Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geist. Der Herr sei mit euch.
Herr, Jesus Christus, du bist der Eckstein, den die Bauleute verworfen haben. Herr, erbarme dich. Du hast uns als deinen geliebten Weinberg gepflanzt und umsorgt. Christus, erbarme dich. Du führst uns in den Frieden deines ewigen Reiches. Herr, erbarme dich.
Stellen Sie sich für einen Augenblick etwas ganz Schlichtes vor, etwas, das beinahe im Alltäglichen verschwindet, wenn nicht das Herz daran hängen würde: Ein sonnenbeschienenes Stück Erde, sorgfältig umgraben, von Steinen befreit, mit den edelsten Reben bepflanzt. Ein Wachturm ragt in die Luft, eine Kelter ist im Gestein ausgehauen. Es ist das Bild eines Weinbergs, in den ein Winzer seine ganze Mühe, seine ganze Sehnsucht und jede Faser seiner Fürsorge hineingelegt hat. Er tut alles, was ein liebender Hirt oder Winzer tun kann; er wartet auf süße Trauben, auf den Ertrag der Liebe, auf das Leben in seiner Fülle. Doch als die Erntezeit naht, findet er dort im Text des Propheten Jesaja etwas ganz anderes: wilde Trauben, harte Dornen, das ungehörte Klagen über blutige Ungerechtigkeit. Es ist das schmerzliche Bild einer enttäuschten Hoffnung, einer Liebe, die ins Leere zu greifen scheint.
Wir hören diese Bilder heute, drei Monate nachdem Benjamin die Schwelle dieser irdischen Welt in die Ewigkeit überschritten hat, und das Herz zieht sich unwillkürlich zusammen. Wir blicken auf das, was uns an diesem Sonntag in der Lesung und im Evangelium geschenkt wird, und wir fragen uns, wie sich dieses Warten des Winzers mit unserem eigenen Warten, mit unserer eigenen Sehnsucht verträgt. Benjamin, den Sie, liebe Thao und lieber Alan, so unendlich vermissen, war selbst ein Winzer des Lebens im Kleinformat. Denken Sie an seine scharfe, helle Brillanz – an diesen Jungen, der schon in jungen Jahren von der Technik fasziniert war, der mit einer unglaublichen Leichtigkeit in die Welt der Cloud-Infrastruktur eintauchte, die Codes für seine geliebten, im Kichern erdachten Flüge von ‚Con Chim Airlines‘ entwarf. Aber hinter all dieser technologischen Neugier und diesem brillanten Verstand stand vor allem ein zartes, tief gütiges Herz. Er war der Junge, der am Morgen als Erster die Treppe herunterkam, um ein leises ‚Guten Morgen, Dad‘ zu sagen. Er war derjenige, der die erfundenen Geschichten seines Vaters mit einer solchen Ehrfurcht hörte, als wären sie die realsten Wahrheiten der Welt.
Und doch wissen wir, wie schwer die Erde manchmal zu bearbeiten ist. Wir kennen die Dornen. Wir kennen den Schmerz, der in der Stille eines Raumes aufsteigt, wenn kein Schritt mehr über den Flur hallt. Manchmal schleicht sich in die Dunkelheit der Nacht jener unerbittliche, bleierne Stein der Selbstvorwürfe ein. Man fragt sich, ob man etwas übersehen hat, ob man das Unabwendbare hätte abwenden können, ob ein anderer Schritt das Schicksal hätte verändern können. Lassen Sie mich heute, im Licht dieses Wortes Gottes, diesen Stein behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen elterlicher Fürsorge, kein Mangel an Wachsamkeit oder Liebe. Manche Wege in dieser zerbrochenen Welt sind so unbegreiflich, so fernab jeder menschlichen Kontrolle, dass keine Liebe der Welt und kein Wachen sie hätte aufhalten können. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Liebe, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft, und er hat Sie nicht im Stich gelassen. Er hat diesen zarten Rebstock in seinen himmlischen Garten versetzt, wo er nun in unvergänglichem Licht erblüht.
Im Evangelium nach Matthäus führt uns Jesus noch tiefer in dieses Gleichnis vom Weinberg. Er spricht von Pächtern, die den Weinberg für sich beanspruchen wollen, die den Sohn des Winzers hinauswerfen und töten, weil sie das Erbe an sich reißen möchten. Und dann stellt Jesus diese ergreifende Frage: ‚Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden.‘ Das ist der schicksalhafte Wendepunkt, das Herzstück der heutigen Botschaft. Die Menschen mögen verwerfen, was schwach erscheint, die Welt mag den Tod als das letzte Wort setzen, die Umstände mögen uns den Boden unter den Füßen wegziehen – aber Gott nimmt genau diesen verworfenen Stein und macht ihn zum Fundament seiner Herrlichkeit. Benjamin war niemals ein verworfener Stein in Gottes Augen; er war von Anfang an der auserwählte, geliebte Sohn, dessen Lebenslauf in der Ewigkeit vollendet wurde. Er hat uns mit seiner Sanftmut gezeigt, was es heißt, den Nächsten zu lieben. Erinnern Sie sich an jenen Augenblick, als er von der schweren Krankheit seines Onkels William hörte? Unaufgefordert, ohne dass jemand es von ihm verlangt hätte, wollte er sein gesamtes Erspartes hergeben, um zu helfen. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Weise da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen leidenden Menschen hinzugeben, ist der reine Abglanz des Evangeliums. Das ist der Weinberg, den Gott sucht: ein Herz, das sich ganz verschenken kann.
Ich spreche heute zu Ihnen, die Sie in diesem Schmerz stehen. Ich spreche zu Ihnen, Thao und Alan, deren Tage so oft schwer und leer erscheinen. Und ich spreche zu dir, Ryan, mein lieber Junge. Du vermisst deinen Bruder, deinen besten Freund, mit dem du so viele Wege gegangen bist, mit dem du die Welt erkundet und gelacht hast. Dein Bruder Benjamin ist nicht fort. Er ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist derjenige, der dich im Wind streichelt, der dich anlächelt, wenn du an eure gemeinsamen Abenteuer denkst, der möchte, dass du mutig und aufrecht durch dein Leben gehst. Wenn du dich einsam fühlst, dann sprich mit ihm; er hört dich in der Stille deines Herzens. Er ist nun dort, wo kein Schmerz mehr ist, im ewigen Frieden, den Jesus uns verheißen hat.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt, und an jedes Kind, das auf Stationen oder in stillen Zimmern leidet: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Gottes Liebe ist wie ein unendlicher Ozean, der deine Tränen auffängt. Wie jener Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen sauberes, kühles Wasser zu schenken, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht.
Der Apostel Paulus ruft uns im zweiten Brief an die Philippiker zu: ‚Sorgt euch um nichts, sondern lasst in allem eure Bitten durch Gebet und Flehen mit Dank vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Sinne in Christus Jesus bewahren.‘ Das ist die Einladung für diesen Tag. Wir müssen die Last nicht alleine tragen. Wir dürfen sie ablegen vor dem Altar dessen, der den Weinberg angelegt hat.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an sein ansteckendes Gekichern bei den Geschichten von ‚Con Chim Airlines‘ denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch; der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig. Er schenke euch seinen Frieden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geist. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.