Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede und die Freude unseres Herrn Jesus Christus seien mit Ihnen allen.
Herr Jesus, du bist das Licht, das in der Finsternis leuchtet. Herr, erbarme dich. Christus, du schenkst uns das Leben in Fülle. Christus, erbarme dich. Herr, du rufst uns in deine ewige Geborgenheit. Herr, erbarme dich.
Stellen Sie sich für einen Augenblick ein ganz einfaches, fast alltägliches Bild vor: Zwei Brüder, die an einem kalten Wintertag dicht beieinander stehen, in warme Mäntel gehüllt, mitten in der Stille einer alten Kirche. Das Kerzenlicht flackert leise vor der Statue des Heiligsten Herzens Jesu, und beide Jungen lächeln sanft in die Kamera – ein Moment der tiefen, schweigenden Verbundenheit, festgehalten für die Ewigkeit. Es ist ein Bild, das von Wärme zeugt, von einem Raum, in dem man sich sicher fühlt, weil man nicht allein ist. Benjamin und sein kleiner Bruder Ryan, Seite an Seite, getragen von einer Liebe, die keine grossen Worte brauchte, um zu existieren.
Heute, an diesem Samstag, hören wir im Galaterbrief Worte von Paulus, die wie ein eisernes Tor klingen, das sich plötzlich weit öffnet. Paulus schreibt: „Für alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt ihr Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ Und direkt daneben, im kurzen, aber so scharfen Evangelium nach Lukas, ruft eine Frau aus der Menge Jesus zu: „Selig der Leib, der dich getragen, und die Brust, die dich gestillt hat!“ Doch Jesus antwortet mit einer Wendung, die uns innehalten lässt: „Selig vielmehr, die das Wort Gottes hören und es bewahren.“
Das ist der Punkt, an dem wir heute stehen. Wir hören diese Worte, und unweigerlich wandert unser Gedanke zu dem leeren Platz am Tisch, zu dem Jungen, dessen Brillanz und sanftes Herz unser Leben so reich gemacht haben. Benjamin Vo – ein Junge, der mit einer unglaublichen Neugier durch die Welt ging, der in die Tiefen der Cloud-Infrastrukturen blickte, als wären sie ein offenes Buch, und der mit seinem Vater stundenlang über Flugzeuge, über die Boeing 737 und die Zukunft der Technik fachsimpelte. Denken wir an dieses eine Bild von ihm: Wie er im Wohnzimmer steht, hinter seinem Vater am DJ-Pult, mit diesem warmen, offenen Lächeln, das den ganzen Raum erhellte. Er war ein Junge, der die Welt verstehen wollte, aber noch viel mehr: Er wollte die Menschen lieben.
Und doch wissen wir, wie schwer die Stille geworden ist. Etwa drei Monate sind vergangen, seit Benjamin seine irdische Reise vollendet hat. Ich sehe Sie, Thao, ich sehe Sie, Alan. Ich weiß, wie sich die Nächte anfühlen, wenn das Haus zur Ruhe kommt und die Erinnerung wie eine Welle über Sie zusammenschlägt. Manchmal schleicht sich in diese Stunden ein Schatten ein – jene leisen, quälenden Selbstvorwürfe, die fragen: Hätte ich mehr tun können? Gab es ein Zeichen, das ich übersehen habe? War unsere Wachsamkeit nicht genug? Lassen Sie mich diesen Stein heute ganz behutsam, mit zitternden Händen, von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen elterlicher Fürsorge, kein Mangel an Liebe oder Aufmerksamkeit. Manche Wege in dieser Welt sind so unbegreiflich, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass keine Liebe der Welt und kein Wachen diesen Sturm hätte aufhalten können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Versäumnis; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Zärtlichkeit, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, leiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Sie haben nichts versäumt. Ihr Sohn wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden.
Jesus sagt im Evangelium nicht, dass die leibliche Mutterschaft weniger wert ist. Er hebt den Blick höher. Er sagt: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und es bewahren.“ Was bedeutet das für uns heute? Es bedeutet, dass das Band, das uns verbindet, nicht durch den Tod zerschnitten wird. Es wird in die Ewigkeit hineingenommen. Benjamin war ein Junge, der nicht nur klug war, sondern dessen Herz überquoll vor Güte. Erinnern wir uns daran, wie er einst, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte, unaufgefordert zu seinen Eltern ging und anbot, sein gesamtes Erspartes hinzugeben, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Weise da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen Menschen in Not herzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Es ist die Logik des Himmels.
Und genau hier berührt uns das Wort des Paulus. Wenn wir auf Christus getauft sind, sind wir mit ihm bekleidet. Es gibt keine Trennung mehr zwischen dieser Welt und der Ewigkeit. Benjamin ist nicht weg; er ist eingehüllt in dieses himmlische Gewand. Er ist dort, wo die grossen Maschinen und die Träume von 'Con Chim Airlines' in einer Realität aufgehen, die all unsere Vorstellungskraft übersteigt. Er ist in Gottes Frieden. Er schaut auf seine Familie herab mit genau demselben sanften Lächeln, das er damals vor der Krippe in der Kirche trug.
Ryan, mein lieber Junge, hör mir einen Moment zu. Ich weiß, wie sehr du deinen grossen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten, die lachten, spielten und Pläne schmiedeten. Dein Bruder Benjamin ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist in deinen Erinnerungen, er ist im Wind, der draussen weht, er ist in der Stille deines Herzens. Er möchte, dass du mutig bist, dass du lebst, dass du deine eigenen Träume mit diesem gleichen fröhlichen Eifer verfolgst. Wenn du dich einsam fühlst, sprich mit ihm. Er hört dich. Er ist dein grosser Bruder im Himmel, der auf dich wartet.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Wie jener saubere, lebensspendende Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen frisches Wasser zu schenken, so fliesst auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an seine Freude denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns und behüte uns; der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.