Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Der Herr sei mit euch.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich einen Moment lang ein Bild vor, das so einfach und doch so tief ist: Ein Fundament, das tief in die Erde gegraben wird. Man sieht es oft nicht mehr, wenn das Haus erst einmal steht, doch ohne diesen unsichtbaren Grund würde jeder Windstoß das Gebäude zum Einsturz bringen. Heute, am Fest der Apostel Simon und Judas, spricht der heilige Paulus im Epheserbrief von diesem Fundament. Er sagt uns: »Ihr seid nicht mehr Fremde und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, erbaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, mit Christus Jesus selbst als dem Eckstein.« Benjamin Vo, unser lieber Ben, war ein Junge, der in seinem kurzen Leben schon sehr früh begriff, was es bedeutet, auf einem festen Grund zu stehen. Denken Sie an seine Faszination für die Technik, für die Cloud-Strukturen und die Boeing 737. Er wollte immer wissen, wie Dinge funktionieren, wie man etwas baut, das Bestand hat. Er suchte nach dem, was das Ganze zusammenhält. Und genau diese Suche, diese geistige und menschliche Neugier, war die Art, wie er sich in das Fundament Gottes einschreiben ließ.
Wir hören im Evangelium, wie Jesus auf den Berg geht, um zu beten. Er verbringt die ganze Nacht im Gespräch mit dem Vater, bevor er die Zwölf auswählt. Er wählt sie nicht aus, weil sie perfekt waren. Er wählt sie, damit sie bei ihm sind. Er wählt sie, damit sie das Fundament seiner Kirche bilden. Unter ihnen sind Simon und Judas, Männer, die wir heute ehren. Sie waren keine Helden, die alles wussten; sie waren Menschen, die gerufen wurden. Genau wie Ben. Er war ein Junge, der das Leben mit einer solchen Intensität und Herzlichkeit durchdrang, dass man in seiner Nähe spürte: Hier ist jemand, der fest verwurzelt ist in der Liebe. Er hat nicht nur die Welt bereist, er hat die Welt in sich aufgenommen – ihre Schönheit, ihre Technik, ihre Menschen. Er war ein Junge, der das Leben als eine Reise verstand, auf der man immer wieder nach dem Eckstein fragt.
Ich denke an eine kleine Begebenheit, die mir von einem Foto in den Sinn kommt: Ben, wie er mit seinem Bruder Ryan im Schnee steht, fest eingepackt, die Gesichter strahlend vor Freude. Es ist ein Moment der Einfachheit, des Zusammenseins, der Geborgenheit. Das ist es, was Paulus meint, wenn er sagt, wir seien ein »Tempel, der im Herrn heilig ist«. Wir sind nicht dazu bestimmt, allein zu stehen. Wir sind dazu bestimmt, zusammengefügt zu werden. Ben war derjenige, der dieses Zusammenfügen in seiner Familie so sehr liebte. Er war derjenige, der das ‚Wir‘ über das ‚Ich‘ stellte. Und genau deshalb, weil er diese Liebe so rein lebte, ist er uns jetzt vorausgegangen in die Vollendung dieser Einheit.
Alan und Thao, ich weiß, wie die Stille in Ihrem Haus manchmal wie ein Gewicht auf Ihnen lastet. Ich weiß, wie die Abwesenheit von Benjamins Lächeln, seine Begeisterung für seine ‚Con Chim Airlines‘, eine Lücke in Ihr Leben gerissen hat, die sich wie eine offene Wunde anfühlt. Und ich weiß, wie quälend die Frage sein kann, ob man alles getan hat, ob man irgendwo ein Anzeichen übersehen hat. Lassen Sie mich heute, im Licht der Schrift, diesen Stein ganz behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Liebe, kein Mangel an Sorgfalt. Es gibt in dieser Welt eine Zerbrechlichkeit, eine Unbegreiflichkeit, die jenseits aller menschlichen Kontrolle liegt. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Zärtlichkeit, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie haben nichts versäumt. Sie haben ihn geliebt, wie man nur lieben kann. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft; er hat ihn in seine Arme aufgenommen, in jene Geborgenheit, bei der es keinen Schmerz und keine Tränen mehr gibt. Sie sind keine Sklaven des Schmerzes; Sie sind Kinder der Verheißung.
Betrachten wir das Fundament, von dem Paulus spricht. Christus ist der Eckstein. Alles, was wir sind, alles, was wir hoffen, ruht auf ihm. Wenn wir uns fragen, warum Benjamin so früh gehen musste, finden wir die Antwort nicht in der Logik der Welt, sondern im Geheimnis Gottes. Er ist jetzt Teil dieses heiligen Tempels, von dem Paulus schreibt. Er ist nicht weg; er ist an einem Ort, an dem das Fundament niemals wackelt, an dem der Sturm nicht mehr tobt. Er ist bei Gott, dem Vater, bei dem die Zeit keine Rolle mehr spielt. Er ist in der Ewigkeit, wo er nun die ‚Con Chim Airlines‘ in einem Licht fliegen lässt, das wir uns kaum vorstellen können. Er ist sicher. Und er möchte, dass Sie diese Sicherheit auch finden.
Ryan, mein lieber Junge, hör mir einen Moment zu. Ich weiß, wie sehr du deinen großen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen lachten, reisten und Pläne schmiedeten. Dein Bruder Benjamin ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist in deinen Erinnerungen, er ist im Wind, der draußen weht, er ist in der Stille deines Herzens. Er möchte, dass du mutig bist, dass du lebst, dass du deine eigenen Träume mit diesem selben fröhlichen Eifer verfolgst. Wenn du dich einsam fühlst, sprich mit ihm. Er hört dich. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der auf dich wartet und der sich wünscht, dass du die Freude am Leben, die ihr geteilt habt, in dir bewahrst. Lebe für ihn mit, sei mutig, sei fröhlich, so wie er es war. Die Welt braucht dein Lächeln, so wie sie das seine gebraucht hat.
Wir suchen oft nach Zeichen – nach einem Zeichen, dass es ihm gut geht, nach einem Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht ist das Zeichen, das wir heute brauchen, genau dieses: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Sie ist die Kraft, die Sie durch den Tag trägt, wenn Sie morgens aufstehen und sich fragen, wie das gehen soll. Es geht, weil er Ihnen vorausgegangen ist. Er ist bei Gott, und er lächelt. Er ist nicht in der Finsternis, er ist im Licht. Wie der Eckstein, der alles zusammenhält, so hält Gott Ihre Familie zusammen, auch wenn Sie sich im Moment vielleicht zerbrochen fühlen. Gott ist der Kleber, der die Risse füllt. Gott ist derjenige, der Sie hält, wenn Sie nicht mehr weiterwissen.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe ist nicht vergangen. Sie ist das Licht, das Sie heute mit nach Hause nehmen dürfen. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an seine Freude denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Er ist bei Gott, und er schaut auf Sie herab mit der gleichen Wärme, mit der er damals auf Sie schaute, als Sie gemeinsam die Welt bereisten. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede, der alles Verstehen übersteigt, begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, behüte uns vor dem Bösen und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.