehnjähriger Junge, der in der Welt der Cloud-Infrastruktur und der Algorithmen zu Hause war, der seine eigenen Pläne schmiedete, kam unaufgefordert zu Ihnen und bot an, sein gesamtes Erspartes hinzugeben, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war gar nicht nötig, die Hilfe war längst da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen anderen Menschen hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das war kein Zufall. Das war der Geist Gottes, der in ihm wirkte. Diese Großherzigkeit, diese Liebe, die er gezeigt hat, ist nicht vergangen. Sie ist das Erbe, das er hinterlassen hat. Sie fließt weiter, genau wie jener saubere Brunnen in Cà Mau, der in seinem Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen frisches Wasser zu schenken. Benjamins Leben ist nicht versiegt; es spendet Leben, es tröstet, es erinnert uns daran, dass das Gute, das wir tun, niemals verloren geht.
Ryan, mein lieber Junge, hör mir einen Moment zu. Ich weiß, wie sehr du deinen großen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen lachten, reisten und die Welt erkundeten. Dein Bruder Benjamin ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist in deinen Erinnerungen, er ist im Wind, der draußen weht, er ist in der Stille deines Herzens. Er möchte, dass du mutig bist, dass du lebst, dass du deine eigenen Träume mit diesem selben fröhlichen Eifer verfolgst. Wenn du dich einsam spürst, sprich mit ihm. Er hört dich. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der auf dich wartet und der sich wünscht, dass du die Freude am Leben, die ihr geteilt habt, in dir bewahrst. Lebe für ihn mit, sei mutig, sei fröhlich, so wie er es war. Die Welt braucht dein Lächeln, so wie sie das seine gebraucht hat.
An alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Wie jener lebensspendende Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen sprudelt, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Gott ist der Gott des Lebens, nicht des Todes. Er ist der Gott, der Benjamin in seine Arme geschlossen hat, als seine irdische Reise vollendete. Wir suchen oft nach Zeichen – nach einem Zeichen, dass es ihm gut geht, nach einem Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht ist das Zeichen, das wir heute brauchen, genau dieses: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Sie ist die Kraft, die Sie durch den Tag trägt, wenn Sie morgens aufstehen und sich fragen, wie das gehen soll. Es geht, weil er Ihnen vorausgegangen ist. Er ist bei Gott, und er lächelt, genau wie er damals lächelte, wenn er von den ‚Con Chim Airlines‘ sprach – staunend, neugierig, vollkommen sicher.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe ist nicht vergangen. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an seine Freude denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch; der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig. Der Herr wende sein Angesicht euch zu und schenke euch seinen Frieden. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.