Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir versammeln uns heute in der Gegenwart dessen, der unser Licht und unsere Zuflucht ist.
Herr, erbarme dich unserer, denn wir haben den Weg verloren. Christus, erbarme dich unserer, denn wir tragen eine Last, die uns beugt. Herr, erbarme dich unserer, denn du allein bist unsere Hoffnung.
Stellen Sie sich für einen Moment ein ganz schlichtes, alltägliches Bild vor: Benjamin, wie er an einem sonnigen Nachmittag in seinem Zimmer sitzt, umgeben von seinen geliebten Flugzeugmodellen. Er hält eines dieser Modelle in der Hand, vielleicht eine Boeing 737, und mit diesem typischen, sanften Leuchten in den Augen erklärt er seinem Vater ein technisches Detail, das nur er so genau wahrgenommen hat. Er ist nicht einfach ein Junge, der spielt; er ist ein Geist, der nach der Ordnung hinter den Dingen sucht, nach der Schönheit der Technik und nach dem, was das Leben zum Fliegen bringt. Drei Monate sind vergangen, seit Benjamin Vo am 13. Juni 2026 zu Gott heimkehrte, und wir suchen heute in den heiligen Schriften nach einem Wort, das unsere Herzen halten kann, wenn die Stille des Hauses uns wieder einmal mit ihrer ganzen Schwere umfängt.
Im Buch Kohelet hören wir heute diese fast schon erschütternde Aufforderung: ‚Freu dich, junger Mann, in deiner Jugend.‘ Es ist ein Aufruf zum Leben, zum Staunen, zum Entdecken. Doch direkt danach folgt die Mahnung: ‚Denk an deinen Schöpfer in den Tagen deiner Jugend.‘ Wir blicken auf das Leben von Ben, das so kurz war, so voller Verheißung und so plötzlich abgeschlossen, und wir fühlen den Stachel dieser Worte. Wir sehen den ‚silbernen Faden‘, der zerrissen wurde, und die ‚goldene Schale‘, die zerbrach. Wir spüren den Schmerz, weil wir uns noch im Schatten des Abschieds befinden. Wir fragen uns, warum die Jahre so kurz bemessen waren, warum der Flug so früh endete. Der Prediger spricht vom Staub, der zur Erde zurückkehrt, und vom Lebenshauch, der zu Gott zurückkehrt. Es ist eine tiefe, bittere Wahrheit, der wir uns stellen müssen: Das Leben ist zerbrechlich wie eine gläserne Schale.
Ich weiß, Thao und Alan, wie sehr diese Stille des Hauses manchmal wie eine unüberwindbare Wand vor Ihnen steht. Ich weiß, wie die Abwesenheit von Benjamin – diese Lücke, die kein technisches Gespräch, kein gemeinsames ‚Airport Spotting‘ und kein Lächeln ausfüllen kann – an Ihnen zehrt. Manchmal, in der Einsamkeit der Nacht, kommen diese quälenden Fragen: ‚Hätte ich etwas anders machen können? War ich wachsam genug?‘ Ich möchte heute, im Licht des Evangeliums, diesen Stein von Ihrem Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Fürsorge. Sie haben Benjamin nicht verloren, weil Sie etwas übersehen hätten. Manche Wege in dieser Welt sind so rätselhaft und so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass kein Wachen, keine Liebe der Welt sie hätte verhindern können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Lassen Sie diese Last endlich los. Gott hat Benjamin nicht ‚bestraft‘, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat ihn in seine Ewigkeit gerufen, in eine Zeit, in der es kein Weinen mehr gibt.
Im heutigen Evangelium hören wir, wie Jesus seinen Jüngern etwas Unbegreifliches ankündigt: ‚Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen ausgeliefert werden.‘ Die Jünger, die gerade noch über seine Taten staunten, sind plötzlich verstummt. ‚Sie verstanden das Wort nicht‘, heißt es. Es war ihnen verborgen. Wie oft stehen wir vor dem Leben und dem Sterben von Menschen wie Benjamin und verstehen es nicht? Wir sind wie die Jünger: Wir sind erschrocken, wir sind verwirrt, und wir haben Angst, zu fragen, weil wir fürchten, dass die Antwort uns noch mehr zerbrechen könnte. Aber sehen Sie genau hin: Jesus spricht nicht von einer Niederlage. Er spricht von der Hingabe. Er spricht von dem Weg, den er geht, um uns den Weg zum Vater zu ebnen.
Denken Sie an die Art, wie Ben gelebt hat. Er war ein Junge, der wusste, was es heißt, sich hinzugeben. Denken Sie an den Moment, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte. Unaufgefordert, ohne dass es jemand von ihm verlangte, wollte er sein gesamtes Erspartes hergeben, um zu helfen. Er hat das Sparschwein am Ende nicht zerstört – es war nicht nötig, die Versicherung deckte den Bedarf, und er musste es nicht einmal öffnen. Aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden Menschen hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Ben hat nicht erst Theologie studiert, um zu wissen, was Nächstenliebe ist. Er hat sie gelebt. Er war ein Junge mit einem scharfen, brillanten Verstand, der sich in der Welt der Cloud-Infrastruktur bewegte, aber sein echtes Fundament war ein sanftes, gütiges Herz. Er war einer derer, die das Reich Gottes schon in sich trugen.
Das Wort Gottes, das Ben so tief in sich trug, ist nun in ihm vollendet. Er ist jetzt dort, wo das Wort nicht mehr gehört, sondern geschaut wird. Er ist in der Gemeinschaft derer, die Gott von Angesicht zu Angesicht schauen. Er schaut auf Sie herab, nicht mit Mitleid, sondern mit einer Freude, die wir hier unten noch nicht ganz erfassen können. Ryan, mein lieber Junge, du vermisst deinen Bruder so unendlich. Du weißt, wie still das Haus manchmal ist, wenn du an die gemeinsamen Momente denkst, an die Spaziergänge, an das Lachen. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du denkst. Er schaut auf dich herab mit diesem liebevollen, aufmunternden Blick. Er möchte, dass du mutig bist, dass du neugierig bleibst auf das Leben, dass du deine eigenen Träume träumst. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der dich begleitet, wenn du deinen Weg gehst. Wenn du dich einsam fühlst, dann wisse: Die Liebe, die ihr geteilt habt, ist ein Band, das stärker ist als der Tod. Sie ist Teil der Ewigkeit, in der Ben nun geborgen ist.
Sehen Sie, wie der Psalmist heute sagt: ‚Lehre uns unsere Tage zählen, damit wir ein weises Herz gewinnen.‘ Das ist das Licht, das Ben auf seinem Weg begleitet hat. Es ist das Licht, das auch Sie durch diese dunklen Monate führt. Gott ist kein Buchhalter, der unsere Tage zählt; er ist der Vater, der seine Kinder bei sich haben will. Er sammelt Ihre Tränen in seinem Krug. Er hält Alan und Thao in seinen Händen, wenn die Nacht zu schwer wird. Die Liebe, die Ben in die Welt gebracht hat, ist nicht mit ihm gestorben. Sie fließt weiter, wie das Wasser aus dem Brunnen in Cà Mau, der in seinem Namen Leben spendet. Sein Name, Đại Dương, der ‚Große Ozean‘, ist nicht in der Leere versunken; er hat sich in den unendlichen Ozean der göttlichen Barmherzigkeit ergossen.
Nehmen Sie heute das als Geschenk mit nach Hause: Wenn die Erinnerung kommt und der Schmerz kurz den Atem raubt, dann suchen Sie nicht nach Erklärungen. Suchen Sie nach einer kleinen Geste der Güte. Lächeln Sie bei dem Gedanken an Ben und seine Flugzeuge, seine ‚Con Chim Airlines‘, die in Ihrem Herzen weiterfliegt. Sagen Sie ein kurzes Gebet und legen Sie Ihren Kummer in Gottes Hände. Er hält Sie fest. Er hält Benjamin. Und er führt uns alle eines Tages an den Tisch, an dem keine Träne mehr fließen wird. Er ist der Gott, der nicht nur das Gestern und das Morgen kennt, sondern der in jedem Augenblick bei uns ist. Vertrauen Sie darauf, dass Ben nun in einer Weite lebt, die alle unsere Vorstellungen übersteigt. Gehen Sie in Frieden, getragen von der Hoffnung, die niemals enttäuscht, weil die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns und behüte uns, er lasse sein Angesicht über uns leuchten und schenke uns seinen Frieden. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.