Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute im Licht des Wortes Gottes, um in seiner Gegenwart Trost und Stärke zu finden.
Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment ein ganz schlichtes, fast alltägliches Bild vor: Benjamin, wie er in der Küche steht, konzentriert und mit einem kleinen, schelmischen Lächeln, während er gemeinsam mit seinem Bruder Ryan versucht, etwas Leckeres zu backen. Die Mehlspuren auf der Arbeitsplatte, die bunten Schüsseln, das Durcheinander, das bei einem solchen Projekt entsteht – es ist ein Bild purer, ungefilterter Freude. Es ist das Bild eines Jungen, der das Leben nicht nur beobachtete, sondern es mit beiden Händen anpackte. Er war ein Junge, dessen Verstand so scharf wie ein Skalpell war, der sich in den komplexen Welten der Cloud-Infrastruktur und der Mathematik bewegte, als wären es Spielplätze. Doch in diesem Moment in der Küche sehen wir nicht den kleinen Wissenschaftler; wir sehen den Bruder, den Sohn, den Jungen, der einfach nur bei den Menschen sein wollte, die er liebte.
Heute, drei Monate nach seinem Abschied, hören wir im Evangelium von einer anderen häuslichen Szene. Jesus besucht Martha und Maria. Martha ist beschäftigt, sie sorgt sich, sie ist „beladen mit vielerlei Dienst“. Sie ist diejenige, die sicherstellen will, dass alles perfekt ist, dass der Gast sich wohlfühlt. Und dann ist da Maria, die einfach zu Füßen Jesu sitzt und ihm zuhört. Wir kennen diese Geschichte so gut, und oft haben wir sie als einen Vergleich zwischen Aktivität und Gebet gehört. Aber heute möchte ich, dass wir tiefer blicken. Martha ist nicht böse; sie liebt Jesus. Sie drückt ihre Liebe durch ihre Sorge aus. Sie ist wie so viele von Ihnen, die Tag für Tag versuchen, das Leben zusammenzuhalten, die Lasten zu tragen, die Aufgaben zu bewältigen, die der Alltag – und der Schmerz – uns auferlegt.
Jesus sagt zu ihr: „Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen.“ Er tadelt sie nicht für ihren Dienst. Er sieht ihre Müdigkeit. Er sieht die Last auf ihren Schultern. Und er sagt ihr etwas, das auch für Sie, liebe Thao und lieber Alan, heute von entscheidender Bedeutung ist: „Eines aber ist notwendig.“ Er lädt sie ein, die Last der Sorge für einen Moment niederzulegen und einfach bei ihm zu sein. Er lädt sie ein, in der Stille zu erkennen, dass sie nicht alles kontrollieren müssen. Er lädt sie ein, in die Ruhe der Gegenwart Gottes einzutauchen.
Ich weiß, wie schwer diese Ruhe zu finden ist, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat. Ich weiß, wie die Gedanken am Morgen, wenn man die Augen öffnet, sofort zu dem leeren Platz am Tisch wandern, zu den Schuhen, die noch an der Tür stehen, zu dem Lachen, das man so schmerzlich vermisst. Manchmal schleicht sich in diese Stille eine Last ein, die schwerer wiegt als alles andere: die Frage nach dem Warum, die quälende Selbstprüfung. ‚Hätte ich etwas anders machen können? War ich wachsam genug? Habe ich ein Zeichen übersehen?‘ Diese Last der Selbstvorwürfe ist ein Stein, den Sie nicht tragen müssen. Lassen Sie mich heute im Licht des Evangeliums diesen Stein ganz behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge, kein Mangel an Liebe oder Aufmerksamkeit. Manche Wege in dieser Welt sind so rätselhaft, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass keine Liebe der Welt und kein Wachen sie hätte verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat ihn in seine Ewigkeit gerufen, in eine Zeit, in der es kein Weinen mehr gibt. Sie haben nichts versäumt. Ihr Kind wurde geliebt, wie wenige Kinder auf dieser Welt geliebt werden. Das ist das Einzige, was zählt.
Denken Sie an die Großzügigkeit von Benjamin. Er war ein Junge, der, als er von der Krankheit seines Onkels William hörte, unaufgefordert sein ganzes Erspartes hergeben wollte. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Weise da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden Menschen hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das ist es, was Jesus meint, wenn er von der ‚besseren Wahl‘ spricht. Es ist die Wahl der Liebe, die nicht rechnet, die nicht fragt: ‚Was bleibt für mich?‘, sondern die einfach gibt, weil das Herz es so will. Ben hat das gelebt. Er war ein Junge, der mit einer solchen Reinheit durch die Welt ging, der in seinem Gekichern über die ‚Con Chim Airlines‘ eine Freude bewahrte, die über das Irdische hinauswies.
Paulus schreibt im Brief an die Galater von seiner eigenen Verwandlung. Er spricht davon, wie Gott ihn schon im Mutterleib dazu bestimmt hatte, seinen Sohn zu verkünden. Er war ein Verfolger, ein Mann, der den Weg zerstören wollte, und doch wurde er durch Gnade berufen. Das ist die Macht Gottes: Er kann aus dem Schmerz, aus der Verfolgung, aus dem, was uns zerrissen scheint, etwas Neues schaffen. Er kann den Schmerz in eine neue Art von Hoffnung verwandeln. Benjamin ist jetzt dort, wo diese Verwandlung vollendet ist. Er ist bei dem Herrn, zu dessen Füßen Maria saß. Er ist in der Schule der Liebe, wo es keine ‚Con Chim Airlines‘ mehr braucht, weil er bereits am Ziel angekommen ist.
Ryan, mein lieber Junge, ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist derjenige, der dich anfeuert, wenn du morgens aufstehst, der dich begleitet, wenn du in der Schule bist, der dich anlächelt, wenn du an eure gemeinsamen Abenteuer denkst. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verwirklichst. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm; er hört dich in der Stille deines Herzens. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der nun dort ist, wo es keinen Schmerz mehr gibt.
An alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Gottes Liebe ist wie ein unendlicher Ozean, der deine Tränen auffängt. Wie jener Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen sauberes, kühles Wasser zu schenken, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an sein ansteckendes Gekichern bei den Geschichten von ‚Con Chim Airlines‘ denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Gehet hin in Frieden.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.