Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.
Herr, du bist unser Hirte, erbarme dich unser. Christus, du bereitest uns einen Tisch im Haus des Vaters, erbarme dich unser. Herr, du wischst alle Tränen von unseren Angesichtern, erbarme dich unser.
Stellen Sie sich für einen Moment einen Tisch vor, der so reich gedeckt ist, dass er unter der Last der Gaben fast zu bersten scheint. Es ist nicht nur ein Festmahl, wie wir es von großen Feiern kennen, sondern eine Verheißung, die tief in das Herz der Menschheit hineinreicht. Der Prophet Jesaja spricht heute von einem Berg, auf dem der Herr der Heere für alle Völker ein Gastmahl gibt – ein Fest mit feinsten Speisen, mit köstlichen Weinen, ein Ort, an dem der Schleier, der alle Völker verhüllt, für immer vernichtet wird. ‚Er wird den Tod auf ewig verschlingen‘, sagt der Prophet, ‚und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen.‘
Das ist ein Bild, das wir heute, drei Monate nach Benjamins Heimgang, nicht nur hören, sondern nach dem wir uns mit jeder Faser unseres Seins sehnen. Wir suchen nach diesem Berg, nach diesem Tisch, an dem die Tränen ein Ende haben. Und doch stehen wir oft im Alltag wie jene Gäste im Gleichnis Jesu, die so sehr mit ihrem Feld, ihrem Geschäft, ihrem ‚Business‘ beschäftigt waren, dass sie die Einladung zum Hochzeitsfest des Königs ausschlugen. Wir sind oft so gefangen in der Logik unserer Sorgen, unserer Arbeit und unserer irdischen Pläne, dass wir den Blick für das Fest verlieren, das Gott uns bereits heute, mitten in unserer Trauer, bereiten will.
Benjamin Vo war ein Junge, der in seiner kurzen Zeit auf Erden eine erstaunliche Fähigkeit besaß, genau dieses Fest des Lebens zu feiern. Er war ein Junge, dessen Brillanz uns immer wieder zum Staunen brachte – ein junger Geist, der sich in der Cloud-Infrastruktur und in der komplexen Mathematik so sicher bewegte, als würde er eine eigene Sprache sprechen. Aber erinnern wir uns an das, was ihn wirklich ausmachte: Es war nicht sein Verstand, sondern sein Blick auf die Welt. Er liebte es, mit seinem Vater am Flughafen zu stehen, ‚Airport Spotting‘ zu betreiben, die Boeing 737 zu beobachten und von einer eigenen Fluggesellschaft, den ‚Con Chim Airlines‘, zu träumen. Wenn er davon sprach, dann leuchteten seine Augen, und ein ansteckendes Gekichern erfüllte den Raum. Er hatte diese wunderbare Gabe, in der Technik nicht nur kalte Logik zu sehen, sondern die Schönheit von Verbindungen, von Weite, von Möglichkeiten. Er sah in den Flugzeugen nicht nur Maschinen, sondern Boten, die Menschen zusammenbringen.
Und heute, da die Stille in Ihrem Haus, liebe Thao und lieber Alan, oft so schwer wiegt, möchte ich, dass Sie dieses Bild von Ben festhalten: Ben, wie er mit diesem strahlenden Lächeln an der Seite seines Vaters steht, bereit für das nächste Abenteuer, bereit, die Welt zu erkunden. Er war ein Junge, der das Leben nicht nur konsumierte, er feierte es. Er war ein Kind des Lichts, und dieses Licht ist nicht erloschen. Es ist eingegangen in das Festmahl, von dem Jesaja spricht. Er sitzt jetzt an diesem Tisch, an dem keine Krankheit mehr ist, keine Müdigkeit, kein Abschied.
Ich weiß, wie die Abende sind. Ich weiß, wie die Erinnerung an Ben manchmal wie ein scharfer Schmerz einsetzt, besonders wenn die Stille des Hauses die Worte, die er nicht mehr sagen kann, so laut werden lässt. Und ich kenne jenen anderen Schatten, der sich manchmal in die Gedanken der Eltern schleicht: die Frage, ob man etwas hätte anders machen können. Hätte man ein Zeichen übersehen? War man nicht wachsam genug? Lassen Sie mich heute, im Licht der Schrift, diesen Stein ganz behutsam von Ihren Herzen nehmen. Krankheit ist niemals eine Strafe. Sie ist kein Versagen Ihrer elterlichen Liebe, kein Mangel an Sorgfalt. Es gibt in dieser Welt eine Zerbrechlichkeit, die jenseits aller menschlichen Kontrolle liegt. Gott klagt Sie nicht an. Er sieht nicht auf ein vermeintliches Defizit; er sieht auf die unendliche, aufopfernde Zärtlichkeit, mit der Sie diesen wunderbaren Jungen durch sein kurzes, reiches Leben begleitet haben. Sie haben nichts versäumt. Sie haben ihn geliebt, wie man nur lieben kann. Sie sind frei von jeder Schuld. Gott hat Benjamin nicht gestraft; er hat ihn in seine Arme aufgenommen, in jene Geborgenheit, die wir alle eines Tages erfahren werden.
Paulus schreibt im zweiten Lesungstext: ‚Ich kann alles in dem, der mich stärkt.‘ Das ist das Geheimnis, das wir heute lernen müssen. Es ist nicht die Stärke aus uns selbst, die uns durch die Trauer trägt. Es ist die Stärke Christi, die uns an jenen Tisch führt, von dem Jesaja spricht. Es ist die Gewissheit, dass wir, auch wenn wir durch das dunkle Tal wandern, nicht allein sind. Der Herr ist unser Hirte. Er führt uns an Wasser des Lebens, er erquickt unsere Seele. Er bereitet uns einen Tisch, selbst im Angesicht unserer Trauer, unserer Ängste, unserer ‚Feinde‘, die uns das Leben schwer machen wollen.
Ryan, mein lieber Junge, hör mir einen Moment zu. Ich weiß, wie sehr du deinen Bruder vermisst. Ihr wart ein Team, zwei Brüder, die zusammen die Welt entdeckten, die zusammen lachten und Pläne schmiedeten. Dein Bruder Benjamin ist dir näher, als du es mit den Augen je sehen könntest. Er ist in deinen Erinnerungen, er ist in dem Wind, der draußen weht, er ist in der Stille deines Herzens. Er möchte, dass du lebst, dass du mutig bist, dass du deine eigenen Träume verfolgst. Wenn du dich einsam fühlst, sprich mit ihm. Er hört dich. Er ist dein großer Bruder im Himmel, der auf dich wartet und der sich wünscht, dass du die Freude am Leben, die ihr geteilt habt, in dir bewahrst. Lebe für ihn mit, sei mutig, sei fröhlich, so wie er es war.
Und an alle, die heute von fern oder nah zuhören – an jede Familie, die einen schweren, unsichtbaren Kreuzweg trägt: Wisse, dass du nicht vergessen bist. Gottes Liebe ist wie ein unendlicher Ozean, der deine Tränen auffängt. Wie jener Brunnen, der in Cà Mau in Bens Namen gegraben wurde, um durstigen Menschen frisches Wasser zu schenken, so fließt auch die Liebe dieses Jungen weiter in dieser Welt. Sie ist nicht versiegt im Tod. Sie spendet Leben, sie tröstet, sie erinnert uns daran, dass das Gute niemals verloren geht. Gott vergisst keinen Tropfen Liebe, den wir gegeben haben.
Jesus spricht im Evangelium von einem Hochzeitsgewand. Er mahnt uns, dass wir nicht einfach so zum Fest erscheinen können – wir brauchen das Gewand der Liebe, das Gewand der Gnade. Benjamin hat dieses Gewand getragen. Er war ein Junge, dessen Herz so rein war, dass er, als er von der Krankheit seines Onkels William hörte, unaufgefordert anbot, sein gesamtes Erspartes hinzugeben. Er hat das Sparschwein nicht zerstört, er hat es nicht geleert – es war nicht nötig, die Hilfe war auf andere Weise da –, aber das Angebot selbst, diese radikale, unerschütterliche Bereitschaft, alles, was er besaß, für einen Menschen in Not hinzugeben, ist das wahre Hochzeitsgewand. Es ist die Liebe, die nicht rechnet, die nicht fragt: ‚Was bekomme ich dafür?‘, sondern die einfach nur gibt. Das ist die Logik des Reiches Gottes.
Gehen Sie heute mit diesem einen, kleinen Gedanken aus dieser Stunde: Die Liebe, die Sie für Benjamin empfunden haben und die er Ihnen schenkte, ist stärker als der Tod. Sie ist das Band, das Sie für immer verbindet. Bewahren Sie seine Neugier im Herzen, lächeln Sie, wenn Sie an seine Freude denken, und vertrauen Sie darauf, dass er gut aufgehoben ist am Tisch des ewigen Vaters. Er ist dort, wo die ‚Con Chim Airlines‘ in einer Realität aufgehen, die all unsere Vorstellungskraft übersteigt. Er ist in Gottes Frieden. Der Herr halte seine schützende Hand über Sie, er tröste Ihre Herzen, und sein Friede begleite Sie heute und an jedem kommenden Tag. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.