Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Geliebte Schwestern und Brüder, wir versammeln uns heute im Schatten des Kreuzes, um in der Liebe Christi Kraft und Trost zu finden.
Herr, erbarme dich unserer Schwachheit. Christus, heile die Wunden unserer Herzen. Herr, schenke uns deinen Frieden.
Stellen Sie sich für einen Moment ein Bild vor, das wir alle kennen: Ein Junge, der mit leuchtenden Augen vor einem Fenster steht und den Himmel beobachtet. Für Benjamin Vo war dieser Blick in den Himmel mehr als nur Zeitvertreib. Er war ein Entdecker. Er liebte die Technik, die Boeing 737, die Logik der Cloud-Infrastruktur, die Welt der Zahlen. Er war ein Junge, der den Himmel nicht nur als Weite sah, sondern als ein Ziel, das man verstehen, das man erreichen, in das man fliegen wollte. Heute, an diesem Fest der Kreuzerhöhung, schauen wir gemeinsam in den Himmel – aber nicht, um eine Flugbahn zu berechnen, sondern um auf das Zeichen zu blicken, das dort für uns aufgerichtet ist: das Kreuz Christi.
Im Buch Numeri hören wir heute von den Israeliten in der Wüste. Sie waren müde. Sie waren erschöpft vom langen Weg. Ihr Vertrauen war aufgebraucht, ihre Geduld am Ende. Sie klagten gegen Gott und Moses: ‚Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt, damit wir in dieser Wüste sterben?‘ Es ist eine Klage, die uns nur allzu vertraut ist, wenn wir durch die Wüste der Trauer wandern. Manchmal fühlt sich das Leben genau so an: heiß, trocken, ohne Wasser, ohne Hoffnung. Und in dieser Not schickt Gott ein Zeichen: eine eherne Schlange an einer Stange. Wer sie ansah, der lebte.
Was für ein seltsames Bild. Warum eine Schlange? Warum nicht ein helles Licht oder ein tröstendes Wort? Es ist, weil Gott uns dort abholt, wo wir sind – mitten im Schmerz. Er nimmt das, was uns beißt, das, was uns vergiftet, das, was uns den Atem nimmt, und verwandelt es in ein Zeichen der Heilung. Er bittet uns nicht, den Schmerz zu leugnen. Er bittet uns nur, den Blick zu heben. ‚Wer auf das Zeichen blickt, der wird leben.‘
Thao
Es ist nun drei Monate her, seit Benjamin in die Herrlichkeit Gottes heimgekehrt ist. Ich weiß, Thao und Alan, wie schwer diese Monate waren. Ich weiß, dass es Tage gibt, an denen der Schmerz so tief sitzt, dass man sich fragt, ob man irgendwo den Halt verloren hat. Ihr habt euch vielleicht gefragt, ob ihr etwas übersehen habt, ob ihr mehr hättet tun können. Ich möchte heute, im Licht dieses Festes, ein Wort der absoluten Befreiung zu euch sagen: Krankheit ist niemals eine Strafe Gottes. Sie ist kein Versagen eurer elterlichen Fürsorge. Gott richtet nicht nach dem, was wir als ‚Erfolg‘ oder ‚Misserfolg‘ bezeichnen. Er schaut auf das Herz. Ihr habt Ben nicht verloren, weil ihr etwas falsch gemacht habt. Ihr habt ihn in eine Liebe hinein begleitet, die so rein war, dass er die Welt mit einer solchen Empathie betrachten konnte. Ihr seid keine Wächter, die versagt haben; ihr seid die Eltern, die ihm beigebracht haben, was es heißt, ein Mensch zu sein, der liebt. Die Krankheit, die Ben traf, war ein zufälliges, unerbittliches Ereignis, das jenseits aller menschlichen Kontrolle lag. Kein Wachen, kein Planen, kein Wissen der Welt hätte das verhindern können. Gott klagt euch nicht an, und ihr dürft euch selbst nicht länger anklagen. Bitte, lasst diese schwere Last der Schuld endlich los.
Jesus sagt im heutigen Evangelium zu Nikodemus: ‚Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.‘ Das ist der Kern unseres Glaubens. Das Kreuz ist nicht das Ende. Es ist der Ort, an dem Gott sich selbst in unsere Wunde hineinbegibt. Er hat den Tod am Kreuz nicht nur erlitten, er hat ihn durchschritten. Er hat den Tod ‚erhöht‘, ihn an den Rand des Universums gestellt, wo er keine Macht mehr über uns hat. Ben ist jetzt dort, wo das Kreuz nicht mehr schmerzt, sondern wo es nur noch der Schlüssel zur Herrlichkeit ist.
Denken Sie an Ben, wie er mit seinem Bruder Ryan in Japan stand, die Arme ausgestreckt, um die anderen zu halten, damit niemand den Anschluss verliert. Er war ein Junge, der Verbindungen schuf. Er war ein Junge, der das Leben liebte – das Kichern über seine ‚Con Chim Airlines‘, das stolze Tragen seines grünen Halstuchs bei den Pfadfindern, das beharrliche Versuchen auf dem Badmintonplatz. Er war ein Kämpfer, aber vor allem war er ein Liebender. Er bot sein ganzes Erspartes für seinen Onkel an, nicht weil er musste, sondern weil sein Herz nicht anders konnte. Das war Ben. Das war der Geist, den Gott in ihn gelegt hat. Und dieser Geist ist nicht tot. Er ist bei Gott, dem Ursprung aller Liebe.
Ryan, mein lieber Junge, du vermisst deinen Bruder. Du trägst die Erinnerung an ihn in dir wie einen kostbaren Schatz. Wenn du an ihn denkst, dann weißt du, dass er nicht weg ist. Er ist bei dir, in jedem Moment, in dem du mutig bist, in jedem Moment, in dem du dich für das Gute entscheidest. Er ist dein großer Bruder, der dich jetzt aus der Nähe Gottes begleitet. Er möchte, dass du lebst. Er möchte, dass du deine Träume verfolgst, dass du neugierig bleibst, dass du die Welt entdeckst, wie ihr es gemeinsam getan habt. Du bist nicht allein. Die Liebe zwischen euch ist ein Band, das stärker ist als der Tod.
Ich weiß, dass ihr euch nach einem Zeichen sehnt. Alan, du hast von Träumen gesprochen, von der Suche nach Ben. Gott kennt diese Sehnsucht. Er weiß, wie sehr ihr ihn vermisst. Aber heute lädt er euch ein, nicht auf die Schlange zu schauen, die beißt, sondern auf das Kreuz, das rettet. Das Kreuz sagt uns: Gott ist hier. Er ist in eurem Schmerz. Er ist in der Stille des Hauses. Er ist in der Liebe, die ihr für Ben empfindet. Er hält Ben fest, und er hält euch fest. Ihr seid nicht verlassen. Ihr seid gehalten.
Ben ist jetzt Teil des ‚Banquet of Heaven‘. Er ist dort, wo die Tränen abgewischt werden. Er ist bei dem jungen heiligen Carlo Acutis, mit dem er so viel gemeinsam hat – die moderne Neugier, das strahlende Lächeln und die tiefe Liebe zu Jesus. Sie schauen auf euch herab. Sie intercedieren für euch. Sie sind eure Fürsprecher bei dem, der das Leben selbst ist.
Wenn ihr heute aus diesem Gottesdienst geht, nehmt euch einen kleinen, greifbaren Vorsatz. Wenn die Trauer euch überkommt, dann haltet für einen Moment inne. Atmet tief durch. Stellt euch Ben vor, wie er euch anlächelt – dieses Lächeln, das so viel Wärme ausstrahlte. Sagt ein kurzes Gebet: ‚Herr, ich danke dir für das Geschenk meines Sohnes, meines Bruders. Ich vertraue dir meinen Schmerz an.‘ Und dann tut etwas Kleines, das von Liebe zeugt. Ein gutes Wort für jemanden, der einsam ist, ein Moment der Aufmerksamkeit für einen anderen Menschen. Lasst Bens Liebe durch euch in diese Welt fließen. Ihr seid nicht allein. Gott hält euch, er hält Ben, und er hält eure Zukunft fest in seinen Händen. Bleibt in diesem Vertrauen. Bleibt in seiner Liebe. Es kommt der Tag, an dem ihr euch wiedersehen werdet, in einem Licht, das niemals untergeht. Amen.
For the intentions entrusted to Ben on our prayer wall:
Dem Gebot des Herrn gehorsam und getreu seinem göttlichen Wort, wagen wir zu sprechen:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Der Herr segne euch und behüte euch. Er lasse sein Angesicht über euch leuchten und schenke euch seinen Frieden. Amen.
✝ Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.